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Verdacht gegen Präsident : Schatten über dem Pariser Imperium

  • -Aktualisiert am

Nasser Al-Khelaifi wird unter anderem Bestechung vorgeworfen. Bild: dpa

Es könnte alles so schön sein in Paris an diesen goldenen Herbsttagen. Doch es gibt einen Verdacht, der so gar nicht zum sportlichen Glanz rund um die Millionentruppe mit Neymar, Mbappe und Co. passen will.

          Es könnte alles so schön sein in diesen auch in Paris goldenen Herbsttagen. Wären da nicht jene juristischen Misstöne, die den Vereinsalltag des wettbewerbsübergreifend noch unbesiegten Tabellenführers der französischen Liga zunehmend eintrüben. Nach Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Financial Fair Play durch die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat nun auch die Schweizer Bundesanwaltschaft im Namen des Weltverbandes (Fifa) Untersuchungen gegen den Präsidenten von Paris Saint-Germain eingeleitet. Vor dem Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) steht nun ein Bestechungsverdacht gegen Nasser Al-Khelaifi im Raum, der so gar nicht zu jenem Glanz des Erfolges passen will, in dem sich der Gruppenerste seit dem 3:0-Sieg über den FC Bayern München lustvoll sonnt.

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          Besonders ungemütlich ist die Lage, seit am vergangenen Donnerstag Al-Khelaifis Büro am Sitz des TV-Senders beIN Sports France wegen Ungereimtheiten bei der Vergabe von Medienrechten für die Fußball-Weltmeisterschaften von 2018 an durchsucht worden ist. Der Araber ist nicht nur Präsident des europäischen Flaggschiffs von Qatars sportlicher Expansionspolitik, sondern auch Geschäftsführer der weltweit operierenden Sportrechtefirma beIN Media Group. Womit sich das Postenportfolio des 43-Jährigen längst nicht erschöpft hat. Er ist auch Minister ohne Ressort des Emirs Tamim Al-Thani, Präsident der Qatar Sports Investment, jenem Fonds, dem Paris Saint-Germain gehört, und des qatarischen sowie des asiatischen Tennisverbandes.

          Al-Khelaifi, dessen schmächtige Statur und dezentes Auftreten den Machtmenschen, der er ist, fast schon konterkarieren, hat sich stets als Saubermann inszeniert. Es wird nicht einfach sein, den Makel, den diese Affäre – unabhängig vom Ergebnis – hinterlassen wird, wieder wegzuwischen. Der frühere Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke soll Al-Khelaifi die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaften von 2026 und 2030 zum „Vorzugspreis“ angeboten und dafür „Gefälligkeiten“ empfangen haben. Besonders unglücklich wirken in diesem Zusammenhang das weit höher als üblich vergütete Praktikum, das Valckes Sohn 2013 in der Marketingabteilung von PSG absolviert hat.

          Hinzu kommen Valckes Urlaubsaufenthalte in Al-Khelaifis pompöser Villa auf Sardinien und die zahlreichen Flüge der ehemaligen rechten Hand Joseph Blatters im Privatjet des Scheichs. Paris Saint-Germain ist von diesen Vorfällen zwar nur indirekt betroffen, aber die Bestechungsaffäre um seinen Präsidenten passt derzeit ins Bild vom bösen Verein, dem alle Mittel recht zu sein scheinen. Das schlachten die französischen Medien genüsslich aus. Querverweise zum Fall Uli Hoeneß werden besonders gerne gezogen.

          Nasser Al-Khelaifi und Paris Saint-Germains teuerster Transfer Neymar.

          Am Hauptsitz des Klubs in Saint-Germain-en-Laye beeilt man sich derweil klarzustellen, dass „diese Angelegenheit, nichts mit dem Verein zu tun“ hat. Kollateralschäden sind für den Klub dennoch zu erwarten. Nicht erst seit den so kostspieligen wie aufsehenerregenden Verpflichtungen des Brasilianers Neymar und des französischen Sturmtalents Kylian Mbappé in diesem Sommer werden die Aktivitäten des Klubs von Konkurrenz und Presse skeptisch beäugt. Ebenfalls problematisch werden könnten die Verhandlungen, welche Al-Khelaifi derzeit mit den Werbepartnern des mehrmaligen Meisters führt.

          Um das hohe Minus der Transferausgaben auszugleichen, die durch den Erwerb von Neymar und Mbappé entstanden sind, muss der Verein bis zum Ende dieser Saison seine Einnahmen drastisch steigern, will er die drohenden Sanktionen durch das Financial Fair Play noch abwenden. Konkretisieren sich die Vorwürfe gegen den Qatarer, wäre dieser als Verhandlungspartner diskreditiert. Die beiden Hauptsponsoren Emirates und Nike sollen schon jetzt mit verhaltener Besorgnis auf die Ermittlungen reagiert haben.

          Bisher haben sich nur Al-Khelaifis Anwälte zur Sachlage geäußert und selbstredend alle Vorwürfe zurückgewiesen. Der Beschuldigte selbst weilt derzeit in Doha, will aber pünktlich zum Anpfiff in Anderlecht zurück sein. Valcke, der von der Ethikkommission der Fifa bereits mit einer zehnjährigen Sperre belegt und sämtlicher seiner Funktionen enthoben worden ist, streitet ebenfalls alles ab. Dabei sind diese jüngsten Vorwürfe nur ein kleiner Teil jenes Korruptionssumpfes, in dessen tiefem Morast der Weltfußball seit Jahren feststeckt. Schon im Zuge der Vergabe der Fernsehrechte für die Weltmeisterschaften von 2018 in Russland und 2022 in Qatar soll es mehr als 130 verdächtige Finanzbewegungen gegeben haben.

          Das Emirat kämpft seit dem Zuschlag für die WM 2022 ohnehin gegen seinen Ruf als Schurkenstaat der Szene, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich den Unmut des Emirs über die Ermittlungen gegen seinen europäischen Statthalter vorzustellen. Gemeinsam mit diesem rückt Qatar nun wieder zurück in jenen Fokus, aus dem es so angestrengt versucht, sich heraus zu bewegen. So „lachhaft“, wie das Organisationskomitee der WM in Qatar die Vorwürfe in einer ersten offiziellen Stellungnahme bezeichnete, sind diese jedenfalls nicht.

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