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Neuer und Flick mahnen : Die gefährliche Lage beim FC Bayern

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Geht mit dem FC Bayern in die entscheidende Phase der Champions League: Torhüter Manuel Neuer Bild: Reuters

Vor den entscheidenden Spielen in der Champions League herrscht beim FC Bayern große Zuversicht. Doch es gibt auch kritische Töne. Torhüter Manuel Neuer äußert sich derweil zu seinem umstrittenen Urlaubsvideo.

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          Ein lächelnder Manuel Neuer blickte dem Probelauf dahoam mit leuchtenden Augen entgegen. An einen wiederkehrenden Chelsea-Albtraum verschwendet der Kapitän des FC Bayern keine Gedanken. Vielmehr soll die Neuauflage des tränenreichen Endspiels von 2012 zum Münchner Startschuss für eine 16-tägige Blitzjagd auf das Triple werden. „Wir sind alle sehr hungrig“, verkündete Neuer vor dem Achtelfinalrückspiel gegen die Londoner. „Wenn man in ein Champions-League-Turnier startet, ist es wichtig, das Ziel vor Augen zu haben. Das haben wir mit Meisterschaft und Pokal erlebt.“

          Champions League

          Für den EM- und WM-erfahrenen Neuer ist der Ernstfall gegen den Premier-League-Vierten eine Art letztes Gruppenspiel vor der K.o.-Runde im Titelkampf. „Es ist für uns ein Re-Start in das Champions-League-Turnier“, sagte der Fußball-Nationaltorhüter am Freitag. Bei einem Viertelfinaleinzug an diesem Samstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) würde der Bayern-Tross gleich am Tag darauf nach Portugal reisen, um sich in einem Trainingslager an der Algarve auf das „Final-8-Turnier“ vom 12. bis 23. August in Lissabon einzustimmen.

          „Dann kommen K.o.-Spiele, das sind immer Finals. Wir kennen das auch von der Nationalmannschaft, da kann jeder Fehler bestraft werden“, mahnte Neuer. Eine gefährliche Lage. Der total fokussierte Hansi Flick, als langjähriger Assistent von Bundestrainer Joachim Löw turniererprobt, mochte noch nicht auf das „Power-Turnier“ in Portugal schauen. „Alles, was nach Chelsea kommt, ist nicht in unseren Köpfen“, behauptete Flick.

          Imposante Ausbeute

          Nach dem 3:0 aus dem Hinspiel kann in der heimischen Arena vermeintlich kaum noch etwas schiefgehen. „Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen“, sagte Ehrenpräsident Uli Hoeneß. In 224 Heimspielen im Europapokal unterlagen die Münchner nur einmal mit einem Ergebnis, das das Aus bringen würde. Im Halbfinale 2014 gegen Real Madrid gingen die Pep-Guardiola-Bayern krachend mit 0:4 unter. „Im Fußball ist vieles möglich. Aber wir hoffen, dass das nicht der Fall ist“, sagte Flick.

          Sieben Siege in bislang sieben Königsklassen-Spielen der Saison bei 27:5 Toren lautet die imposante Ausbeute des Ensembles um Toptorschütze Robert Lewandowski (11 Treffer). Noch beeindruckender ist die Geisterspielbilanz: Elf Spiele, elf Siege. „Ich hoffe, dass wir genauso gut in den zweiten Re-Start reinkommen“, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Er spürt: „Die Jungs brennen!“

          Das Elfmeter-Drama gegen Chelsea um den heutigen Trainer und damaligen Kapitän Frank Lampard spielt für dieses Duell keine Rolle. Präsent ist das durch den Pfostenschuss von Bastian Schweinsteiger verlorene Elfmeterschießen vor über acht Jahren aber trotzdem noch. Jérôme Boateng, Thomas Müller und Neuer standen damals in der Münchner Formation. Diesmal strebt das Trio einen Heimsieg an. „Wir wollen mit einem guten Spiel beginnen“, sagte Neuer. „Ich habe das Gefühl, dass wir voll im Saft und gut vorbereitet sind.“

          Neuer und Co. bejubelten ein Jahr nach dem verlorenen Finale dahoam unter Jupp Heynckes das Triple. Den Geist von Wembley wollen viele Beobachter auch im aktuellen Ensemble ausgemacht haben. „Ich glaube, wir tun gut daran, step by step zu denken. Das haben wir 2013 auch gut gemacht“, erinnerte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

          Flick kann gegen das ersatzgeschwächte Chelsea, das unter anderem auf den verletzten früheren Dortmunder Christian Pulisic verzichten muss, auch nicht seine Wunschformation aufbieten. Mittelfeldchef Joshua Kimmich ersetzt „in diesem Spiel“, wie Flick sagte, den verletzten Benjamin Pavard als Rechtsverteidiger. Für Kimmich rückt wiederum Thiago an die Seite von Leon Goretzka ins Mittelfeld. Wegen Muskelbeschwerden fällt auch Flügelstürmer Kingsley Coman aus.

          Flick könnte Ivan Perisic als Ersatz wählen. Aber die Tendenz geht zur taktisch etwas anderen Variante mit Philippe Coutinho. „Aktuell ist Philippe in sehr guter Form“, berichtete Flick über den Leihspieler des FC Barcelona. Auf dem anderen Flügel soll Serge Gnabry wirbeln. Er war gegen Tottenham und Chelsea mit sechs Toren zum London-Schreck avanciert. Bayern-Neuzugang Leroy Sané ist ebenso nicht spielberechtigt wie DFB-Kollege Timo Werner bei Chelsea.

          Ein Jahr nach dem ernüchternden Achtelfinal-Aus gegen den FC Liverpool durch ein 1:3 zu Hause will sich der FC Bayern das 18. Viertelfinale in der Champions League nicht mehr nehmen lassen. Gegner dort wäre der FC Barcelona mit Superstar Lionel Messi oder der SSC Neapel (Hinspiel 1:1). „Es sind sehr hochkarätige Mannschaften dabei“, bemerkte Neuer.

          Keine Aufklärung zu Gesangs-Video

          Derweil nahm der Nationaltorhüter erstmals öffentlich Stellung zu einer Aktion während seines Urlaubs in Kroatien. „Was andere fordern, ist mir eigentlich egal“, sagte der Kapitän bei der Pressekonferenz in München an die Adresse derjenigen, die schon früher eine Stellungnahme von ihm erwartet hatten.

          Vor einigen Wochen war ein Video aufgetaucht, das Neuer dabei zeigt, wie er mit weiteren Männern um seinen Freund und Bayern-Torwarttrainer Toni Tapalovic im privaten Kreis ein Lied der umstrittenen Rockband Thompson singt. Bei dem Folk-Sänger Thompson handelt es sich um eine Ikone der Ultra-Rechten in Kroatien.

          Neuer klärte den Vorfall inhaltlich nicht auf. Nach seiner Rückkehr zum Verein habe ihn dort niemand darauf angesprochen. Eher sei beim FC Bayern der Kopf geschüttelt worden über die Berichterstattung. Er selbst habe sich wieder auf die Mannschaft, seine Arbeit und das konzentriert, „wofür ich hier bin“.

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