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Bayerns 5:1-Gala : Warum Arsenals Taktik diesmal keinen Erfolg hatte

  • -Aktualisiert am

Strahlemann des FC Bayern: Auch David Alaba traf gegen Arsenal. Bild: AFP

Arsenal versucht es gegen die Bayern wie beim Sieg in London mit Defensive und Kontern – diesmal aber ohne Erfolg. Zum 1:5-Debakel für die Engländer führen mehrere Faktoren.

          Arsène Wenger hat es noch einmal versucht: Nach dem 2:0-Sieg über den FC Bayern vor zwei Wochen stand der FC Arsenal auch im Rückspiel in München tief und setzte auf Konter – dieses Mal allerdings mit bösem Ende. Die Münchner siegten 5:1 und ließen in bravouröser Manier ihre erste Pflichtspielniederlage in dieser Saison vergessen. Zum Debakel für Wengers Mannschaft führten mehrere Faktoren: Verbesserte und zielstrebigere Bayern, weniger Disziplin der Londoner in der Defensivarbeit und nicht zuletzt der Ausfall mehrerer Stammspieler bei Arsenal.

          Den ersten Rückschlag musste Wenger schon vor Anpfiff hinnehmen: Innenverteidiger Laurent Koscielny fiel verletzt aus, weshalb Gabriel Paulista den Platz neben Per Mertesacker einnahm. Der agile und aufmerksame Zweikämpfer Koscielny ist die ideale Ergänzung zum kopfballstarken, aber naturgemäß etwas unbeweglichen 1,98-Meter-Mann Mertesacker.

          Der Zwangswechsel erwies sich schnell als erhebliche Schwächung: Beim 1:0-Führungstor des einmal mehr überzeugenden Robert Lewandowski verschätzte sich Paulista, sodass der Stürmer bei Thiagos Flanke frei einköpfen könnte (10. Minute). Auch beim 0:3 durch David Alaba (44.) unterlief dem Brasilianer ein Fauxpas, als er in Verteidigungsstellung dem Österreicher die linke Seite darbot – Linksfuß und Scharfschütze Alaba nutzte den Fehler prompt zur Vorentscheidung aus. Beim 2:0-Sieg in London war die sichere Verteidigung des Strafraums noch ein Schlüssel zum Sieg für Arsenal gewesen.

          Doch es wäre verfehlt, die enttäuschende Leistung der Londoner allein auf individuelle Unzulänglichkeiten zurückzuführen. Auch Paulistas Vorderleute füllten die Defensivtaktik im Vergleich zum Hinspiel zu wenig mit Leben – unter anderem vor dem 0:3-Gegentreffer. Wengers Mannschaft, Künstlerensemble und kein Arbeiterkollektiv, vermag eine Abwehrleistung wie im Hinspiel anscheinend nur in Ausnahmefällen abzurufen. Das Doppeln auf den Außen klappte nur selten, die Zweikämpfe wurden oft nicht mit der nötigen Intensität geführt. Die Bayern dagegen gewannen viele Bälle im Angriffsdrittel und bespielten besonders in der ersten Halbzeit erfolgreich die Außenbahnen (siehe Grafik).

          Vor allem auf der linken Seite düpierte der Franzose Kingsley Coman – häufig das Ziel des Münchner Spiels – ein ums andere Mal seinen Landsmann Mathieu Debuchy, der für den verletzten Héctor Bellerin auflief. Mitverantwortlich dafür war Bayerns Linksverteidiger Alaba. Dessen „Vorderlaufen“ in den linken Halbraum hielt häufig Mertesacker und Santi Carzola zurück, sodass Coman und später Douglas Costa des Öfteren in relativ isolierte Duelle gegen Debuchy gehen konnten. In nur 54 Minuten Spielzeit bereitete der 19 Jahre alte Coman so gleich fünf Torchancen vor.

          Auf der anderen Seite trieb Rechtsverteidiger Philipp Lahm regelmäßig selbst den Ball nach vorne und fand im Zusammenspiel mit Costa auch mehrmals den Weg bis zur Grundlinie (siehe Lahms „Heatmap“) – eine weit gefährlichere Position für Hereingaben als das Halbfeld, aus dem Lahm im Hinspiel noch bevorzugt flankte.

          Auch im Offensivspiel konnten die Gäste allenfalls in kleinen Konter-Ansätzen an die Leistung aus der Heimvorstellung anknüpfen. Einzelne Pressingversuche der Angriffsreihe litten unter Mesut Özils und Alexis Sanchez' geringem Bemühen, dem fehlenden Aufrücken der sicherheitsbedachten Hintermänner und der überragenden Spieleröffnung der Münchner. In der anderen Platzhälfte erstickten die Bayern viele Gegenstöße der Engländer im Keim; auch Carzola, Arsenals wichtigster Umschaltspieler, konnte daran nichts ändern. Er enttäuschte und bereitete keine einzige Torchance vor.

          Als Schlüsselfaktor im Mittelfeld erwies sich dabei bei den Bayern einmal mehr Thiago Alcantara. Der Spanier führte in der Zentrale wichtige Zweikämpfe, initiierte viele Angriffe, bereitete Lewandowskis Tor vor und gab dem aufwändigen Spiel der Münchner die nötige Stabilität. 147 Ballaktionen und vier Torschussvorbereitungen unterstreichen seine enorme Bedeutung für die Bayern (siehe seine individuelle Statistik).

          Zwei verletzungsbedingte Umstellungen beförderten auf der anderen Seite das schwache Konterspiel der Engländer: Als Sturmspitze agierte anstelle des verletzten Theo Walcott dieses Mal der wuchtige Olivier Giroud. Er bewies zwar beim 1:4 seine Abschlussqualitäten als Strafraumspieler (69.) – da war aber schon alles entschieden. Im Pressing und bei Kontern kam der wuchtige Franzose kaum zur Geltung, seine Ballhalte-Aktionen fanden keinen Abnehmer – bei Bayerns Verteidigern Jérôme Boateng und Javi Martinez war er in guten Händen.

          Auch der umtriebige Alex Oxlade-Chamberlain fehlte. Dessen Ersatz Joel Campbell war für Debuchy in der Defensive nur selten eine Unterstützung und enttäuschte im Angriff. Auf Rechtsaußen nahm der Linksfuß nie richtig Tempo auf. Wenn er am Ball war, bremste er häufig ab und spielte mehrere Fehlpässe (siehe seine individuelle Statistik). Wenger wechselte ihn folgerichtig als ersten Spieler aus (59.). Besser lief es für die Engländer aber auch danach nicht, obwohl die Bayern ohne den ausgewechselten Jerome Boateng an Stabilität verloren. Nun droht Arsenal mit nur drei Punkten aus vier Spielen das Vorrundenaus.

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