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FC Bayern in Champions League : Goretzka ist gleich wieder mittendrin

Im Fokus: Leon Goretzka solll das Spiel des FC Bayern ankurbeln. Bild: Picture-Alliance

In seinem ersten Startelf-Einsatz seit seiner Covid-19-Infektion soll Leon Goretzka gegen Lazio Rom wieder Schlüsselspieler für den FC Bayern werden. Ein anderer Münchner steht dabei ebenfalls im Mittelpunkt.

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          An dem großen Abend in Lissabon, als Kimmich flankte, Coman köpfte und der FC Bayern auf dem Gipfel des europäischen Fußballs ankam, fehlte ein Mann. Er konnte seine Arme nicht hochreißen, als im Estadio da Luz das Konfetti auf die Spieler und Trainer regnete, und er konnte auch nicht den Champions-League-Pokal an sich reißen, als Spieler und Trainer diesen herumreichten. Er konnte nicht aufspringen, als Kimmich trommelte und Gnabry tanzte, und er konnte sich auch nicht hinsetzen, als die Scheinwerfer im Stadion nicht mehr strahlten, aber Hansi Flick, sein Chef, im Mittelkreis hockte. In den schönsten Momenten der Gegenwart musste Miroslav Klose in München an der Zukunft arbeiten.

          Champions League
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Es war im Juli des vergangenen Jahres, als Klose, seit zwei Jahren U-17-Trainer beim FC Bayern, zum Assistenten von Chefcoach Hansi Flick befördert wurde. Damals bereitete Flick seine Mannschaft auf das Finalturnier in Lissabon vor, das im August anfangen sollte. Davor machte er mit seinem neuen Helfer etwas aus: In den nächsten Wochen sollte Klose, der frühere Weltklassestürmer, in München bleiben, um zum Beispiel Leroy Sané für die kommende Saison in Form zu bringen.

          Nur Real Madrid verteidigte den Titel

          In Lissabon räumte Flick ab, in München räumte Klose auf. Sie hatten danach nicht viel Zeit, um sich mit den neuen Spielern auf die neuen Herausforderungen einzustellen – sofern das überhaupt möglich war. Im Oktober ging die Champions League los und damit auch das Reisen unter Corona-Bedingungen. Durch die Vorrunde marschierten sie mühelos. Und als im Dezember die Begegnungen für das Achtelfinale ausgelost wurden, so hat es Klose im „Kicker“ erzählt, sei er mal wieder mit den Ersatzspielern auf dem Trainingsplatz gewesen, als Thomas Müller ihm zugerufen habe: „Mirek, es ist Lazio.“ Auf einmal war die Zukunft ganz nah.

          Wenn der FC Bayern an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky), mit einem Auswärtsspiel gegen Lazio Rom in die K.o.-Runde der Champions League einsteigt, kommen für Miroslav Klose, 42 Jahre alt, Vergangenheit und Zukunft zusammen. In Rom hat der Stürmer Klose bei Lazio die letzten fünf Jahre seiner Spielerkarriere verbracht. In Rom fängt für den Assistenztrainer Klose gegen Lazio die erste große Mission an. Sie ist besonders, weil sie in der Geschichte der Champions League nur Real Madrid vollbracht hat. Die Mission heißt: Titelverteidigung.

          „Gegendruck sind die nicht gewohnt“

          „Angesichts der aktuellen Personallage müssen wir wirklich von Spiel zu Spiel denken“, sagt Klose nun im „Kicker“. Das hörte sich nicht an wie der Ko-Trainer einer Mannschaft, die im vergangenen Jahr den europäischen Fußball dominiert hat. Im Februar 2021 ist Klose aber eben auch der Ko-Trainer einer Mannschaft, die in der Bundesliga zuletzt gegen Mainz, Bielefeld und Frankfurt mit einem 0:2-Rückstand in die Halbzeitpause gegangen ist.

          Stürmte einst für Lazio Rom: Miroslav Klose
          Stürmte einst für Lazio Rom: Miroslav Klose : Bild: Picture-Alliance

          Gegen Mainz ging das gut (Endstand: 5:2), gegen Bielefeld nur bedingt (Endstand: 3:3), gegen Frankfurt dann nicht mehr (Endstand: 1:2), auch wenn die Bayern sich nach der Pause sehr steigerten. „Wir müssen gegen Lazio wie in der zweiten Hälfte in Frankfurt Druck machen und verhindern, dass die Römer mit ihren Kombinationen von hinten herausspielen können“, sagt Klose. „Unser Pressing ist da wichtig. Gegendruck sind die Italiener nicht gewohnt.“

          Es hilft Flick und Klose, dass der Mann, der den Gegendruck in Frankfurt hauptverantwortlich verändert hat, in Rom von Anfang an auflaufen wird. Als Leon Goretzka erstmals seit seiner Covid-19-Infektion eingewechselt wurde, machte er, was Flick am Montag als seine Stärken aufzählte: Bälle erobern, von Strafraum zu Strafraum laufen, das Spiel ankurbeln. Und weil Goretzka vor seinem ersten Einsatz nach der Corona-Pause laut Flick „sehr gut untersucht“ worden sei, traut er ihm in Rom auch eine große Rolle zu.

          Es muss gleich eine große Rolle sein, weil Flick mehrere Hauptdarsteller fehlen. Vor allem das Universaltalent Thomas Müller (Covid-19), der die Bayern stets mit Taten und Worten anführt, aber auch der Außenstürmer Serge Gnabry (Muskelbündelriss) und der Rechtsverteidiger Benjamin Pavard (Covid-19). Auf dessen rechter Seite waren die Bayern in Frankfurt besonders anfällig. 

          Dort verteidigte Niklas Süle, eigentlich ein Mann für die Mitte, was ihm in vielen Situationen anzusehen war. Er war überfordert, aber das gilt eben auch für Boauna Sarr, der im vergangenen Herbst eigentlich als Stellvertreter für Pavard verpflichtet worden war. Es deutet nicht viel darauf hin, dass Flick ihm ein K.o.-Spiel in der Champions League zutraut. Die Rückkehr Goretzkas in die Mittelfeldmitte könnte aber auch Folgen für die rechte Abwehrseite haben. Am Montag sagte Flick, es sei durchaus möglich, dass er Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger einsetze.

          Egal, wer am Ende spielt, die Bayern sind in Rom Favorit, auch wenn Miroslav Klose einschränkt: „Aber nicht klar, wenn ich auf die Personalsituation schaue.“

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