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Champions-League-Finale : Ein besonderer Jahrgang beim FC Bayern

Joshua Kimmich gibt auch beim FC Bayern schon den Weg vor. Bild: Picture-Alliance

Leon Goretzka, Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Niklas Süle sind 1995 geboren. Einer ist dabei der „strenge Papa“. Beim FC Bayern hat die Generation schon eine zentrale Rolle übernommen – und nicht nur dort.

          3 Min.

          „Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine beste Zeit gerade erst anfängt“, sagt Leon Goretzka. Das gilt nicht nur für ihn, es gilt für einen ganzen Jahrgang, der den erneuerten Kern des Bayern-Teams ausmacht. Diese Gruppe bringt in noch jungen Jahren schon eine alte Verbundenheit mit, die nicht alltäglich ist im Profifußball. Sie reicht zurück bis in die Kinder- und Jugendtage von Goretzka, von Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Niklas Süle, den deutschen Nationalspielern des Geburtsjahres 1995.

          Champions League
          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der frühere DFB-Auswahltrainer Stefan Böger nannte ihn „einen ganz, ganz besonderen Jahrgang“ – auch wenn man damals im Elfmeterschießen den U-17-Europameistertitel gegen die Niederlande verpasste. In den Jahren in den Juniorenauswahlen des DFB, als man sich laut Süle „fast wie eine Vereinsmannschaft fühlte“, sei ein sehr enges Verhältnis entstanden, so Goretzka. Es bestehe bis heute: „Jeder von uns kennt die Macken der anderen.“

          Inzwischen hat der 95er-Jahrgang mit 25 Jahren das beste Fußballalter erreicht – und steht kurz vor der möglichen Krönung, dem Gewinn der Champions League, der Vollendung des Triple. In dieser Saison hat diese Generation bereits eine zentrale Rolle beim FC Bayern übernommen und nicht nur dort – auch wenn Verteidiger Süle nach überstandenem Kreuzbandriss wohl noch kein Kandidat für die Startelf im Finale an diesem Sonntag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, im ZDF, bei Sky und DAZN) gegen Paris Saint-Germain sein wird. „Da wächst etwas zusammen, auf das sich Fußballdeutschland freuen kann“, prophezeite Gnabry schon vor einem Jahr.

          Und Uli Hoeneß projizierte es vor kurzem bereits auf die EM und WM der beiden kommenden Jahre. „Wenn der FC Bayern stark ist, dann ist Deutschland stark“, sagte der Altpräsident im F.A.Z.-Interview. „Bei der nächsten EM und WM werden wieder fünf, sechs Bayern-Spieler dabei sein. Und zwar starke Spieler, Persönlichkeiten, die richtig was bewegen wollen. So wie Joshua Kimmich, der eine unglaubliche Entwicklung genommen hat. Er hat Führungsqualität. Er hat Hunger.“

          Lesen Sie hier das komplette Interview mit Uli Hoeneß.

          Kimmich coacht die Jahrgangskollegen mit Zurufen und schriftlichen Tipps, auch Spieler anderer Klubs wie den Leverkusener Julian Brandt. Der einen Kopf größere Hüne Süle bezeichnet ihn scherzhaft als „strengen Papa“. Der ehrgeizige Kimmich und der etwas kühlere, intellektuelle Goretzka, diese beiden Abiturienten sind die Köpfe der neuen Generation. Goretzka rechnet ihr zumindest im Nationalteam auch die etwas jüngeren Timo Werner und Julian Brandt zu, beide Jahrgang 1996, die ebenfalls schon in der U 16 dabei waren. Bald kommt mit Leroy Sané ein weiteres Spitzengewächs dieser Jahrgänge nach München.

