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Champions-League-Auftakt : Ein Wermutstropfen für den gefräßigen FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Perfektionist: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann Bild: AFP

Nicht einmal bei der 2:8-Niederlage vor einem Jahr war der FC Barcelona den Münchnern derart unterlegen wie nun beim Start in die Gruppenphase der Champions League. Doch Trainer und Spieler sind nicht vollends zufrieden.

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          Es gehörte viele Jahre zu den Gepflogenheiten des FC Bayern, eine Champions-League-Reise am Spielabend in geselliger Runde im Hotel ausklingen zu lassen. Mit opulentem Büfett, gutem Wein und der Rede des Vorstandsvorsitzenden, die je nach Ausgang der Partie zuvor launig oder eher kritisch ausfiel.

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          Ein großes Bankett kann es in Zeiten der Pandemie natürlich nicht geben, aber so ganz haben die Münchner bei ihrem Ausflug nach Barcelona nicht auf die Tradition verzichten wollen. „Wir werden uns schon ein kleines Schlückchen genehmigen“, sagte Julian Nagelsmann nach seinem ersten Champions-League-Spiel als Bayern-Trainer.

          Angemessen wäre wohl sogar ein ganzes Glas eines edlen spanischen Weines gewesen, schließlich haben es die Münchner zum Auftakt der Fußball-Königsklasse nicht nur geschafft, ein paar ihrer beachtlichen Erfolgsserien auszubauen, sondern mit dem 3:0-Sieg gegen den FC Barcelona, dem einstigen Maß der Dinge im europäischen Fußball, „ein ganz wichtiges Signal“, wie es Thomas Müller formulierte, an die Konkurrenz gesendet. Kapitän Manuel Neuer nannte es ein „Ausrufezeichen“, wenn man gegen eine Mannschaft wie Barcelona „so eine Dominanz“ ausstrahle.

          Bayern setzen einen Maßstab

          Seit der Saison 2003/2004 haben die Bayern stets ihre Auftaktpartien in der Champions League gewonnen, außerdem keines der letzten 19 Auswärtsspiele in Europa verloren. Allerdings mochte Nagelsmann dem Triumph in Camp Nou noch nicht allzu viel Bedeutung beimessen. „Es war das erste Spiel“, sagte er. Zudem sind die Katalanen, die nach dem Abgang von Lionel Messi an Strahlkraft verloren haben, im Umbruch, weit entfernt von der spielerischen Brillanz vergangener Tage und auch nicht zu vergleichen mit jener Mannschaft, die vor gut einem Jahr beim Finalturnier der Champions League in Lissabon eine 2:8-Niederlage gegen den deutschen Rekordmeister erlitten hatte.

          Doch damals war Barcelona den Bayern trotz der vielen Gegentore und desaströsen Abwehrleistung nicht derart unterlegen wie am Dienstag. Weshalb der Münchner Trainer schlussendlich dann doch auch nicht zu bescheiden auftreten wollte. „Wenn wir es immer so machen wie heute und uns noch weiterentwickeln, sind wir sicher einer der Favoriten“, gab er zu.

          Nur in den ersten Minuten schaffte es der FC Barcelona, der etwas überraschend mit einer Dreierkette in der Defensive begann, halbwegs ein Gleichgewicht herzustellen. „In den ersten sieben, acht Minuten waren wir noch nicht mutig genug“, stellte Nagelsmann fest. „Dann haben wir ein bisschen was angepasst“, und die Bayern übernahmen die Kontrolle über Spiel und Gegner. „Der einzige Wermutstropfen“ in der ersten Halbzeit war für den Münchner Trainer die angesichts der Überlegenheit geringe Anzahl von guten Chancen.

          Zweimal vergab Leroy Sané, einmal Jamal Musiala, der einzige Treffer resultierte aus einem abgefälschten Distanzschuss aus 20 Metern von Thomas Müller in der 34. Minute. „Etwas glücklich“, gab er nach seinem bereits siebten Treffer im sechsten Spiel gegen Barcelona zu.

          Der Trainer der Katalanen, Ronald Koeman, sah die Münchner Führung als Wendepunkt. „Das Gegentor hat das Spiel ein bisschen verändert“, fand er. Das einst für seine mitreißenden Offensivauftritte bekannte Barcelona zog sich nun noch mehr zurück. Aber Koeman korrigierte erst im Laufe der zweiten Hälfte, nach Robert Lewandowskis erstem seiner zwei Treffer an diesem Abend (56. und 85. Minute), die Taktik, stellte wieder auf eine Viererkette in der Abwehr um und schickte neben dem früheren Bayern-Spieler Philippe Coutinho noch drei Teenager aus der eigenen Talentschmiede auf den Platz, die für mehr Wirbel sorgten als zuvor die Arrivierten.

          Die Bayern haben einen Maßstab gesetzt im Camp Nou, ohne allerdings perfekt zu sein. Joshua Kimmich sprach „ein paar einfache Fehler“ an, „Unkonzentriertheiten“, wie er sagte. Außerdem, fand der Mittelfeldspieler, hätte man „noch höher gewinnen können“.

          Kleinigkeiten nur, für den Trainer gab dieser Abend in Barcelona insgesamt wenig Anlass zur Kritik. Nagelsmann gefiel die „Ruhe bei eigenem Ballbesitz“, das habe viel besser geklappt als noch in Leipzig, beim zum Teil wilden 4:1-Sieg in der Bundesliga am vergangenen Samstag.

          Als „Schlüssel“ des Erfolgs bezeichnete er die Defensivleistung, vor allem Dayot Upamecano und Niklas Süle, später dann auch der eingewechselte Lucas Hernandez erfüllten die Aufgaben in der Innenverteidigung vorbildlich. „Mir ist es wichtig, dass wir diese Gier haben, die Stürmer des Gegners aufzufressen“, sagte Nagelsmann. Und vorne, im Angriff, sind die Bayern sowieso nicht satt zu bekommen.

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