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Klopps Liverpool bei Barça : Wie werden wir bloß mit Messi fertig?

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Liverpool-Trainer Jürgen Klopp spielt erstmal gegen den FC Barcelona. Bild: Reuters

Der FC Liverpool will wieder ins Finale der Champions League. Dafür muss das Team von Jürgen Klopp den FC Barcelona ausschalten. Die Engländer beschäftigt deswegen vor dem Hinspiel vor allem eine Frage.

          Wer dem FC Barcelona gegenübersteht, der steht auch vor der Frage: Wie werden wir bloß mit Lionel Messi fertig? Der argentinische Angreifer in Diensten des spanischen Meisters konkurriert seit Jahren mit Cristiano Ronaldo um die Bezeichnung als bester Fußballspieler der Welt. In 45 Einsätzen in der laufenden Saison hat er in allen Wettbewerben zusammen 46 Tore geschossen und 22 vorbereitet. Angesichts solcher Zahlen rätselt Englands Fachpresse vor dem Halbfinale in der Champions League, wie der FC Liverpool an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) und im Rückspiel am kommenden Dienstag der Offensivgewalt Barcelonas begegnen soll; mit welchen Spielern und in welcher Formation man den Katalanen am besten den Wind aus den Segeln nehmen könnte.

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          Umgekehrt wird aber auch der FC Barcelona wohl kaum mit dem Messer zwischen den Zähnen in den Sturm preschen. Denn die Engländer werden mit Blick auf die Auswärtstor-Regelung darauf aus sein, im Camp Nou mindestens einen Treffer zu erzielen. Und sie haben mit Mohamed Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino Stürmer in ihren Reihen, die dazu in der Lage sind, sportlich verheerenden Schaden anzurichten, wenn man ihnen den Platz dazu lässt. Zusammen steht das Trio vor dem Halbfinalhinspiel in Spanien bei 65 Saisontoren, wobei Salah mit 25 Toren aktuell der beste Schütze ist – mit einem Tor mehr als Mané.

          Salah ist der dritte Spieler in der Historie des FC Liverpool, der in zwei aufeinanderfolgenden Saisons in England jeweils mehr als 20 Tore erzielt hat. Zwar wird der Ägypter in den verbleibenden Spielen nicht mehr die Werte aus der vergangenen Saison erreichen, seiner ersten in Liverpool, als er am Ende bei 44 Toren in 52 Einsätzen stand. Aber Trainer Jürgen Klopp betonte zuletzt, dass Salah in diesem Jahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht habe. „Es ist eine sehr wichtige Saison für ihn, nachdem in der vergangenen Spielzeit fast jeder seiner Schüsse ins Tor ging“, sagte er der BBC.

          Die Leute, vor allem die Kritiker, sähen bei ihm jetzt besonders genau hin. Der Druck, es ihnen zu beweisen, sei immens. Das Niveau aus der Vorsaison zu halten sei daher eine noch größere Leistung, als in einer einzigen Saison über sich hinauszuwachsen. Die Gerüchte über ein angebliches Zerwürfnis mit Salah und dessen vermeintliche Bitte um die Auflösung seines Vertrags, die, ausgehend von einem Bericht der spanischen Sportzeitung „As“, durch die sozialen Netze gegeistert waren, lachte Klopp einfach weg: „Ich sage euch doch immer – glaubt nicht mal drei Prozent von dem, was in den sozialen Medien steht.“

