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2:0 gegen AEK Athen : Das Lachen ist zurück beim FC Bayern

Eine heitere Fußballmannschaft: Der FC Bayern nach dem Sieg über AEK Athen. Bild: Reuters

Erstmals seit Mitte September gewinnen die Münchner wieder ein Heimspiel. Doch die große Prüfung folgt erst am Samstag in Dortmund. Zuvor sind erstaunliche Töne von den Bayern zu hören.

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          Es wurde viel gelacht am Mittwochabend in der Münchner Fußball-Arena. Robert Lewandowski tat es. Trainer Niko Kovac ebenso, auch Thomas Müller lachte, wie auch Manuel Neuer. Mit 2:0 Toren hatte der FC Bayern in der Champions League soeben AEK Athen besiegt. Noch in der vergangenen Saison hätte solch ein schmaler Pflichtsieg bei den Protagonisten nicht einmal ein müdes Lächeln hervorgerufen. Aber die Zeiten haben sich geändert in München. Der erste Heimsieg seit 53 Tagen wurde allenthalben als große Erleichterung angesehen. Da darf man sich schon einmal richtig freuen.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Nach dem 3:1-Erfolg über Leverkusen Mitte September hatte es drei 1:1 daheim gegen Augsburg, Amsterdam und Freiburg gegeben, dazu das krachende 0:3 gegen Gladbach. Kein Wunder, dass sich die Gesichtszüge entspannten. „Wir haben verdient gewonnen“, sagte Kovac beim TV-Sender Sky nach dem Sieg durch die beiden Tore von Robert Lewandowski. Erst traf der Pole per Elfmeter (31. Minute), dann artistisch nach einer Ecke (71.). „Wir haben nichts zugelassen und müssen uns in der zweiten Halbzeit eigentlich noch mit weiteren Toren belohnen“, sagte Kovac und lächelte dennoch. „Es war kein schlechtes Spiel, aber auch nicht überragend“, fand Joshua Kimmich.

          Nur einmal fuhr den Münchnern auf und außerhalb des Platzes der Schreck in die Glieder, als der Athener Abwehrspieler Vassilis Lampropoulos nach einer Ecke das Bayern-Tor nur um Zentimeter verfehlte (5.). Ein frühes Gegentor hätte unabsehbare Folgen für den angeschlagenen deutschen Meister haben können. So sollte es in 94 Minuten die einzige brenzlige Situation für Torwart Neuer bleiben. Athen war offensiv einfach viel zu harmlos. Und die Bayern? „Im Moment ist die Leichtigkeit nicht da, wir müssen uns alles erarbeiten. Aber wir haben jetzt endlich mal zu Null gespielt", sagte Kovac. Und: „Siege sind immer für das Selbstvertrauen gut.“

          Es gab noch weitere positive Erkenntnisse. Auf Lewandowski ist Verlass. Er erzielte in dieser Saison schon sein 13. Tor im 15. Spiel, dazu kommen drei Vorlagen. In 100 Europapokal-Partien hat er nun 56 Treffer erzielt; und alle acht Elfmeter auf internationaler Bühne hat er verwandelt. Dabei war der gegen Athen umstritten. Lewandowskis Gegenspieler hatte leicht am Trikot gezupft, der Stürmer war danach gerne gefallen. „Wenn ein Schiedsrichter einem Team helfen möchte, gibt es solche Szenen in einem Spiel. Bayern ist ein großer Name und ein großer Gegner“, sagte AEK-Trainer Marinos Ouzounidis. Die Münchner haben nun eine sehr gute Position in der Königsklasse. Nur noch ein Punkt aus den verbleibenden Spielen gegen Lissabon und in Amsterdam fehlt, um endgültig fürs Achtelfinale qualifiziert zu sein. Das sollte selbst für die Bayern im Herbst 2018 keine unüberwindbare Hürde sein.


          „Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht“, sagte Lewandowski. „Wir haben heute bis auf eine Situation das Spiel kontrolliert. Aber natürlich können wir es besser machen.“ Das wird notwendig sein. Am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) wartet wieder ein Gegner in schwarz-gelbem Outfit. Doch so harmlos wie Athen wird Borussia Dortmund nicht sein. „Dieser klare Sieg war wichtig für die Mannschaft auch im Hinblick auf Samstag. Dortmund hat eine gute Form, aber wir müssen kämpfen, Gas geben und alles versuchen“, sagte Lewandowski.

          Wird das reichen? Das Münchner Spiel zeigte am Mittwoch auch Aspekte, die einen klaren Befund lieferten: Das Ergebnis stimmte, doch die Leistung ist noch weit entfernt von dem, was die Bayern in den vergangenen Jahren zu leisten im Stande waren. Fehlpässe, verlorene Zweikämpfe, fehlende Abstimmung in der Abwehr und Lücken im Mittelfeld waren auch gegen Athen zu sehen. Aber die Griechen waren nicht in der Lage, auch nur ein wenig Kapital daraus zu schlagen. Der BVB kann das, selbst wenn er bei Atlético Madrid am Dienstag seine erste Niederlage dieser Saison kassiert hatte.


          Und so kreisten irgendwann am Mittwochabend in München die Gedanken und Aussagen nicht mehr um Athen und die Champions League, sondern nur noch um Dortmund und die Bundesliga. Es steht viel auf dem Spiel für die Münchner beim Duell in Westfalen. Eine Niederlage und die Borussia hätte sieben Punkte Vorsprung. Das ist bei den derzeitigen Formkurven kein Wert, den die Münchner lässig beiseiteschieben könnten. Sieben Punkte ließen sich bis zum Ende der Hinrunde kaum aufholen. Es würde wohl bis ins Frühjahr dauern, bis sie wieder an Platz eins denken könnten. Bestenfalls.

          Erstmals seit vielen Jahren gehen die Bayern in ein Spiel auf nationaler Ebene, in dem sie nicht der natürliche Sieger wären. „Wir müssen die Tabelle lesen und die sagt, dass Dortmund vier Punkte Vorsprung und ein viel besseres Torverhältnis hat. Das heißt, dass sie Favorit sind“, sagte Kovac. Und auch Präsident Uli Hoeneß sagte: „Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter – zum ersten Mal seit langer Zeit. Man kann ja nicht nach Dortmund fahren und sagen, ich will einen Dreier einfahren. Dortmund hat bis jetzt eine sehr gute Saison gespielt, gar keine Frage.“ Nanu, keine Spur mehr vom „Mia san mia“? Ganz so klein wollte Kovac die Seinen dann doch nicht machen. „Der FC Bayern kann jeden Gegner schlagen. Wir sind positiv und wollen gewinnen.“ Es wird spannend zu sehen sein, wer am Samstag lacht.

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