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Champions-League-Finale : Europas Fußballkönige kommen aus Barcelona

So sehen Sieger aus: Der FC Barcelona holt die Champions League 2015 Bild: AFP

Der FC Barcelona mit dem deutschen Torhüter Marc-Andre ter Stegen gewinnt die Champions League. Das rasante Finale von Berlin beginnt perfekt für die Katalanen, doch Juventus gleicht in der zweiten Halbzeit aus. Am Ende aber schlägt Barcas Supersturm zu.

          3 Min.

          Das Berliner Olympiastadion war für die drei Italiener Buffon, Barzagli und Pirlo diesmal nicht der Ort für einen großen Triumph. Die Weltmeister von 2006 mussten sich neun Jahre später in der deutschen Hauptstadt im Finale der Champions League mit Juventus Turin dem FC Barcelona 1:3 geschlagen geben.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der verdiente Sieg nach Toren von Rakitic (4. Minute), dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Morata (55.) sowie von Suarez (68.) und Neymar in der Nachspielzeit macht aus den Katalanen endgültig den erfolgreichsten Klub in Europas der vergangenen Jahre. Der Erfolg in einem hervorragenden Finale war der fünfte Triumph für Barcelona seit 1992, der vierte seit 2006 und der Schlusspunkt für das Triple in dieser Saison.

          Es dauerte nicht lange, bis dieses Finale das Publikum in seinen Bann geschlagen hatte. In einer hochklassigen Partie, die von Beginn an höchste Erwartungen erfüllte, begegneten sich zwei grundverschiedene Auffassungen des Fußballs, die jeweils eine Klasse für sich darstellen. Juventus setzte dem Favoriten schon in der ersten Minute mit einer extrem hohen Pressing-Attacke zu, die Barcelona bis auf die Grundlinie zurückweichen ließ. Und auf die gleiche, freche Weise holten die Italiener in der zweiten Minute auch ihren ersten Eckball heraus.

          Es war das Startsignal eines leidenschaftliches Endspiel. Nach vier Minuten demonstrierte Barcelona erstmals seine Ausnahmeklasse. Der Ball landete nach einer wundervollen, schellen und präzisen Angriffskombination über Neymar und Iniesta beim ehemaligen Schalker Ivan Rakitic, der den Rückpass aus zentraler Position im Strafraum an Buffon zum 1:0 ins Tor beförderte.

          Barcelona dominierte danach durch mehr Ballbesitz und mehr Torchancen, aber eine erdrückende Dominanz wurde daraus dank der Klasse der Italiener nicht, die zwar in Abständen, aber doch immer wieder ihre Konter mit Klugheit und Zielstrebigkeit vortrugen.

          Wer gefürchtet hatte, Juve würde allein auf die finstere Kunst der defensiven Destruktivität setzen, sah sich getäuscht. Die Italiener präsentierten sich immer wieder als Entfesselungskünstler, die mit Härte, Dynamik und technischer Raffinesse wie in der 20. Minute selbst aus höchster Bedrängnis einen Kontersturm über Pogba entfachen konnten, den Alves erst in letzter Not vor dem einschussbereiten Tevez zur Ecke klären konnte.

          Diesmal zeigte Suarez seinen Biss nur an der richtigen Stelle Bilderstrecke

          Barcelona mit seinem 120-Tore-Trio Messi, Suarez und Neymar war natürlich nie ganz zu bremsen. Die beste Gelegenheit, die Führung für den Favoriten auszubauen, hatte aber kein Starstürmer, sondern Verteidiger Alves in der 13. Minute, aber seinen Schuss wehrte Buffon mit einer Hand gegen die Laufrichtung großartig ab.

          Turin präsentierte sich in Berlin genau so, wie es Verteidiger Chiellini, der wegen einer Wadenzerrung ausfiel, erwartet hatte. „Juventus besteht aus großen Männern und Spielern“, sagte der verhinderte Abwehrchef. „Ich bin mir sicher, dass das Team kämpfen wird wie nie zuvor.“ Vidal handelte sich auf diesem Weg früh eine Gelbe Karte ein, aber eine hässliche Partie wurde dieses Endspiel trotz einiger harter Attacken nicht. Respekt verschafften sich die Italiener jedoch mit ihrer körperbetonten Spielweise, die auch vor Messi nicht Halt machte.

          Die Pausen-Führung von Barcelona war verdient. In Sicherheit aber durfte sich die in dieser Saison spielstärkste Mannschaft in Europa aber nicht fühlen. Kurz nach dem Wechsel eröffnete sich dem Team von Trainer Luis Enrique nach einer Turiner Unachtsamkeit eine Kontermöglichkeit, wie sie dieser Mannschaft nicht oft vor die Füße fällt. Aber trotz einer 5:3-Überlegenheit schlug Barca daraus keinen Profit. Suarez scheiterte an seinem Schuss am 37 Jahre alten Buffon.

          Verschluderte Chancen gegen italienische Teams rächen sich bekanntlich oft. In der 51. Minute machte es Juve dann aus einer weit weniger vielversprechenden Situation viel besser. Marchisio spielte den Ball mit der Hacke in den Lauf von Lichtsteiner, der im Strafraum Tevez anspielte, dessen Schuss ter Stegen gerade noch abwehren, aber nicht festhalten konnten – gegen den Nachschuss von Morata war der Deutsche ohne Chance.

          Mit dem 1:1 entwickelte sich ein offenes, ausgeglichenes Spiel. Mit starker Physis in Kombination mit taktischer Schläue brachen die Italiener vorübergehend die katalanische Spiel-Dominanz. In der 68. Minute wendete sich das Spielglück dann aber gegen die Italiener. Der Schiedsrichter hätte, als Alves im Strafraum Pogba im Zweikampf zu Boden zog, auf Elfmeter entscheiden können. In die wütende Proteste setzte Barca seinen Konter über Messi. Buffon wehrte den Schuss des Argentiniers zwar ab, aber genau in den Lauf von Suarez – 2:1.

          Drei Minuten später waren die Katalanen außer sich. Neymar köpfte sich den Ball gegen die eigene Hand, von dort sprang er ins Tor. Die Italiener protestierten diesmal erfolgreich. Der Treffer, der die Partie vermutlich vorzeitig entschieden hätte, wurde nicht anerkannt. So musste Barcelona bis zum Schluss um den Sieg zittern, den Neymar in der fünften Minute der Nachspielzeit mit dem 122. Tor des Supersturms perfekt machte.

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