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Bayerns 3:3 bei Ajax : Fußball verrückt in Amsterdam

Ball im Tor und ein halbes Dutzend Spieler noch dazu: Wildes drunter und drüber zwischen Ajax und den Bayern. Bild: Reuters

Beim 3:3 zwischen Ajax Amsterdam und Bayern München geht es drunter und drüber. Am Ende stehen die Bayern zumindest in der Champions League dort, wo sie sich am wohlsten fühlen.

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          Platz eins – zumindest in der Champions League hat sich der FC Bayern vor Weihnachten die Position in der Rangordnung gesichert, die dem Selbstverständnis des deutschen Rekordmeisters entspricht. Mit einem verrückten 3:3 im letzten Vorrundenspiel bei Ajax Amsterdam sicherten sich die Münchner als Gruppensieger den Vorteil, in der Auslosung des Achtelfinals am Montag Teams wie dem FC Barcelona, Real Madrid, Paris St-Germain oder Manchester City aus dem Weg gehen zu können.

          Champions League
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Dafür besteht allerdings eine fünfzigprozentige Chance, einen der drei anderen englischen Vertreter, FC Liverpool, Tottenham oder Manchester United, als Gegner in der ersten K.o.-Runde zu bekommen – oder auch mit dem Los Atlético Madrid, am Dienstag noch von Borussia Dortmund überholt, an das unglückliche Verpassen des Finals 2017 gegen die sperrigen Spanier erinnert zu werden.

          Robert Lewandowski hatte die Bayern in Führung gebracht (13. Minute), ehe Ajax durch Dusan Tadic (61./82., Foulelfmeter) das Spiel zu wenden schien. Doch dann schlug der Favorit spät zurück durch Lewandowskis zweiten Treffer (87., Foulelfmeter) und den eingewechselten Kingsley Coman (90.), ehe Ajax in der siebenminütigen Nachspielzeit durch ein Eigentor von Niklas Süle noch zum Ausgleich kam. Beide Teams beendeten das Spiel mit je zehn Mann, nach Roten Karten für Maximilian Wöber und Thomas Müller.

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          Die Bayern erlebten in der ausverkauften Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam die ungewohnte Situation, es gegen die „jungen Wilden“ von Ajax mit einem Gegner zu tun zu haben, der den Ball und das Spiel selbst beherrschen will. Sie machten zumindest in der ersten Halbzeit, mit nur 41 Prozent Ballbesitz, das Beste daraus und nutzten die Räume, die ihnen der Offensivgeist und das mutige Pressing der Niederländer bei Ballgewinn eröffneten, zu zahlreichen gefährlichen Tempo-Attacken.

          So kam Serge Gnabry in der 12. Minute bereits zu seinem dritten und bis dahin gefährlichsten Abschluss, den Torwart Onana über die Latte lenken konnte. Die darauf folgende Ecke schien schon abgewehrt, doch fand Gnabry im Rückraum genug Zeit, um Lewandowski anzuspielen, und dieser erzielte aus halbrechter Position mit einem präzisen Schuss ins kurze Eck die Führung. Es war der siebte Treffer des Polen in dieser Spielzeit der Champions League, womit er die Führung der Torjägerliste von Lionel Messi übernahm. Einen zweiten Treffer verhinderte Torwart André Onana, der nach 27 Minuten gegen den aus kurzer Distanz abschließenden Lewandowski hielt.

          Die Bayern, vom erkälteten Trainer Niko Kovac in derselben Besetzung aufgeboten wie zuvor bei den Siegen gegen Bremen und Nürnberg, standen über weite Strecken des Spiels unter weit größerem Druck als gegen ihre letzten Gegner in der Bundesliga, hielten ihm aber mit guter Staffelung und Zweikampfstärke stand. Wie schon beim 1:1 in München im Oktober, als Ajax die Bayern mit ihrer jugendlichen Klasse überrascht und häufig überspielt hatte, fehlten dem Team von Erik ten Hage, von 2013 bis 2015 Trainer der B-Mannschaft der Bayern, meist die Ruhe und Cleverness im Abschluss.

          So feuerte der Brasilianer Neres nach 57 Minuten den Ball nach wunderbarer Vorarbeit des Marokkaners Ziyech aus bester zentraler Position hoch über das Bayern-Tor. Vier Minuten später aber konnte Tadic nach einer Bilderbuchkombination das Tor beim besten Willen nicht mehr verfehlen – die Hereingabe van de Beeks musste er nur noch ins leere Netz drücken.

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          Ajax gegen Bayern : Fußball verrückt in Amsterdam

          Um ein Haar hätte Lewandowski mit einem zweiten Treffer den alten Abstand wieder hergestellt, nach Flanke von Franck Ribéry kam er frei zum Kopfball, doch Onana wehrte den Ball mit einer phantastischen Parade ab. Nach 66 Minuten erhielt der Österreicher Maximilian Wöber für ein hartes Tackling an der Seitenlinie, mit dem er das rechte Sprunggelenk von Leon Goretzka böse erwischte, die Rote Karte. Dank der Überzahl schienen die Bayern die nach der Pause verlorene Spielkontrolle zurückzugewinnen, doch dann ging Thomas Müller beim Versuch, einen hohen Ball im Mittelfeld zu erwischen, mit viel zu hohem Bein in den Zweikampf mit Ajax-Verteidiger Tagliafico, den er mit der Sohle am Kopf verletzte. Daraufhin sah auch Müller Rot – ausgerechnet in seinem Rekordspiel, in dem er mit dem 105. Champions-League-Einsatz zum bisherigen Bayern-Rekordmann Philipp Lahm aufschloss.

          Das Spiel schien den Bayern aus den Händen zu gleiten, als Jerome Boateng den eingewechselten Dolberg mit einem ungestümen Tackling foulte und Tadic den fälligen Elfmeter verwandelte. Doch auf der Gegenseite erzwang der eingewechselte Thiago, gefoult von Tagliafico, ausgleichende Gerechtigkeit. Lewandowski verlud Onana vom Elfmeterpunkt, dann traf auch noch Coman – und der verspätete Rettungsversuch von Süle, der zum 3:3 ins eigene Netz traf, vollendete einen verrückten Fußballabend.

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