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Champions League gegen Donezk : Das gefährlichste Spiel der Saison für die Bayern

Zweifelt viel und oft: Pep Guardiola Bild: dpa

Dem FC Bayern verbietet sich schon der Gedanke an ein Remis im Champions-League-Rückspiel gegen Donezk (20.45 Uhr). Ein Scheitern würde die Stimmung verderben. Mindestens. Trainer Guardiola überrascht zuvor mit einer Personalie.

          Für Manuel Neuer zählt nur eins an diesem Mittwoch: „Das Spiel muss gewonnen werden. Das Wie ist nicht wichtig.“ Vielleicht doch. Zumindest für Pep Guardiola, den Berufspessimisten. Für ihn ist das Wie das Wichtigste – jedenfalls in den Tagen vorher, in seinen Grübeleien über den rechten Weg zum Ziel. Sie werden diesmal vielleicht noch langwieriger und tiefschürfender ausfallen als üblich in den Tagen vor einem Spiel. Gewinnen ist immer Pflicht beim FC Bayern, diesmal aber ist das mehr als eine gute alte Gewohnheit. Es ist ein Zwang.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Guardiola nennt das Spiel gegen Schachtjor Donezk (20.45 Uhr / Live bei Sky, im ZDF und im Champions-League-Ticker auf FAZ.NET) aus alter Gewohnheit ein „Finale“, auch wenn es nur ein Achtelfinale ist – und damit nur für den Verlierer final. Nach dem 0:0 im Hinspiel in Lemberg verbietet sich aber schon ein Unentschieden, ja schon der Gedanke daran.

          Zweifel ist die Basis seiner Arbeit

          Ein Aus in der ersten K.-o.-Runde der Champions League könnte das ganze Bayern-Jahr, egal was sie in den beiden nationalen Wettbewerben gewinnen, schon knapp drei Monate vor Saisonende atmosphärisch ruinieren. „Das wäre fatal, das wissen wir“, sagt Neuer. „Aber wir denken erst einmal positiv. Wir bleiben unserer Linie treu und zweifeln nicht.“

          Guardiola zweifelt oft. Es ist die Basis seiner Arbeit. „Ich habe immer Angst, bin immer besorgt vor einem Spiel“, sagte er vor kurzem. „Wenn du Optimist bist, bist du ruhig. Ein Trainer aber kann nie ruhig sein. Und bis jetzt war es in meiner Karriere nicht schlecht, Pessimist zu sein“.

          Der Pessimist geht vom schlechtesten Fall aus. Der schlechteste Fall im Fußball ist es, wehrlos gegen Konter zu sein. Im vergangenen Mai waren es die Bayern in beiden Spielen gegen Real Madrid, dann nicht mehr, dann doch wieder: Ende Januar, beim 1:4 in Wolfsburg. Seitdem ist Konter-Kontrolle zu Guardiolas Kernthema für die wichtigsten Wochen des Jahres geworden. „Er hat damit vollkommen recht“, findet Neuer.

          Mannschaftskapitän Philipp Lahm, knapp vier Monate nach seinem Sprunggelenksbruch ins Mannschaftstraining zurückgekehrt und gegen Donezk überraschend schon wieder im Kader, hat die Entwicklung vom Spielfeldrand aus verfolgt, fast wie ein Assistenztrainer, der er de facto als Guardiolas taktischer Geistesbruder auch ist. Und wie ein kleiner Pep analysiert er die Situation auch: „Es geht darum, wie sich Mannschaft und einzelne Spieler bei Ballverlust verhalten. Bei der Art, wie wir verteidigen, mit schnellen Balleroberungen, sind wir anfällig, wenn wir es nicht korrekt machen“, sagte er im Interview mit dem „Kicker“. Zugleich beteuerte er: „Die Probleme, die wir in Wolfsburg hatten, haben wir wieder im Griff.“

          Donezk bereitete der Bayern-Abwehr im Hinspiel keine Schwierigkeiten. Doch der ukrainische Meister verteidigte kompakt und verstand es, die von der zahmen Gegnerschaft in der Bundesliga verwöhnten Bayern mit Nickligkeiten zu provozieren. Der in Frusttoleranz nicht geübte Favorit reagierte gereizt. Besonders Franck Ribéry, der im Halbfinale 2010 vom Platz flog und im Halbfinale 2014 der Roten Karte nur entging, weil der Schiedsrichter eine Ohrfeige des Franzosen übersah, taugt als Kandidat für Kontrollverluste. Auch im Pokalspiel gegen Braunschweig vor einer Woche hatte er viel Glück bei einem ungeahndeten Nachtreten.

          „Ohne seine Emotionalität kann er nicht Fußball spielen“, entschuldigte ihn Guardiola. „Als Spieler habe ich manchmal ähnlich reagiert. Wir müssen das aber kontrollieren. Wir haben schon ein paarmal mit zehn Mann spielen müssen“ – zweimal allein in bisher sieben Champions-League-Spielen, nach Medhi Benatias Notbremse in Manchester und Xabi Alonsos Gelb-Roter Karte in Lemberg. „Aber ich will diese Emotionalität, wir brauchen das. Ohne das sind wir keine Topmannschaft.“

          Ruhig bleiben, auch wenn es schwer fällt: Franck Ribéry musste bereits im Hinspiel in Donezk einiges einstecken

          Von Sportvorstand Matthias Sammer gab es am Samstag Lob für Ribéry, weil der sich beim 3:1 in Hannover nicht von Leonardo Bittencourt provozieren ließ und das „mit großer Persönlichkeit gelöst“ habe – als sei es für einen Weltstar im elften Berufsjahr schon eine persönliche Leistung, sich unter Kontrolle zu haben. Aber die Bayern brauchen ihn dringend, den Franzosen und seine Unberechenbarkeit, die ihrem Spiel Flügel verleiht.

          Für Ribéry, ebenso bereits über dreißig wie Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger, Lahm oder Alonso, wird es nicht mehr allzu viele Chancen geben, es mit diesem Team und vielleicht auch mit diesem Trainer zu schaffen. Dante, in Hannover früh ausgewechselt, ist als Erster aus der Ü 30 nun offenbar auf dem Abstellgleis gelandet. Der Bayern-Kader hat mit 27,4 Jahren das höchste Durchschnittsalter der Bundesliga, die Spieler des Verfolgers Wolfsburg sind durchschnittlich fast zwei Jahre jünger. Noch stimme die Altersstruktur, findet Sammer, der vor der Rückrunde forderte: „Der Mix der Mannschaft ist außergewöhnlich und muss meiner Meinung nach noch einmal zum Gewinn der Champions League führen, ob in diesem oder im nächsten Jahr.“

          So kommt Guardiola auch im zweiten Bayern-Jahr nicht am Vergleich mit seinem Vorgänger und dessen Triple-Gewinn 2013 vorbei. „Es ist eine große Aufgabe für mich, das Niveau von Jupp Heynckes zu halten“, sagt der Katalane. Er hat dieses Niveau spielerisch in der Liga noch gesteigert, wird am Ende aber vor allem an Ergebnissen in K.-o.-Runden gemessen – nicht zuletzt am Ergebnis des gefährlichsten Spiels der Saison an diesem Mittwoch. Um darin den Pessimisten in Pep Guardiola zu widerlegen, wird es dann auf zwei Dinge ankommen – Konter kontrollieren, Nerven kontrollieren.

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