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Die große Enttäuschung steht Franck Ribéry (links) und Robert Lewandowski ins Gesicht geschrieben. Bild: EPA

Bayern-Aus in Madrid : „Was machen wir falsch?“

Die Münchner liefern sich mit Madrid im Halbfinale der Champions League wieder ein spektakuläres Duell. Dass es für die Bayern nicht zum Einzug ins Endspiel reicht, hat vor allem zwei Gründe.

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          Auch in einem Stadion mit 81.000 Zuschauern kann man sich sehr alleine fühlen. Sven Ulreich musste das am Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu leidvoll erfahren. Als Schiedsrichter Cüneyt Çakır nach sechs Minuten Nachspielzeit das Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern München abpfiff, sank der Torwart der Münchner auf den Boden und schaute mit leerem Blick auf die jubelnden Spieler der „Königlichen“, deren Fans das Stadion brodeln ließen. Während die Kollegen in der anderen Spielhälfte nach dem 2:2 ihre Enttäuschung über den verpassten Einzug ins Endspiel teils mit Tränen verarbeiteten, saß Ulreich im anderen Teil des Spielfeldes alleine vor seinem Strafraum.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Der Vertreter des seit Monaten verletzten Manuel Neuer bestritt mit 29 Jahren erstmals in seiner Karriere ein Duell auf diesem Niveau. Mit starken Leistungen in den nationalen Wettbewerben und im Europapokal hatte er das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde, mehr als gerechtfertigt. In Madrid aber wurde er zu einer tragischen Figur, selbst wenn ihn bei genauer Betrachtung nur eine Teilschuld am zweiten Gegentor traf. Der Rückpass von Corentin Tolisso kurz nach der Halbzeit war zu ungenau und langsam. Ulreich kam aus dem Tor, wollte mit der Hand zum Ball, merkte, dass das die unerlaubte Aufnahme eines Rückpasses wäre, zog die Hand weg, rutschte aus und verpasste das Spielgerät. Karim Benzema stürmte vorbei und schob zum 2:1 für Madrid ein (46. Minute).

          Die Bayern hatten sich nach dem 1:2 im Hinspiel vor einer knappen Woche in München noch lange nicht aufgegeben. Joshua Kimmich, der schon im ersten Duell das einzige Tor erzielt hatte, traf früh zur Führung (3.). Benzema glich wenig später aus (10.). Nach dem schweren Fehler kurz nach der Pause reichte es nur noch zum 2:2 durch James Rodriguez (62.). Die Münchner verpassten letztlich ganz knapp das Tor zum Finale. Einen Vorwurf machte Ulreich selbstredend niemand im Lager der Bayern. Zu allem Überfluss wurde der Schlussmann nach der Partie auch noch zur Doping-Kontrolle ausgewählt und musste seine Enttäuschung dort verarbeiten.

          „Wir haben ein überragendes Spiel gemacht“, sagte Trainer Jupp Heynckes beim TV-Sender Sky nach seinem letzten Champions-League-Spiel. Bisher hatte er bei jeder Teilnahme das Finale erreicht, 1998 mit Real Madrid und 2013 mit den Münchnern gar den Titel geholt. Nun verabschiedete er sich in Madrid von der großen Fußball-Bühne. Wehmut kam dennoch nicht auf, wie der 72-Jährige versicherte. „Ich bin einfach nur enttäuscht.“ Die erste Halbzeit seiner Mannschaft sei „absolute Weltklasse“ gewesen, sagte Heynckes. „Die Details waren entscheidend. Wir haben Geschenke verteilt.“

          Damit blickte der Trainer, der nach der schon gesicherten Meisterschaft am 19. Mai in Berlin beim endgültigen Abschied in den Ruhestand noch den DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt gewinnen kann, auch auf das Hinspiel vor sechs Tagen zurück. Seinerzeit hatte Rafinha mit einem missratenen Pass das 1:2 eingeleitet, nun passierte das Missgeschick von Tolisso und Ulreich. „Wir haben Real in beiden Spielen ein Tor geschenkt“, sagte Mats Hummels. Da half es auch nicht, dass Heynckes mit seiner Aufstellung und Taktik ein Meisterwerk gelang. Javi Martinez, das Bollwerk im defensiven Mittelfeld, stand überraschend nicht in der Startelf. Stattdessen spielten die ballsicheren Rodriguez, Thiago und Tolisso im Mittelfeld. Der Plan ging glänzend auf – abgesehen vom Endergebnis.

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