          Mit Leon Goretzka (rechts) versteht sich Kimmich nicht nur auf dem Rasen gut.
          Mit Leon Goretzka (rechts) versteht sich Kimmich nicht nur auf dem Rasen gut. : Bild: Picture-Alliance

          Goretzka und Kimmich sind in dieser Saison ins Zentrum des Bayern-Spiels gerückt, als eindrucksvolles Duo im defensiven Mittelfeld, das schon in den U-Mannschaften des DFB in der Zentrale zusammenspielte – nun aber während des Finalturniers noch einmal aufgelöst ist, weil Kimmich hinten rechts den zuletzt lädierten Benjamin Pavard vertritt, während Thiago als Goretzkas Partner im Finale wohl sein letztes Spiel für Bayern vor dem erwarteten Wechsel nach Liverpool bestreitet. Außerdem taten sich Goretzka und Kimmich auch zusammen, um mit einer Spende von einer Million Euro die Online-Aktion „We Kick Corona“ zu gründen, die Hunderte Hospize, Tafeln und andere karitative Einrichtungen unterstützt.

          Gerade Goretzka, Sohn eines Gewerkschafters, der bei den Opel-Werken in Bochum bis zu deren Schließung arbeitete, hat mit seinem gesellschaftlichen Engagement nie hinterm Berg gehalten. Er warb für Blutspenden, für den Kampf gegen Rassismus und für die Auseinandersetzung mit den Verbrechen im Nationalsozialismus. Heute finde man „in jeder Mannschaft Spieler, die über den Tellerrand hinausschauen“, sagt Trainer Hansi Flick im Interview mit der Zeitschrift „11 Freunde“. „Es zeigt, dass diese Generation von Spielern weiterdenkt. Ich bin beeindruckt davon.“

          Beeindruckend ist auch die Leistungsentwicklung. Nach der Corona-Pause fielen die neuen Muskelpakete an Goretzkas zuvor eher schmalem Oberkörper auf. Die Optik spielte dabei keine Rolle, wie er nun im „DFB-Journal“ erklärt: „Mir kam es nicht drauf an, den Muskelumfang zu erhöhen, sondern die Muskelleistung.“ Schnelligkeit und Schnelligkeitsausdauer im Spiel hätten sich verbessert: „Ich kann sagen, dass ich mich so fit und stabil fühle wie nie.“

          Goretzkas neue Präsenz und Dynamik sind so auffällig, dass der frühere Leipziger Trainer Ralf Rangnick ihn als den „aktuell besten Box-to-Box-Spieler der Welt“ bezeichnet – jenen Typ Mittelfeldspieler also, wie ihn der deutsche Fußball mit einem Matthäus oder Ballack hatte.

          Auch der dynamische Stürmer Gnabry, der mit Kimmich und Süle schon als Zwölfjähriger in südwestdeutschen Regionalauswahlen spielte, ist ein Vertreter der Generation Selbstoptimierung. Er hat, ohne erkennbaren Leistungsverlust, vergangene Saison ein halbes Jahr vegan gelebt. Für seine persönliche Weiterentwicklung setzt er auf Dinge wie Yoga, Pilates, Klavierspiel, Atemübungen und spezielle Augenübungen.

          Sein Weg war ein anderer als der von Kimmich oder Goretzka, die bei großen deutschen Klubs, in Leipzig und Schalke, den Durchbruch schafften, während er in England bei Arsenal übersehen wurde. Doch die Verbundenheit aus der Jugendauswahl blieb und mündete in eine gemeinsame Karriere bei den Bayern und im Nationalteam.

          „Wir wissen, dass wir die Zukunft sein können“, sagte er vor einem Jahr der „Süddeutschen Zeitung“, und es sei „kein Nachteil, dass wir ein besonderes Verhältnis zueinander haben“. Sicher ist, dass diese „verschworene Gruppe, die den deutschen Fußball mal gemeinsam prägen könnte“, so Gnabry, an diesem Sonntag erstmals etwas ganz Großes feiern kann. Wenn es nicht die 95er Bayern tun, dann der alte 96er Gefährte Thilo Kehrer mit Paris Saint-Germain.

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