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Bayern in der Champions League : Kann Kovac Königsklasse?

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Nach dem Achtelfinal-Aus in der Champions League im Vorjahr soll es für den FC Bayern und Niko Kovac diesmal für mehr reichen. Bild: Reuters

In der vergangenen Spielzeit endete die Champions-League-Saison für Bayern bereits im Achtelfinale. Dieses Jahr soll sich das beginnend mit dem Spiel gegen Roter Stern Belgrad ändern. Ansonsten könnte es auch für Niko Kovac schnell eng werden.

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          Auf den ersten Blick hat sich nicht viel verändert bei Niko Kovac. Er gibt sich so wie in der vergangenen Saison, seiner ersten als Trainer des FC Bayern. Immer freundlich, verbindlich, respektvoll. Er trifft immer den richtigen Ton – und er ist ein harter Arbeiter. Das ist das Bild, das der Kroate nach außen abgibt, und das ist kein schlechtes. Außerdem hat er auch ein paar Erfolge vorzuweisen. Das ist ja nicht so unwichtig in München, denn Trainer werden bei den Bayern in erster Linie an Titeln und Trophäen gemessen. Mit der Meisterschaft und dem Pokalsieg erfüllte Kovac die wichtigste Vorgabe.

          Champions League

          Aber die Messlatte sind beim deutschen Rekordmeister eben seit ein paar Jahren der Dauerdominanz in der Bundesliga nicht mehr die nationalen Wettbewerbe, solange die Mannschaft dort steht, wo der Verein dem eigenen Selbstverständnis nach hingehört: ganz oben. Kovac wird deshalb vor allem nach dem Abschneiden in Europa beurteilt. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte schon vor Saisonbeginn im vereinseigenen Magazin wissen lassen, worauf es ihm ankommt. Der FC Bayern werde „den Fokus auf die Champions League wieder deutlich schärfen“, sagte Rummenigge.

          Kovac muss beweisen, dass er auch die Königsklasse kann. Der erste Vorrunden-Gegner der Münchner an diesem Mittwoch, der serbische Meister Roter Stern Belgrad, (um 21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN sowie in der Sky-Konferenz) dürfte allerdings nicht der ganz große Prüfstein sein. Zumal im Vergleich zum Auftakt im vergangenen Jahr, als der FC Bayern gleich fünf schwerer oder leichter verletzte Stammspieler vor dem Start in die Champions League zu beklagen hatte, dieses Mal nur der operierte Leon Goretzka und David Alaba (Muskelfaserriss) fehlen.

          „Das Achtelfinal-Aus ärgert mich noch immer“

          Aufgrund des in dieser Saison flexibler aufgestellten Kaders lassen sich diese beiden Ausfälle ganz gut kompensieren. Für Thomas Müller, der wohl in der Startelf seinen Platz auf der Zehnerposition für Philippe Coutinho frei machen muss, ist entscheidend, „wie man reinkommt“ in die Champions-League-Saison. „Wir wollen gleich eine Duftmarke setzen“, sagt er. Wenn Kovac davon spricht, dass das Ziel sei, erst einmal die Gruppenphase zu überstehen, ist das für einen Klub wie den FC Bayern zu bescheiden. Er schiebt deshalb einen etwas forscheren Satz hinterher: „Ich bin überzeugt, dass wir weiter kommen als letztes Jahr.“

          Das ist wohl die Voraussetzung für eine Weiterbeschäftigung beim Rekordmeister als Cheftrainer. Kovac kämpft gegen Bedenken, immer noch. Die Vorbehalte sind im Vergleich zum Vorjahr sogar größer geworden, weil spielerisch nicht alles rund lief in seiner Premieren-Saison und eben in der Champions League im Achtelfinale gegen den FC Liverpool Schluss war, das erste Duell für Kovac auf absolutem Top-Niveau verloren ging. Dieser Stachel sitzt noch immer tief, bei der Mannschaft natürlich, „deutlich zu früh“ sei man ausgeschieden, sagte Kapitän Manuel Neuer am Dienstag. Aber vor allem auch bei Rummenigge, wie der vor kurzem im vereinseigenen Magazin zugab – „das Achtelfinal-Aus ärgert mich noch immer“. Dies lässt er Kovac spüren, trotz Meistertitel und Pokalsieg, trotz eines fulminanten Sieges über den Rivalen Borussia Dortmund in der Rückrunde.

          Kovac steht unter Beobachtung

          Die Münchner zeigten in der vergangenen Woche in Leipzig eine Halbzeit lang glänzenden, spektakulären Fußball, und der Trainer bewies, dass er doch mehr drauf hat als nur Plan A. Aber eben nur 45 Minuten lang. Was von der Begegnung mit dem Tabellenführer aus Sachsen blieb, war die zweite Hälfte, als die Kniffe seines Trainerkollegen Julian Nagelsmann griffen und Kovac eben erst einmal keine Antwort wusste oder – wie einige fanden – die falsche mit der Einwechslung von Defensivspieler Corentin Tolisso statt Coutinho.

          Rummenigge zeigte wie die Mannschaft zwei Gesichter oben auf der Tribüne. In der ersten Hälfte scherzte er mit seinen Vorstandskollegen und war gelöst, in der zweiten starrte er mit eisigem Blick auf den Rasen. Kovac, daran gibt es keinen Zweifel, steht unter Beobachtung. Er muss den Vorstandsvorsitzenden überzeugen, das wird ihm aber so richtig eben nur mit einer guten Saison in Europa gelingen. Und gut bedeutet im Falle des FC Bayern München die Halbfinalteilnahme. „Mein großer Traum ist“, sagte Rummenigge, „dass wir vor meinem Abschied noch einmal die Champions League gewinnen.“ In dieser Saison und der nächsten gibt es die letzten beiden Gelegenheiten dazu. Denn der Bayern-Chef will Ende 2021 aufhören.

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