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Bayern-Gala gegen Arsenal : „Die zweite Halbzeit war sensationell“

  • -Aktualisiert am

Wenn die Bayern feiern: Thomas Müller (rechts) bejubelt sein Tor zum 5:1. Bild: AP

Der Münchner Appetit ist groß beim Duell mit Lieblingsgegner Arsenal. Beim 5:1 zeigen die Bayern eine Gala und planen schon für das Viertelfinale. Kapitän Lahm nutzt dabei eine günstige Gelegenheit.

          Lieblingsgegner liefern verlässlich. Wie schon 2005, 2013 und 2014 ist der FC Arsenal drauf und dran, auch in diesem Jahr schon im Achtelfinale der Champions League am FC Bayern München zu scheitern. Womöglich sogar krachend, da der Tabellenvierte der Premier League schon im Hinspiel am Mittwochabend in der Arena des deutschen Rekordmeisters kein Gegner war, der dem Tabellenführer der Bundesliga sein  Fußballfest hätte vermiesen können.

          Der 5:1-Triumph nach sehenswerten Treffern von Robben (11. Minute), Lewandowski (53.), Thiago (56./63.) und Müller (88.) bei einem Gegentor von Sanchez (30.), der Sekunden zuvor mit einem von Lewandowski an Koscielny verursachten Strafstoß an Neuer gescheitert war, mutete wie ein unübersehbarer Wegweiser in Richtung Viertelfinale an. „Der Vorsprung sollte uns reichen fürs Weiterkommen“, sagte Kapitän Philipp Lahm, neben dem überragenden Spielgestalter Thiago und dem auch mit 33 Jahren noch beflügelten Sprinter Arjen Robben einer der besten Münchner in einer nach der Pause von sich selbst berauschten Bayern-Mannschaft.

          14:1-Torschüsse in den zweiten 45 Minuten belegten die in jeder Kategorie unübersehbare Dominanz des Teams von Trainer Carlo Ancelotti. Der Italiener, der als Trainer schon dreimal – zweimal mit dem AC Mailand, einmal mit Real Madrid – die Champions League gewann, untermauerte am Mittwoch seinen Ruf, ein Fußballlehrer für die großen K.o.-Spiele zu sein; sein Kollege Arsène Wenger dagegen, dessen Klub seit Jahren von den großen Titeln träumt, erlebte in München „zum Schluss einen Albtraum. Wir hatten keine Antworten mehr.“

          Der englische Hauptstadtklub war unter Wenger mal ein Trendsetter des internationalen Vereinsfußballs. Lang, lang ist’s her. Heute kommen die Gunners ein wenig wie das Bayer Leverkusen der Premier League daher: beständig in der Champions League dabei, aber nie gut genug, auch noch im Halbfinale oder gar im Endspiel mit von der Partie sein zu können.

          Jubel zweier Torschützen: Lewandowski und Thiago entscheiden das Spiel nach der Pause für Bayern. Bilderstrecke

          Robben, der von der Bundesliga beengtere Verhältnisse gewohnt ist beim alltäglichen Kampf um die kleinen Siege, genoss den Abend, „an dem wir ziemlich viel Platz hatten“. Und auch Mats Hummels staunte, „dass Arsenal nach dem 3:1 ein bisschen auseinandergefallen ist“. Drei Gegentore in zehn Minuten bewiesen, wie groß der Appetit der sonst oft genügsamen Bayern auf immer mehr Treffer am Mittwoch war, als sich die Münchner einen uneinholbar erscheinenden Vorsprung für das Rückspiel am 7. März in London aneigneten.

          Dabei hatten Ancelottis Spieler vor der Pause eine wacklige Viertelstunde zu überstehen, in der sie nach Sanchez‘ Ausgleich zum 1:1 ihre gute Ordnung und Raumaufteilung kurzzeitig preisgaben und den Engländern zwei große Torgelegenheiten anboten, die weder der frühere Gladbacher Xhaka noch der deutsche Nationalspieler Özil, wie schon seit Wochen die Unscheinbarkeit in Person, nutzen konnten. Dann aber, als es galt, eine Reaktion zu zeigen und das Spiel wieder fest an sich zu reißen, taten es die Bayern auf faszinierende Art und Weise.

          Was in heimischer Umgebung während dieser Saison etwas zu oft nach routinierter Pflichterfüllung aussah, geriet am Mittwoch unter dem Jubel der Fans zu einer Gala aus Liebe zum Spiel. „Vor dem Elfmeter waren wir sehr gut, danach waren wir nicht wirklich gut, in der zweiten Halbzeit aber sensationell“, lobte Lahm das Gesamtkunstwerk seiner Mannschaft nach einem Abend mit hohem Unterhaltungswert.

          Der noch nie in der Bundesliga nach fünf, geschweige denn zehn Gelben Karten gesperrte Bayern-Anführer, der zum Saisonende seine große Karriere beendet, holte sich am Mittwoch, weil die Gelegenheit günstig war, per taktischem Foul (83.) seine dritte Verwarnung im laufenden Wettbewerb ab und kann deshalb das Rückspiel beim FC Arsenal auslassen. „Es gibt schlechtere Zeitpunkte, gesperrt zu sein als für dieses Rückspiel“, sagte er und gab auch damit zu erkennen, dass ihn keinerlei Restzweifel am Weiterkommen der Bayern plagen.

          Die Begegnung am Mittwoch war für die Münchner so erfreulich, dass auch der in der Liga in dieser Saison erst einmal als Torschütze registrierte Thomas Müller mal wieder am Ziel war. Eingewechselt in der 86. Minute, nutzte er die Münchner Freiheit, die längst panischen „Gunners“ mit dem letzten Tor des Abends entscheidend zu treffen.

          Wenn es am Ende so kommt wie es nach dem Hinspiel ausschaut, wird der FC Arsenal zum siebten Mal nacheinander der Champions League schon im Achtelfinale goodbye sagen – und kaum jemand wird deswegen traurig sein. Die Münchner aber dürften zum sechsten Mal nacheinander das Viertelfinale der Königsklasse erreichen. Das aber muss noch nicht alles sein. Zur eigenen Extraklasse in den Hopp-oder-Toppspielen kommt ja noch ein Trainer, der weiß, wie man die ganz großen Pokale erobern kann.

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