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Champions-League-Halbfinale : Das Glück des FC Bayern

Auf dem Weg ins Finale: Thomas Müller, Robert Lewandowski und Serge Gnabry (von links) Bild: dpa

Auf die 8:2-Gala gegen Barcelona folgt ein Arbeitssieg über Lyon. Die hochgelobten Münchner offenbaren manche Mängel auf dem Weg ins Finale der Champions League. Dazu kommt die Sorge um einen Spieler.

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          Es braucht nicht immer eine Sternstunde, um nach den Sternen zu greifen. Mit dieser nüchternen Erkenntnis verließ der Tross des FC Bayern in der Nacht zum Donnerstag das Estádio José Alvalade XXI in Lissabon. Nach der irrwitzigen 8:2-Gala gegen den FC Barcelona im Viertelfinale reichte den Münchnern in der Vorschlussrunde ein 3:0-Arbeitssieg über Olympique Lyon, um das Endspiel zu erreichen. Dort geht es am Sonntag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, im ZDF, bei Sky und DAZN) im Estádio da Luz, ebenfalls in Lissabon, gegen Paris Saint-Germain und den deutschen Trainer Thomas Tuchel.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Es ist ein wunderschönes Ergebnis“, sagte Kapitän Manuel Neuer zur Geisterstunde beim TV-Sender Sky. Der Torwart musste einiges beitragen, damit die Bayern ihren Aufenthalt in Portugal bis zum Wochenende verlängern durften. Herausragend war seine Parade gegen Toko Ekambi in der 58. Minute, als der Stürmer frei vor Neuer auftauchte. „Dieses Mal war ich der Gewinner, ich habe Glück gehabt“, sagte Neuer bei Streaminganbieter DAZN. Ein Treffer in dieser Szene und es wäre wieder eng geworden nach den vorherigen Toren von Serge Gnabry (18. und 33.). So blieb es beim 2:0, ehe Robert Lewandowski am Ende mit einem Kopfball den Endstand erzielte (88.).

          Bis es soweit war, mussten die Münchner ein hartes Stück Arbeit verrichten. Das spürte auch Joshua Kimmich, der in einem Zweikampf die Stollen von Thiago Mendes in den Rücken bekam und blutige Schrammen davontrug. Die Blessur sollte bis Sonntag verheilt sein. Ob auch Jérôme Boateng dann fit ist, bleibt vorerst unklar. Der Innenverteidiger musste in der Halbzeit ausgewechselt werden. Trainer Flick nannte „muskuläre Probleme“ als Grund. Für Boateng kam Niklas Süle, nicht Lucas Hernández. „Wir mussten Position für Position wechseln. Für mich ist Lucas aber Linksverteidiger“, sagte Flick.

          Sowieso wird ihm die personelle wie taktische Komposition der Defensive vor dem Finale die meiste Mühe bescheren. Anders als die langsamen Altstars aus Barcelona mischten die frischen Sprinter aus Lyon die Bayern-Abwehr ein ums andere Mal mächtig auf. Memphis Depay entdeckte bei einem Lauf in die Mitte früh eine Lücke; er schoss den Ball zum Glück für die Bayern nur ans Außennetz (4.). Dann musste Boateng in großer Not retten (13.), ehe Ekambi die Abwehr narrte, aber am Pfosten scheiterte (17.). Dann traf Gnabry auf der anderen Seite – und die Partie lief in die gewünschte Bayern-Richtung.

          Ähnlich wie Lyon ist Paris‘ Spiel auf schnelle Attacken angelegt. Dazu kommt, dass die Qualität von Neymar, Kylian Mbappé und Ángel Di María im Abschluss höher ist. „Wir wissen, dass Paris sehr schnelle Spieler hat. Da müssen wir schauen, dass wir die Defensive etwas anders organisieren“, sagte Flick. „Wir haben die Räume hinter der Abwehr nicht so gut verteidigt. Die erste Phase des Spiels haben wir mit Glück überstanden.“ Dazu störten Flick bei der Analyse der Mängel „leichtfertige Ballverluste“. Auch Neuer erkannte die Probleme. „Am Anfang hatten wir Glück.“ Abwehrchef David Alaba führte das auf die Grundausrichtung zurück, die gegen Paris nun wohl ein wenig angepasst wird. „Wir spielen ein Spiel, mit dem wir immer hohes Risiko gehen durch das, dass wir so hoch stehen.“

          Verlassen konnten sich die Bayern am Mittwochabend wieder auf ihre Offensive, selbst wenn die es nicht so krachen ließ wie bei der Sternstunde gegen Barça mit acht Toren. Neben Lewandowski, der seinen 15. Treffer dieser Champions-League-Kampagne erzielte und im Finale zwei weitere für den Saisonrekord von 17 von Cristiano Ronaldo von 2014 braucht, stach Gnabry hervor. Der Nationalspieler zog, wie einst Arjen Robben, erst von rechts außen nach innen und traf mit einem wuchtigen Schuss mit links. Kurz vor der Pause staubte er ab, als Lewandowski den Ball nicht im Tor unterbringen konnte.

          Damit kommt er in dieser Europapokal-Saison auf neun Tore in neun Spielen und hat sich zu einem unverzichtbaren Baustein gemausert. Der erste Treffer folgte einem einfachen Erfolgsrezept. „Vor dem Spiel hat ein Physiotherapeut noch zu mir gesagt: ‚Wenn du nicht schießt, kann der Ball auch nicht reingehen.‘ Aber zum Glück habe ich heute geschossen – und dann ist er rein“, sagte Gnabry lapidar bei DAZN. Glück war tatsächlich das meist genutzte Wort bei der Analyse der Münchner. Nun sieht Gnabry die Bayern auf dem Weg zum Titel. „Weil wir unbedingt gewinnen wollen! Das ist der entscheidende Faktor. Wir werden am Sonntag alles geben, um den Titel zu holen.“

          Gnabry heimste einiges Lob ein. „Gerade zum richtigen Zeitpunkt hat er das erste Tor erzielt. Serge hat gerade in der Champions League viele Sahnetage“, sagte Torwart Neuer und erinnert damit insbesondere an das 7:2 bei Tottenham, als Gnabry vier Tore erzielte. Seinen Trainer wunderte es wenig, wie das 1:0 fiel. „Diese Dinge macht er auch im Training, da zeigt er das auch oft. Er hat einfach einen enorm guten Schuss mit beiden Füßen“, sagte der Trainer bei DAZN.

          Schnell galt alle Konzentration dem Finale. Daher gab es, anders als bei Gegner Paris nach dem Sieg über Leipzig am Vortag, keine große Party. „Es war weniger eine Feier in der Kabine, sondern mehr schon so, dass der Fokus auf dem Finale liegt“, sagte Kimmich. Sieben Jahre nach dem „Triple“ mit Meisterschaft, Pokalsieg und Champions-League-Titel unter Jupp Heynckes soll es wieder den vollen Bayern-Erfolg mit drei Trophäen geben. „Wir werden gucken, dass wir zu Kräften kommen, hundert Prozent Energie sammeln und dann gegen Paris mit einer Topleistung versuchen, den Titel zu gewinnen“, sagte Flick. Das wäre dann so oder so eine Sternstunde – egal mit welchem Ergebnis das Spiel gewonnen wird.

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