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7:2 bei Tottenham Hotspur : Die große Sternstunde des FC Bayern

Der Torwart hatte, nachdem er mehrfach stark pariert hatte, von hinten beste Sicht auf das, was die offensiven Kollegen besser machten als zuletzt. „Wir haben unsere Torchancen richtig gut genutzt, nicht wie in Paderborn, wo wir in der ersten Halbzeit einige Möglichkeiten haben liegen lassen. Wir haben uns das wohl für London aufgehoben“, sagte Neuer bei DAZN. Zehn Torschüsse gaben die Bayern ab, sieben führten zu Treffern – eine außergewöhnliche Quote. Dabei glänzte besonders Gnabry. „Er hat viel Zug zum Tor und schließt super ab, egal ob mit dem linken oder rechten Fuß. Das ist immer schwierig zu halten“, sagte Neuer und hatte auch einen Blick auf Tottenhams Torwart. „Von daher tut mir der Hugo Lloris schon ein bisschen leid.“

Mit der Fahne in der Hand vorneweg: Joshua Kimmich erzielt nach seiner Kritik vom Wochenende den Ausgleich. Bilderstrecke
7:2 in Tottenham : Große Gnabry-Show bei Bayerns Gala-Auftritt

Mehr Mitleid hatten die Münchner allerdings nicht übrig bei ihrem ganz speziellen Oktoberfest zum Start des Monats fernab der Heimat. Vielmehr freuten sie sich über das dicke Ausrufezeichen, das sie international mit dem Kantersieg beim Finalteilnehmer der vergangenen Kampagne in der Königsklasse gesetzt haben. „Nun müssen wir das in der Bundesliga gegen gute und große Mannschaften auch hinbekommen“, sagte Neuer. Ähnlich hörte sich Kovac an. „Wir müssen bescheiden bleiben. 7:2 in England zu gewinnen, das ist nicht einfach. Aber ab morgen müssen wir wieder die Sinne schärfen in Richtung Hoffenheim. Da dürfen wir nicht überdrehen. Ich werde deshalb nicht in Euphorie verfallen.“

Das tat auch Vielfachtorschütze Gnabry nicht. Er ist nach Mario Gomez (2012 beim 7:0 der Bayern gegen Basel) der zweite deutsche Spieler, dem vier Tore in einem Champions-League-Spiel gelangen. „Vielleicht habe ich in der F-Jugend mal vier Tore geschossen. Es ist auf jeden Fall ewig her“, sagte der Stürmer, der fünf Jahre bei Tottenhams Erzrivale FC Arsenal ausgebildet worden war. „Ich habe eine Saison auf mein erstes Tor in der Champions League gewartet. Aber das ich heute gleich vier schieße, das habe ich mir vorher nicht erträumt.“ Auch Kovac lobte: „Wirklich ganz fantastisch. Er hat heute das gezeigt, was ich von ihm erwarte. Nicht nur im Spiel nach vorne, denn da weiß ich, was er kann. Sondern auch im Spiel gegen den Ball.“

Der Sieg der Bayern fußte allerdings noch auf weiteren starken Leistungen als denen von Neuer und Gnabry, die am offensichtlichsten waren durch ihre spektakulären Taten. Die Defensive um Boateng, Niklas Süle, Benjamin Pavard und David Alaba überzeugte – nach einigen Problemen in den ersten dreißig Minuten. Auch, nachdem Alaba mit Schmerzen an den Rippen zur Pause ausgewechselt werden musste, und Kimmich zurückrückte. Für ihn kam Thiago, der vor der Abwehr mit Tolisso glänzte. Coman war auf dem Flügel ein flinker Flitzer, Lewandowski Arbeiter und Torschütze.

Und dann war da ja noch Philippe Coutinho. Wenn es dieses Jahr etwas werden soll mit dem großen Wurf in der Champions League, könnte der Brasilianer der Baustein sein, der den Münchnern zuletzt fehlte. Mit seiner Ballsicherheit, seinen Ideen und seinem Esprit am Ball gab er dem Spiel der Bayern eine ganz neue Note. Weil Coutinho glänzte, blieb Thomas Müller 90 Minuten auf der Bank. Das war an diesem bemerkenswerten Abend mit einem noch bemerkenswerteren Ergebnis aber nicht viel mehr als eine Fußnote.

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