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Champions League bei Chelsea : Ober-Fan Hoeneß stachelt seine Bayern an

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„Wir haben ja etwas gut zu machen“: Uli Hoeneß hat das „Finale dahoam“ 2012 nicht vergessen. Bild: Picture-Alliance

Nach seinem Rückzug im November hat er sich rar gemacht. Nun ist Uli Hoeneß wieder da und reist mit dem FC Bayern nach London. Und der frühere Präsident hat das Drama vom „Finale dahoam“ nicht vergessen.

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          Sogar Uli Hoeneß ist in London als Edelfan dabei. Allein das dokumentiert die immense Bedeutung, die das historisch aufgeladene Champions-League-Duell mit dem FC Chelsea für den FC Bayern besitzt. 100 Tage nach dem Rückzug aus dem Präsidentenamt begleitet Hoeneß seine Bayern erstmals wieder auswärts. „Wir haben ja etwas gut zu machen“, sagte der Münchner Ehrenpräsident am Montag in Erinnerung an das bittere „Finale dahoam“ 2012, bevor er mit seiner Ehefrau Susi in der Business Class des Bayern-Fliegers Platz nahm.

          Champions League

          An der Stamford Bridge wird Hoeneß auf der Tribüne mitfiebern. „Es wird ein schwieriges Spiel“, prophezeite der 68-Jährige, der sich seit seinem Rückzug im November 2019 öffentlich erstaunlich rar macht. Hoeneß setzt größtes Vertrauen in Geburtstagskind Hansi Flick und das Team um Erfolgsgarant Robert Lewandowski. Die Zielsetzung für Dienstagabend (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) formulierte derweil Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge - und die endet nicht beim Achtelfinale.

          „Klar haben wir große Ansprüche international“, sagte Rummenigge. Gerade nach dem frühen Achtelfinal-K.o. gegen den FC Liverpool im letzten Jahr „werden wir versuchen, dass die Reise weitergeht“. Trotzdem warne er vor voreiligen Titel-Träumereien. Trotz der bitteren Chelsea-Vergangenheit ist das Wiedersehen mit den Blues vor allem ein Wegweiser in die Münchner Zukunft. Wo steht der FC Bayern in Europa? Wie groß muss die Transferoffensive im Sommer ausfallen? Und liefert Flick auch in der Königsklasse? Für den Trainer werden die K.o.-Spiele gegen Chelsea zum Eignungstest auf höchster Ebene, maßgeblich auch für seine Weiterbeschäftigung.

          „Mit der Arbeit, die er geleistet hat, kann man bis dato total zufrieden sein“, lobte Rummenigge. Beim Abschlusstraining, das die Bayern noch in München bestritten, sangen die Spieler ihrem Trainer zum 55. Geburtstag ein Ständchen. 14 Siege in 17 Pflichtspielen kann Flick vorweisen, die Spielweise sei wieder Bayern-like, wie Rummenigge schwärmte. „Der Trainer wird sich auch in London taktisch etwas einfallen lassen. Er hat immer ein gutes Rezept gefunden.“

          Rummenigge empfiehlt eine mutige Herangehensweise. „Ein Tor zu machen, ist immer hilfreich. Vor einem Jahr gegen Liverpool haben wir mit dem 0:0 kein optimales Ergebnis erzielt.“ Es folgte der K.o. im Rückspiel. Gegen Chelsea sind die Bayern Favorit. Mit sechs Siegen und 24:5 Toren legten sie eine Rekord-Gruppenphase hin. „Chelsea hat auch gesehen, wie wir durch die Gruppe gekommen sind. Wir haben auch Tottenham als englische Mannschaft zweimal geschlagen. London liegt uns. Wir wollen auch auswärts gewinnen“, sagte Kapitän Manuel Neuer.

          Ausflug nach London: Susi Hoeneß (links) und Uli Hoeneß im Flieger.

          An der Stamford Bridge siegte aber noch keine deutsche Mannschaft. „Ich habe da gespielt. Es herrscht eine heiße Atmosphäre“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Er war 2005 beim 2:4 der Bayern dabei, das den Münchner Viertelfinal-K.o. einleitete. „Wir wollen nach vorne spielen, das Spiel kontrollieren und wenn es geht, das eine oder andere Tor machen“, kündigte Salihamidzic an. Anders als beim mühseligen 3:2 gegen den SC Paderborn kann Flick wieder seine aktuelle Topformation aufbieten, also mit Jérôme Boateng und Benjamin Pavard in der Abwehr. Der zuletzt angeschlagene Leon Goretzka trat auch die Reise nach London an.

          Als Offensiv-Trumpf stechen soll Lewandowski. 38 Tore stehen für den Polen nach 33 Saisonspielen zu Buche, zehn davon in der Königsklasse. In den K.o.-Runden hat Lewandowski aber seit fast 600 Minuten nicht mehr getroffen. „Über Robert zu diskutieren wäre unangebracht“, sagte Rummenigge zu dieser Statistik: „Er ist absolute Weltklasse. Robert hat uns auch gegen Paderborn mit seinen zwei Toren gerettet.“

          Rummenigge hofft zudem, dass Philippe Coutinho auf großer Bühne als Joker zünden könnte: „Er vermittelt den Eindruck, als wenn er gehemmt ist. Ich weiß nicht, woran das liegt. Wir müssen halt hoffen, dass er jetzt in den entscheidenden Spielen ein wichtiger Faktor wird, der dazu beiträgt, dass wir am Ende auch Titel gewinnen.“

          Chelsea wiederum verfügt nicht mehr über ein Schreckgespenst wie Didier Drogba, Bayerns Albtraum von 2012. Die Blues glauben aber nach ihrer Generalprobe mit dem 2:1 gegen Tottenham an sich. „Dieses Spiel war vielleicht ein Wendepunkt für uns“, sagte Frankreichs Weltmeister Olivier Giroud, der sich als Torschütze fürs Bayern-Spiel empfahl. Trainer Frank Lampard, 2012 bei Chelseas Finalsieg noch Kapitän der Blues, muss Ausfälle wie den des Strategen N’golo Kanté oder des früheren Dortmunders Christian Pulisic verkraften. Bayern-Kapitän Neuer rechnet mit einem engen Spiel: „Es wird keinen Durchmarsch geben.“

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