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Debakel in Champions League : „Barças Weltrekord für Jämmerlichkeit“

  • Aktualisiert am

Für Trainer Quique Setien dürfte die Zeit beim FC Barcelona schon wieder abgelaufen sein. Bild: EPA

Nie blamierte sich der FC Barcelona in seiner ruhmreichen Geschichte so wie beim 2:8 gegen die Bayern. Die spanischen Medien sind entsetzt. Das Debakel hat Folgen. Ein Spieler bietet gar freiwillig seinen Abgang an.

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          Trainer Quique Setién stellt sich nach der historischen Europokal-Niederlage des FC Barcelona gegen den FC Bayern München beim Finalturnier der Champions League auf Konsequenzen ein. „Natürlich minimieren sich die Chancen für mich“, sagte der 61-Jährige am Freitagabend nach dem 2:8 (1:4) im Viertelfinale bei der Vide-Pressekonferenz im Estádio da Luz. Seine Situation sei aber jetzt gerade nicht wichtig.

          Champions League

          Setién beschönigte den demütigenden Fußballabend für die Katalanen, die erstmals acht Tore in einem Europacupspiel kassierten, nicht. „Wir haben uns überrollt gesehen von einer sehr guten Mannschaft.“ Er sei erst ein halbes Jahr im Amt, bemerkte Setién: „Der FC Barcelona muss sich verändern.“ Die erste Veränderungen könnte ihn betreffen. Spanischen Medienberichten zufolge ist die Entscheidung schon gefallen, noch aber offiziell nicht verkündet. Als Kandidaten für die mögliche Nachfolge wurden unter anderen der Argentinier Mauricio Pochettino sowie die früheren Barça-Profis Xavi und Patrick Kluivert genannt.

          Auch auf sportlicher Führungsebene rund um Sportdirektor Eric Abidal könnte es Konsequenzen geben. Der ebenfalls umstrittene Präsident Josep Maria Bartomeu bat in einem TV-Interview die Fans um Entschuldigung. „Es gibt einige Entscheidungen, die wir bereits getroffen haben und andere, die wir die nächsten Tage treffen werden. Es wird in der kommenden Woche Mitteilungen geben, wir müssen Entscheidungen treffen, nachdem sich die Dinge beruhigt haben“, sagte Bartomeu.

          Das Gesicht der veralteten Mannschaft um Star Lionel Messi dürfte sich auch verändern. Gerard Piqué sagte: „Der Verein braucht Veränderungen. Ich bin der erste, der anbietet, den Klub zu verlassen, wenn es notwendig ist, neues Blut reinzubringen.“ Barcelona wartet durch das Ausscheiden bereits seit 2015, dem bislang letzten Königsklassen-Triumph, auf einen Finaleinzug in der Champions League. „Wir sind am Tiefpunkt angekommen“, sagte Piqué. „Das ist ein fürchterliches Spiel, ein desaströses Ergebnis. Eine Demütigung, das ist das Wort.“

          Die spanischen Pressestimmen zum 2:8 des FC Barcelona:

          „El País“: „Bayern demütigt Barcelona. Bei dem historischen Sieg  hat die Mannschaft von Quique Setién unerklärlicherweise der Macht des deutschen Teams nichts entgegenzusetzen. (...) Das Azulgrana-Team hat die schlimmste jemals bei einem europäischen Wettbewerb gesehene Niederlage seiner Geschichte erlitten.“

          „La Vanguardia“ (Barcelona): „Bayern beerdigt den FC Barcelona. Die Blaugrana machen sich in Lissabon lächerlich und scheiden durch ein beschämendes 2:8 aus. Die Demütigung war ungeheuer. Es wird lange dauern, bis die Schande verblasst. Champions kriechen nicht so. Was für eine Strafe. Wie schmerzhaft. Was für ein Untergang. Lissabon ist vielleicht das dunkelste Kapitel in der schwarzen Geschichte Barcelonas.“

          „Marca“: „Adiós für Setién, aber es müssen noch viel mehr gehen. Das Barça-Debakel entfaltete sich auf die schlimmste Art und Weise, von den Bayern geschlagen und verprügelt, unfähig angesichts des deutschen Fußballs und dessen Schwungs, überwältigt von der 2. bis zur 90. Minute, das Bild einer kleinen Mannschaft, ein Negativbild ihrer Größe. Es gab einige Chancen beim verrückten Beginn des Spiels, aber die Schläge der bayerischen Dampfwalze wurden nach vier Toren binnen einer halben Stunde zu einem K.o.. Das 2:8 ist ein demütigendes Ergebnis.“

          „Mundo Deportivo“: „Historische Lächerlichkeit Barças in der Champions League. Die Bayern besiegten Barça mit einem überwältigenden 2:8, ein Ergebnis, das es in der jüngeren Geschichte nicht nur Barças, sondern des gesamten Wettbewerbs noch nie gab. Die Spieler, die diesem Verein den größten Ruhm gebracht haben, boten ein unwürdiges Bild für einen hundertjährigen Verein wie Barça. „Wir sind Barça, das beste Team der Welt“, wiederholte Vidal in der Vorbereitungsphase immer wieder. Dieses Barça, das er meinte, ist jetzt Geschichte.“

          „Goal“: „Das war kein Spiel, das war kaltblütiger Mord. Ein Mord, der absehbar und mit aller Härte der Welt unerbittlich war. Da nach zwei die Drei kommt, hat Barça alles getan, um seinen Weltrekord für Jämmerlichkeit noch zu überbieten. Nachdem das Team in Rom und Anfield gedemütigt worden war, brach es seinen eigenen Rekord und verließ Lissabon mit acht Treffern im Sack. In Lissabon wurde ein Duell zwischen Sportlern und Touristen ausgetragen, dessen Ergebnis ebenso kraftvoll wie verdient war. Als Chronik eines angekündigten Todes schlug Bayern München Barça auf vernichtende Weise.“

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