          Liverpool kämpft in der Premier League zwei Spieltage vor dem Ende der Saison um die Meisterschaft, liegt in der Tabelle aber einen Punkt hinter Titelverteidiger Manchester City. Dem Klub droht eine weitere Saison ohne Titel – trotz nur einer Niederlage in Englands Eliteliga. Vor dem Champions-League-Spiel gegen Barcelona haben die „Reds“ in allen Wettbewerben zehnmal in Serie gewonnen; unbesiegt sind sie schon seit 19 Spielen. Neben Salah ist auch dessen Sturmpartner Sadio Mané rechtzeitig in Bestform: Beide trafen beim 5:0 gegen Absteiger Huddersfield Town am vergangenen Freitag je zweimal. Mané hat damit seine alte Bestmarke von 23 Toren in einer Saison übertroffen, die er vor fünf Jahren als Spieler von Red Bull Salzburg aufgestellt hatte. Einen Offensivrekord könnte auch Außenverteidiger Andrew Robertson knacken: Mit elf Torvorlagen in einer Premier-League-Saison als Abwehrspieler hat er mit den bisherigen Rekordhaltern gleichgezogen. In der Champions League hat er ebenfalls schon zwei Treffer vorbereitet.

          Innenverteidiger Virgil van Dijk ist am Sonntag vom englischen Verband der Profifußballer zum Spieler des Jahres gewählt worden. Seit seinem Wechsel nach Liverpool steht die Abwehr deutlich stabiler, 20 Gegentore in 36 Premier-League-Spielen sind Ligabestwert. Liverpool ist für den FC Barcelona also nicht so leicht auszurechnen – trotz der großen Bedeutung von Mohamed Salah. Der hat im April eine ungewöhnliche Würdigung erfahren. Das amerikanische „Time“-Magazin zählte ihn wegen seines hohen Ansehens in Ägypten und darüber hinaus in der Liste der 100 einflussreichsten Menschen auf. Ein Interview mit dem Magazin nutzte der 26-Jährige für einen Appell an die Menschen in seiner Heimat. „Wir müssen in unserer Kultur den Umgang mit Frauen verändern“, sagte er: „Ich unterstütze Frauen mehr, als ich es früher getan habe, denn ich glaube, dass sie mehr verdienen, als wir ihnen geben.“

          Wie aber geht der FC Liverpool mit Lionel Messi um? Danach gefragt, gab sich Jürgen Klopp nach dem Sieg über Huddersfield provokant gelassen. Er habe noch keine Sekunde darüber nachgedacht. Es sei noch genug Zeit, um sich etwas zu überlegen. „So viele Mannschaften haben versucht, dort zu gewinnen, und es nicht geschafft“, sagte er. Und warnte: „Wahrscheinlich schaffen wir das auch nicht. Aber es ist möglich. Wir werden ganz sicher einen Plan haben, aber jetzt noch nicht.“

          Gewinnen muss der FC Liverpool im Camp Nou ja auch nicht unbedingt, um abermals wie im Vorjahr ins Champions-League-Finale einzuziehen. Aber ein oder zwei Tore würden ihm das Leben im Rückspiel an der Anfield Road vermutlich deutlich leichter machen.

          Liverpool-Coach Klopp vor Barça-Hit: „Der Beste ist Messi“

          Für Jürgen Klopp ist Lionel Messi die Nummer eins im Weltfußball. „Ich habe einige gute Spieler gesehen und einige gute trainiert, aber der Beste ist für mich Messi. Mein Vater hat immer gesagt, dass Pelé der beste Spieler ist. Aber ich war zu jung, um ihn live zu sehen“, sagte Klopp am Dienstag auf der Pressekonferenz vor dem Halbfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Barcelona. Es gehe im Spiel am Mittwoch aber nicht nur um Messi. „Er hat auch zehn starke Spieler um sich, die ein Spiel entscheiden können“, betonte Klopp. Einer davon ist etwa Philippe Coutinho, der einst unter Klopp in Liverpool gespielt hat. „Wir vermissen Coutinho, weil er ein Weltklasse-Spieler ist. Ich habe es geliebt, mit ihm zu arbeiten. Aber ohne ihn haben wir es auch gut gemacht“, betonte der frühere Dortmunder Meistertrainer. Dass Klopp noch nie mit einem seiner Teams in Spanien gewonnen hat, sieht der Coach als nicht so gravierend an. „Ein Unentschieden wäre nicht das schlechteste Ergebnis“, sagte Klopp. Sein Team werde „wie verrückt kämpfen“, um ins Finale zu kommen: „Wir träumen und versuchen alles.“ (dpa)

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