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2:3-Niederlage gegen Paris : Der unerschütterliche Optimismus des FC Bayern

Da geht noch was: Joshua Kimmich (links) und Thomas Müller Bild: AFP

Vorne fehlt den Münchnern Effektivität, hinten die Ordnung. Der FC Bayern unterliegt Paris. Dazu kommen verletzte Spieler. Dennoch ist die Überzeugung, das Halbfinale zu erreichen, erstaunlich groß.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Kurz vor Schluss malträtierte Hansi Flick noch einmal sein Schuhwerk. Als der Ball wieder einmal nicht dort gelandet war, wo er hinsollte, drehte sich der Trainer des FC Bayern verärgert um und stapfte fest auf. Er bohrte die Gummisohle seiner weißen Sneakers fast in den Boden der Münchner Arena, denn die Niederlage, das ahnte Flick in diesem Moment, war nicht mehr zu vermeiden, die erste in der Champions League seit mehr als zwei Jahren.

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          „Es hat nicht sollen sein“, sagte der Trainer später knapp. Beim 2:3 gegen Paris St. Germain im Viertelfinalhinspiel riss nicht nur eine beachtliche Serie des Triple-Siegers, auch die angestrebte erfolgreiche Titelverteidigung ist nun ernsthaft in Gefahr.

          Die Münchner müssen am Dienstag in Paris nun entweder 4:3 oder noch höher mit einem Tor Vorsprung gewinnen oder zwei Tore mehr schießen als die Franzosen, um in die Runde der letzten Vier aufzusteigen. Das sei keine unlösbare Aufgabe, wie Flick findet. „Wir sind guter Dinge“, sagte er. „Wenn man heute unser Spiel gesehen hat, kann man da schon positiv nach Paris schauen.“

          Chance um Chance für die Bayern

          Es gibt etwas, auf das sich die Bayern bisher sehr gut verlassen konnten, auf jeden Fall seit Flick Trainer ist und die Mannschaft wieder mit Lust und Selbstbewusstsein angreift: auf ihre Effizienz. Die Münchner brauchen meist nur wenige Chancen, um Tore zu erzielen. Erst am vergangenen Wochenende hatten dies Leipzig in der Bundesliga zu spüren bekommen, als der Tabellenführer nur zu wenigen gefährlichen Vorstößen gekommen war, aber einmal traf, die dauerangreifenden Sachsen dagegen nicht.

          Und auch beim letzten Duell mit Paris, beim Champions-League-Finales im vergangenen August, hatten die Münchner ihre Chance eiskalt genutzt, die Franzosen dagegen waren immer wieder an Torhüter Manuel Neuer gescheitert. Bei der Neuauflage des letztjährigen Endspiels aber war es nun umgekehrt. Die Bayern spielten dominant, flott und kreierten Chance um Chance. „Wenn es 5:3 oder 6:3 für uns ausgeht, kann sich keiner beschweren“, sagte Thomas Müller.

          31 Münchner Torschüsse zählten die Statistiker, bei PSG waren es gerade einmal sechs. Aber die reichten der Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino, um dreimal zu treffen. Das erste Gegentor kassierte der FC Bayern bereits in der dritten Minute, als Neuer der Ball bei einem Schuss von Kylian Mbappé durch die Beine flutschte. Allerdings wirkte die Defensive beim ersten Vorstoß der Franzosen ziemlich ungeordnet.

          Vier Bayern schafften es nicht, Neymar daran zu hindern, den Ball zu Mbappé zu spielen. Flick nahm deshalb Neuer in Schutz. „Das war eine Sache“, sagte er, „die wir hätten vorher verhindern können.“ Beim 0:2 war die Abwehr der Münchner zuvor herausgerückt, aber der Ball von Neymar landete dann bei Marquinhos, der knapp nicht im Abseits stand und kaltschnäuzig abschloss (28. Minute).

          Der FC Bayern brauchte dagegen mehr als eine Handvoll Chancen, um zum Anschlusstreffer durch Eric Maxim Choupo-Moting zu kommen (37.). Es wäre eine schöne Geschichte gewesen, wenn der Kopfball des ehemaligen PSG-Stürmers der Auftakt zu einer erfolgreichen Aufholjagd gewesen wäre. Aber nach Müllers 2:2 (60.), schlugen die Franzosen zurück – wieder mit Mbappé, der dieses Mal durch die Beine von Jerome Boateng schoss.

          „Unser Plan ist aufgegangen“, sagte Pochettino, gab aber zu: „Wir hatten auch das nötige Quäntchen Glück.“ Denn entweder rettete Torwart Keylor Navas, der Pfosten oder die fehlende Präzision der Münchner den Sieg der Gäste. Müller vermisste an dem Tag der vergebenen Chancen „den Killerinstinkt, der uns oftmals auszeichnet“.

          Flick mochte seine Mannschaft trotz der Fehler in der Abwehr nicht tadeln. Zwar sei sie „vor dem Tor nicht so entschlossen gewesen, wie wir es normal kennen“, aber die Gesamtleistung fand der Trainer „beeindruckend“. Müller sprach von einem „Riesenspiel“, das die Mannschaft gezeigt hat, es sei „vor allem ein wildes“ gewesen. Seinem Trainer gefiel die Mentalität. „Sie geben sich nie auf, das ist ein großer Pluspunkt.“

          Die Bayern ließen sich auch von frühen Umstellungen nicht aus dem Konzept bringen. Nach einer halben Stunde musste Leon Goretzka vom Feld, kurz darauf Niklas Süle, beide wegen „muskulärer Verletzungen“, wie Flick mitteilte. Der Mittelfeldspieler und der Verteidiger werden wohl auch am Samstag in der Bundesliga gegen Union Berlin fehlen, womöglich sogar für das Rückspiel in Paris.

          Die Personalsituation der Bayern, die im Vergleich zu den ebenfalls von Verletzungen und Corona-Fällen betroffenen Parisern ohnehin nur halb so viele Ersatzspieler auf der Bank hatten, verschärft sich nun noch einmal. Neben Goretzka und Süle fallen vom Stammpersonal noch der positiv an Corona getestete Serge Gnabry und Robert Lewandowski aus. Trotzdem herrscht die Überzeugung bei den Bayern, dass die Champions-League-Reise weitergeht. „Es ist“, sagt Choupo-Moting, „noch nicht vorbei.“

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