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Eintracht-Stürmer Kolo Muani : Der Eroberer der Herzen

Laufbereit und durchsetzungsstark: Randal Kolo Muani Bild: picture alliance / Hasan Bratic

Randal Kolo Muanis Spielweise ist selbstlos und Unruhe stiftend. Damit fügt er sich gut in den Sturm der Eintracht ein. Das Warten auf den Franzosen scheint sich für die Frankfurter nun auszuzahlen.

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          Sie haben Geduld gezeigt, und das beginnt sich nun auszuzahlen. Wäre es in den Planungen von Eintracht Frankfurt und Randal Kolo Muani nach Wunsch verlaufen, hätten beide Seiten bereits im Juli 2021 ihre Zusammenarbeit begonnen. Der Klub sah in dem Franzosen schon seinerzeit die passende Alternative, um seine personelle Vielfalt im Sturm um eine elanvolle Note zu ergänzen, und auch für den Profi, der in der Ligue 1 bis dahin sein Talent hinlänglich demonstriert hatte, stand fest, dass es ihn in die Bundesliga ziehen würde.

          Champions League
          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Allein der FC Nantes, dessen Entscheidern bewusst war, dass sie Kolo Muani zu einem ausgesprochen zielstrebigen Angreifer ausgebildet hatten, machte zunächst nicht mit. Als Transferentschädigung verlangten die Verantwortlichen der „Kanarienvögel“ zehn Millionen Euro, die Eintracht konnte und wollte – gebeutelt durch die Corona-Krise – maximal die Hälfte bezahlen, sodass der Deal erst im zweiten Anlauf und dann sogar ablösefrei zustande kam.

          „Stolz, für die Eintracht zu spielen“

          Denn: Aufgeschoben war nicht aufgehoben, und Kolo Muani schüttelte in der Winterpause bei allen Versuchen, ihn anderweitig (zum SC Freiburg oder zum AC Mailand) zu veräußern, ablehnend den Kopf, weil er sich seinem Wort verpflichtet fühlte, das er dem Frankfurter Talente-Entdecker Ben Manga gegeben hatte: „Ich bin stolz, für die Eintracht zu spielen“, wiederholte er im Sommer bei seiner Vorstellung am Main, als die monatelange Hängepartie ein offizielles Ende in seinem Sinne gefunden hatte und der 23-Jährige selbstbewusst ankündigen konnte, Trainer Oliver Glasner „beweisen“ zu wollen, dass der gute Ruf, der ihm vorauseilte, nicht von ungefähr kommt.

          Zwölf Pflichtspiele sind seitdem absolviert, und dass die Eintracht zum Auftakt ihres XXL-Programms mit 13 Partien bis zum WM-Start Mitte November von ambitionierten Absichten angetrieben wird, hat einiges mit Kolo Muani zu tun. Beim 2:0-Sieg über Union Berlin ebnete er als Vorbereiter des frühen Führungstors durch Mario Götze mit einem 50-Meter-Solo den Weg zum Erfolg, an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Amazon ­Prime) geht es in der Champions League gegen Tottenham Hotspur.

          Lob von Kevin Trapp

          Kolo Muani zeichnet eine Selbstlosigkeit aus, die im Reigen der oftmals egoistischer veranlagten Strafraumexperten als ungewöhnlich hervorsticht: Er versteht sich in erster Linie als Teamplayer, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt und die Nebenleute bedient, wenn er erkennt, dass sie mehr aus der Situation machen können als er.

          Bis jetzt stehen für ihn fünf Tor-Vorlagen zu Buche, während er zweimal selbst traf. Aufgrund seiner Laufbereitschaft, des Durchsetzungsvermögens zu Luft und am Boden sowie des feinfühligen Umgangs mit der Kugel ist er in seinem Draufgängertum, zumal in Kombination mit den nicht minder emsigen Götze, Daichi Kamada oder Jesper Lindström, für Verteidiger nur schwer zu berechnen oder zu bremsen.

          Bundesliga

          „Er kommt immer wieder an Bälle, die schon verloren scheinen“, pries Keeper Kevin Trapp die Beharrlichkeit des Unruhestifters in der gegnerische Hälfte. Dass er am Samstag vorzeitig mit Gelb-Rot vom Platz musste, weil er in zwei Situationen seinen Körper zu unbeherrscht einsetzte, schmälerte den bis dahin positiven Gesamteindruck nur geringfügig.

          Kolo Muani wurde in Bondy geboren, einem Stadtteil von Paris, in dem auch Weltstar Kylian Mbappé groß wurde. Entsprechend häufig werden nach wie vor Vergleiche zwischen ihnen bemüht. Kolo Muani hält das für irreführend. „Ich verstehe nicht ganz, warum man das sagt. Ich wurde im Krankenhaus in Bondy geboren, habe aber nie dort gelebt. Ich bin in Villepinte aufgewachsen, meine Eltern leben immer noch dort.“

          Mitte September wurde Kolo Muani – in Anerkennung seiner Leistungen im Trikot der Eintracht – erstmals in die Equipe Tricolore und an die Seite von Mbappé berufen. „Das Gefühl ist überwältigend, das ist mehr als ein Traum.“ Die Laufbahn des Franzosen begann vergleichsweise unkonventionell, ohne Aufenthalt in einer der exquisiten französischen Jugendakademien. 2015 startete er beim FC Nantes in der U 19 und musste sich mit 20 Jahren in der dritten Liga bei US Boulogne behaupten.

          „Man kann es als Vorteil bezeichnen, dass ich spät in den Profifußball gekommen bin“, sagte er, so habe er genügend Zeit bekommen, sich fern des großen Rummels „auf mentaler und fußballerischer Ebene“ zu entwickeln. Dass er sich dabei herausragende Fähigkeiten aneignete, kommt nun der Eintracht zugute. Das Herz des Frankfurter Publikums, das in jüngerer Vergangenheit mit Sébastien Haller, Ante Rebic, Luka Jovic und André Silva einige fürwahr außergewöhnliche Angreifer bejubelte, hat der Schlacks mit dem schelmischen Lächeln im Sturm erobert.

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