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Probleme beim FC Barcelona : Die Mühen des Antoine Griezmann

  • -Aktualisiert am

Für Antoine Griezmann läuft es seit seinem Wechsel zum FC Barcelona nicht besonders gut. Bild: AFP

Antoine Griezmann sollte der neue Torjäger des FC Barcelona werden – aber er passt noch nicht ins System der Katalanen. Das liegt auch an der Art seines Spiels – und an Lionel Messi.

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          Es war eine Auswechslung, die alles darüber sagte, wie es derzeit beim FC Barcelona läuft – und bei Antoine Griezmann. „Der kleine Prinz“, der sich in seinen eigenen TV-Dokumentationen lange so selbstverliebt gezeigt hatte, verließ das Feld am Sonntag in der 57. Minute gegen den Tabellenletzten Leganés niedergeschlagen. Er warf einen ernsten Blick auf Arturo Vidal, der für ihn ins Spiel kam, ein wenig obligatorisch wirkte es, als er seine beiden Hände zum Abklatschen anbot. Im Blick des Chilenen mit dem Irokesenschnitt schien sogar Mitgefühl zu liegen. Vidal für Griezmann – ein Fußballarbeiter, der am Ball oft unbeholfen wirkt, ersetzte den leichtfüßigen Star. Und während Griezmann gegen den farblosen Madrider Vorortklub kaum ins Spiel gekommen war, markierte Vidal das entscheidende Tor zum 2:1 für Barça.

          Champions League

          Als Antoine Griezmann im Sommer nach fünf Jahren bei Atlético Madrid nach Barcelona ging, sagte er, er brauche neue Herausforderungen. Ein Jahr zuvor hatte er einen Wechsel nach einer langen Hängepartie im Transferpoker abgelehnt. Doch bei Barça benötigten sie dringend einen neuen Torjäger. Luis Suárez ist schon 32 Jahre alt. Er ist anfällig für Verletzungen, hat Knorpelschäden im Knie, die nur schwer zu therapieren sind. So überwiesen die Katalanen 120 Millionen Euro aufs Konto von Atlético, einigten sich in Nachverhandlungen sogar auf weitere 15 Millionen Euro.

          Es wundert deshalb nicht, dass der 28 Jahre alte Griezmann in Barcelona seit Beginn dieser Saison im Fokus von Fans, Medien und auch Mitspielern steht. Und sowohl in den Fankurven wie auf der Pressetribüne sind sie zunehmend ungeduldig geworden. Der Franzose hat ganz offensichtlich Probleme mit dem Systemwechsel vom Konterfußball in Madrid auf Barças Anspruch, das Spiel bestimmen zu wollen. In 16 Einsätzen, fast alle von Beginn an, hat er nur vier Treffer erzielt – so viele wie Ersatzspieler Arturo Vidal. Luis Suárez hingegen, den Griezmann irgendwann ablösen soll, kommt in dieser Saison immerhin auf sieben Tore. Auch zu Beginn des Monats, als Slavia Prag zur Champions League nach Barcelona reiste und Luis Suárez verletzt ausfiel, nahm Griezmann an kaum einer wichtigen Szene teil. Die Begegnung endete torlos.

          Das Zusammenspiel mit Messi hakt

          Der Stürmer, der am Mittwoch gegen Dortmund (21 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) einen nächsten Anlauf nimmt, gibt die Schwierigkeiten offen zu. Atlético-Trainer Simeone liebt das Spiel ohne Ball mit einer kompakten Verteidigung und einem schnellen Umschalten bei Balleroberung. Dies eröffnete dem schnellen Franzosen viele Räume. Dass bei einer solchen Taktik oft der Gegner das Spiel macht, störte die Atlético-Fans nicht, solange die Ergebnisse stimmten. In Barcelona hingegen gilt es als unfein, auf den Ball zu verzichten, schließlich haben sie ja Messi, Spielmacher und Torjäger zugleich. Sie treffen auf eng stehende Gegner, die Bälle werden viel öfter auf die Füße der Mitspieler gepasst.

          Griezmann gibt nicht auf, er müht sich. Er gilt als einer der laufstärksten Spieler Barças, setzt aber vor allem das um, was er bei Simeone gelernt hat. Während Messi oder Suárez nur wenig verteidigen, hilft er der Hintermannschaft. Er ist aber auch einer der Stürmer, der sich am häufigsten von seinen Gegenspielern löst. Doch während er oft schon zum Galopp in den Rücken der Abwehr ansetzt, bekommt er den Ball aber dann auf seine aktuelle Position gepasst – oft von Messi. Inzwischen spekulieren die Medien sogar, der Fußballweltmeister von 2018 verstehe sich nicht mit Messi. Der Argentinier rede nicht gerade viel, sagte Griezmann selbst vor einiger Zeit. Anfangs war Messi noch verletzt, doch seit sechs Spielen laufen beide zusammen auf. In dieser Zeit hat Messi acht Tore erzielt. Doch vor allem gelten mehr als 60 Prozent seiner Pässe seinem Freund Luis Suárez, haben die Statistiker notiert.

          Griezmann scheint aber auch das Opfer eines Überangebots an Stürmern im Kader zu sein. Am Sonntag gegen Leganés standen sich Griezmann, Messi, Dembelé und Suárez zeitweise auf den Füßen. Links nehme Griezmann Messi Platz weg, der Argentinier ziehe stets von links in die Mitte, spekulieren spanische Medien. Es gebe einen Trainer und eine Taktik. Er spiele dort, wo ihn der Trainer hinstelle, kommentierte Griezmann die Spekulationen. Sein Coach Valverde setzte ihn bereits kurz nach der Halbzeit auf die Bank, so früh wie in keiner Begegnung zuvor. Dass Arturo Vidal die Partie für Barça dann doch noch rettete, schützt neben Griezmann nun auch seinen Trainer nicht mehr vor Kritik. Der FC Barcelona glänze derzeit überhaupt nicht, komme nur noch zu Arbeitssiegen. Die Zeitung „La Vanguardia“ aus Barcelona wirft Valverde Planlosigkeit vor. Seine guten Absichten und seine Geduld mit Griezmann prallten auf eine harte Wirklichkeit.

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