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Champions League : Wie Trainer Edin Terzic den BVB begeistert

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Diese Saison Champions League, nächste Saison nochmal in die Lehre: Edin Terzic Bild: EPA

Edin Terzic profiliert sich als Fachmann mit großem Potential. Mit dem BVB hat der Trainer in dieser Saison die realistische Chance auf einen Titel. Dennoch muss er nächste Saison zurück in die Lehre.

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          Für die Verantwortlichen aus der Finanzabteilung eines Fußballvereins ist Kontinuität ein fundamentaler Erfolgsfaktor. Beim BVB sollten sie unbedingt jedes Jahr Geld aus der Champions League einnehmen, andernfalls drohen Sparzwänge. Die Anhänger wünschen sich hingegen zuallererst Erlebnisse, denkwürdige Momente, Halbfinals, Finals oder gar Titel in großen Wettbewerben. Und mit der Aussicht auf solche Höhepunkte startet Borussia Dortmund nun auch ungeachtet der komplizierten Lage in der Bundesliga ins Frühjahr.

          Champions League

          Mit einem Erfolg gegen Holstein Kiel stünden Trainer Edin Terzic und sein Team im DFB-Pokalfinale, und an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) haben sie nach ihrem 3:2-Hinspielsieg beim FC Sevilla beste Chancen, gegen die Spanier ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen. In den vergangenen Jahren mit Lucien Favre wurde der BVB zuverlässig Bundesligazweiter, scheiterte aber in allen Pokalwettbewerben jeweils im Achtelfinale. Das ist nun anders.

          Terzic droht an der Champions- League-Qualifikation zu scheitern, aber zumindest im Pokal darf er sich über realistische Titelchancen freuen und hat sich nicht nur deshalb zu einem ziemlich interessanten Trainer entwickelt. Anfangs habe der 38 Jahre alte Sauerländer, der Mitte Dezember den entlassenen Favre ersetzte, sich noch „reinfinden“ müssen, sagt Kapitän Marco Reus. „Aber in den letzten Wochen sieht man einfach seine Handschrift bei der Mannschaft, bei uns auf dem Platz.“

          „Edin macht das hervorragend“

          Dass Terzic kommende Saison in den Assistentenkreis des künftigen Dortmunder Chefcoaches Marco Rose versetzt werden soll, mag auf den ersten Blick wie ein Akt des Misstrauens wirken. Aber es gibt Gerüchte, dass dem Fußball-Lehrer in Aussicht gestellt worden sei, nach den Rose-Jahren fest in den Cheftrainerposten aufzusteigen. Womöglich sehen die Dortmunder Verantwortlichen die laufende Episode als Interimschef und zwei, drei Lehrjahre bei Rose als letzten Feinschliff auf dem Weg zur endgültigen Beförderung. Er könnte ein Trainer werden, der dem schwarz-gelben Idealbild sehr nahe kommt.

          Terzic ist seit seiner Kindheit BVB-Fan und in der Jürgen-Klopp-Ära im Klub sozialisiert worden. Klopp und er trafen einst auf einer Sportler-Gala zusammen, und die Trainer-Ikone bot ihm sofort eine Stelle an. Als Jugendtrainer und Mitarbeiter des legendären Transferspezialisten Sven Mislintat, der inzwischen Sportchef beim VfB Stuttgart ist. An der Universität Bochum studierte Terzic Sportwissenschaften, sammelte zwischen 2013 und 2017 Erfahrungen als Assistent der kroatischen Trainerlegende Slaven Bilic bei Besiktas Istanbul in der Türkei und bei West Ham United in der Premier League. Es folgten die Jahre als Assistent des detailverliebten Tüftlers Favre beim BVB, vom Sommer an wird er in dieser Rolle Roses Arbeit studieren können. Interessantere Mentoren sind kaum vorstellbar.

          Wie gut Terzic den Herausforderungen der Cheftrainerposition gewachsen ist, zeigt er aber schon jetzt, denn die jüngste Entwicklung der Mannschaft ist beachtlich. „Ich finde, Edin macht das hervorragend“, sagt Mats Hummels. „Er macht das mit einem Feuer, aber auch mit inhaltlichem Wissen. Ich traue ihm noch sehr viel zu in seiner Trainerkarriere.“ Ohne ein Trainingslager ist es Terzic gelungen, im laufenden Betrieb den Stil des BVB zu ändern. Die Mannschaft spielt energischer, aktiver und aggressiver.

          Überdies deutet einiges darauf hin, dass er die Neigung des Kaders zur Lethargie erfolgreich bekämpft haben könnte. Es gehe für alle Beteiligten darum, „die volle Energie in jede Aufgabe“ zu stecken, erläutert Terzic. Also ins Aufwärmen, in die Pflege des sozialen Gefüges, in jede Trainingsübung oder den Umgang mit Schlaf und Ernährung. Damit das maximale Engagement in den Spielen nicht erst „eingeschaltet“, sondern nur noch „abgerufen“ werden muss. Das mag nach Laienpsychologie klingen, scheint aber zu funktionieren.

          Sportdirektor Zorc beschreibt Terzic als „positiven Typen“, der den Dortmunder Fußballalltag mit „mehr Leben“ fülle. Selbstverständlich ist dieser Aufschwung nicht. Der Kader ist nicht so einfach zu handhaben. Einen eigenwilligen Typen wie Jadon Sancho, der nun für mehrere Wochen ausfällt, muss ein Trainer erst mal so ans Laufen bringen. Unter Favre spielte der Engländer zuletzt matt und lustlos, unter Terzic gehörte er zu den Attraktionen der Liga. Die Entwicklungen von Emre Can, Mahmoud Dahoud, Mateu Morey und Reus bestärken den Eindruck, dass Terzic einen sehr konstruktiven Umgang mit dem Team entwickelt hat.

          Statt die kriselnden Profis mit autoritären Ansprachen aufzustacheln, hat er mit einem kollegialen Stil Erfolg. Unklar ist aber noch, ob die zum Wankelmut neigende Mannschaft dauerhaft zuhört. Vor dem Spiel gegen Sevilla sagt Terzic, der BVB müsse „bereit sein, besser zu spielen als in Sevilla“, wo die Mannschaft sehr überzeugend aufgetreten war. Zwar wird Erling Haaland trotz seiner Blessur aus dem Spiel in München mitwirken können, und bei Raphael Guerreiro sowie Giovanni Reyna besteht ebenfalls Hoffnung, aber gerade in dieser Zeit der leeren Stadien kann ein 3:2 auswärts eine trügerische Sicherheit vermitteln.

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