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Champions League : Thiago ist Bayerns Ball-Magnet

Thiago (links) im Finale der U21-EM 2013 – die WM 2014 in Brasilien verpasste er verletzt

Auf einem alten Video sieht man die beiden Brüder beim Spielen mit dem Ball, der kaum kleiner ist als sie. Der Ältere lässt dem Jüngeren keine Chance und stellt ihm immer wieder lachend ein Beinchen. Die geschmeidige Motorik ist schon da auffällig, und heute bringt sie selbst Weltmeistermacher ins Schwärmen. Hansi Flick, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes, beim WM-Sieg in Rio Assistent von Joachim Löw, sagte bei einem Trainingsbesuch, Thiago treibe einem beim Zuschauen die Tränen in die Augen. Er kann mit dem Ball schier alles, und so will der Ball einfach immer zu ihm. In der vergangenen Saison hatte kein anderer Bundesligaspieler so viele Ballkontakte pro 90 Minuten, 129 im Durchschnitt.

Ein 25 Millionen schweres Juwel

Ein Spieler wie gemacht für den FC Barcelona, ein Spieler, gemacht vom FC Barcelona, ein Spieler, der aber für Bayern München spielt, weswegen vielen in seinem alten Klub das Herz bluten wird, wenn sie ihn am Mittwochabend in einem fremden Trikot im Camp Nou sehen werden. Die Bayern nutzten die Führungsschwäche des katalanischen Konkurrenzklubs in der Saison nach Guardiolas Abschied, als dessen Nachfolger Tito Vilanova, damals schon schwer krank und inzwischen an Krebs gestorben, Thiago seltener einsetzte, als wirtschaftlich klug gewesen wäre.

Weil Guardiolas Bruder Pere zugleich Thiagos Berater ist, war es für den neuen Bayern-Trainer im Sommer 2013 kein Geheimnis, dass sein Lieblingsspieler in einem kleinen Zeitfenster zum Schnäppchenpreis zu haben war. Weil Thiago in der Saison 2012/13 von Barça nicht in 60 Prozent der Spiele eingesetzt worden war, galt für kurze Zeit nicht die festgelegte Ausstiegsklausel von 90 Millionen Euro, sondern eine von nur 18 Millionen.

Am Ende waren es 25 Millionen, für die die Bayern ihr neues Mittelfeldjuwel bekamen, das in Barcelona einmal der Nachfolger des großen Xavi werden sollte und wollte. Xavi ist inzwischen nur noch Ersatz in Barcelona, Thiago bei den Bayern dagegen der Dreh- und Angelpunkt, mit dem im Saisonendspurt nun jene Brillanz und Torgefahr aus dem Spielzentrum kommen sollen, die seit dem Weggang von Toni Kroos oft gefehlt haben.

Keine Schulden mehr in Spanien

Thiago ist eine Schau, ein Bewahrer, Beschleuniger, Verteiler, Verzauberer des Balles. Guardiola schwärmt von Thiago, er könne fast jede Position spielen und habe „nie Angst“. Thiago schwärmt von Guardiola, er „habe bisher noch keinen vergleichbaren Trainer gefunden in meiner Laufbahn“ - er spielte für ihn schon in der Jugend, wurde 2009 von Guardiola in die Profimannschaft geholt und gewann dort, weitgehend als Ersatzmann, Champions League, Klub-WM, vier Meistertitel und zweimal den nationalen Pokal.

„Ich habe Barcelona verlassen, um glücklich zu sein und Fußball spielen zu können. In München habe ich das gefunden, was ich gesucht habe“, sagte Thiago der spanischen Zeitung „El País“. „Ich wäre zu jedem Verein gewechselt, nur um nicht mehr auf der Bank sitzen zu müssen.“ Er sei Barça zwar „dankbar, ich schulde ihnen aber nichts mehr“. Vielleicht präsentiert er ihnen aber eine Rechnung.

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