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Dortmund in Champions League : Der BVB und ein Moment der Leichtigkeit

  • -Aktualisiert am

Gemeinsam erfolgreich: der BVB in der Champions League Bild: AP

Beim 3:0 gegen Brügge in der Champions League glänzen vor allem zwei Profis des BVB. Erling Haaland bessert seine schier unglaubliche Torbilanz weiter auf. Und Jadon Sancho kämpft sich aus seinem Loch.

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          Die Champions League übt traditionell eine besondere Zauberkraft auf große Fußballspieler aus. Wenn dienstags und mittwochs Menschen auf dem ganzen Planeten nach Spektakel und kunstvollen Momenten dürsten, will niemand gerne blass und lustlos wirken. Wahrscheinlich spielte dieser Effekt eine gewisse Rolle, als der Dortmunder Angreifer Jadon Sancho beim 3:0-Sieg der Borussia gegen den FC Brügge endlich einmal wieder seine besonderen Fähigkeiten zur Entfaltung brachte. Zum ersten Mal in dieser Saison.

          Champions League

          Erling Haalands 1:0 bereitete der Engländer mit einem sehenswerten Pass vor, mit einem hinreißend schönen Freistoß schoss er das 2:0. „Er hat er gut gespielt, er ist viel gelaufen“, sagte Lucien Favre. Das waren recht nüchterne Worte zur Beschreibung einer famosen Leistung. Der Trainer wirkte, als fürchte er mit einem allzu deutlichen Lob den dringend herbeigesehnten Aufschwung seines wichtigen Spielers zu beschädigen. Also blieb er nüchtern, aber in Sanchos Saison könnte diese Partie einmal als Wendepunkt gelten.

          Sancho im Fokus

          Während der vergangenen Wochen war viel über das Befinden des 20 Jahre alten Stürmers gerätselt worden. Er wirkte schlecht gelaunt und unzufrieden. Es ist kein Geheimnis, dass der junge Star gerne im Sommer zu Manchester United gewechselt wäre. Nachdem klar war, dass dieser Wunsch unerfüllt bleiben würde, fiel Sancho in ein Loch. In den Jahren zuvor zählte er zu den besten Scorern der Liga. Bisher hat er in der Bundesliga noch kein Tor erzielt, nur zwei Treffer vorbereitet und ohne Inspiration gespielt.

          „Zuletzt hatte ich eine harte Situation“, sagte er am Dienstag. Beim 5:2 in Berlin hatte er gar nicht gespielt, auch im Hinspiel in Brügge hatte er 90 Minuten auf der Bank gesessen, niemand hatte ihn wirklich vermisst. Vielleicht wirkte auch das motivierend. „Es war speziell im Sommer für Jadon, er musste das ein wenig verdauen“, sagte Favre und prophezeite: „Er wird peu à peu zurückkommen.“ Es wäre schließlich ziemlich fahrlässig, in dieser hochinteressanten Dortmunder Saison aus Frust über einen unerfüllten Wechselwunsch nur eine Nebenrolle zu spielen.

          Denn der BVB rollt. Die Mannschaft bekommt ihre Schwächen in der Defensive immer besser in den Griff, in neun von 13 Pflichtspielen der Saison blieb sie ohne Gegentor. Es gibt derzeit keine Verletzten. „Das ist kein Zufall“, sagte Favre. Dem Trainerteam gelingt es hervorragend, die Belastungen zu steuern. Immer deutlicher wird erkennbar, dass nicht einmal der FC Bayern über einen Kader mit so viel Substanz in der Breite verfügt. Favre rotiert, wieder setzte er vier frische Spieler ein – ohne sichtbaren Qualitätsverlust. Und mit Haaland, der abermals zwei Tore schoss, haben sie einen Spieler, der tatsächlich den Weg zu einem großen Titel ebnen kann. 16 Tore hat er mittlerweile in seinen ersten zwölf Champions-League-Partien geschossen. Das hat noch niemand vorher geschafft. Der Norweger sei „on fire“, sagte Sancho, „ich bin froh, dass ich mit ihm spielen kann“.

          Wer hat getroffen für Dortmund? Natürlich Erling Haaland (Bild Mitte)
          Wer hat getroffen für Dortmund? Natürlich Erling Haaland (Bild Mitte) : Bild: EPA

          All diese Details tragen dazu bei, dass der ganze Klub sehr stabil wirkt. Gerade einmal zwei Partien hat der BVB ausgetragen, seit das wichtige Heimspiel gegen den FC Bayern verlorenging. In den vergangenen Jahren haben solche Niederlagen immer ein tiefsitzendes Gefühl der Vergeblichkeit erzeugt. Die Dortmunder haben gehadert und sich selbst zerfleischt, auf dieser Ebene ist ein deutlicher Reifeprozess erkennbar. Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung, sprach von einer „Leichtigkeit“, die er im Alltag der Spieler und damit auch auf dem Rasen erkenne, und erklärte: „Wir können einiges erreichen mit dieser Mannschaft.“

          Zum Einzug ins Achtelfinale der Champions League fehlt noch ein Punkt. Mit einem Sieg gegen Lazio Rom in der kommenden Woche können sie sich bereits Platz eins in der Gruppe sichern, um auf der anstrengenden Reise nach St. Petersburg zum Abschluss des Europapokaljahres Kräfte zu schonen. Wobei Jadon Sancho wahrscheinlich auch dort große Lust haben wird, sich dem globalen Champions-League-Publikum zu präsentieren.

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