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Bayerns 7:0 gegen Donezk : „Drecks-Dreifachbestrafung“

Das Foul des Anstoßes: Kucher trifft Götze und wird dreifach bestraft Bild: AP

Die schnellste Rote Karte der Champions League erleichtert Bayerns 7:0-Sieg Donezk. Danach wird emotional diskutiert über die Dreifachbestrafung. Sorgen machen den Münchnern die beiden verletzt ausgewechselten Robben und Ribéry.

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          Ein Fußballspiel dauert schon lange nicht mehr wie zu Sepp Herbergers Zeiten 90 Minuten. Gerade in internationalen Partien wird gerne eine üppige Nachspielzeit hinzugefügt. Auch beim Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am Mittwoch zwischen dem FC Bayern und Schachtjor Donezk war nicht nach exakt zwei dreiviertelstündigen Halbzeiten Schluss. Und doch war der Fußballabend für viele in der Münchner Arena schon 142 Sekunden nach Anpfiff vorbei. Oleksandr Kucher hatte Mario Götze im Strafraum zu Fall gebracht, und der schottische Schiedsrichter William Callum verwies den Schachtjor-Spieler mit der Roten Karte für eine Notbremse des Feldes.

          Als Mario Götze am Boden lag und der Schiedsrichter seinem Gegenspieler Rot gabm war die Partie entschieden Bilderstrecke
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Thomas Müller verwandelte den anschließenden Elfmeter zum 1:0 für die Bayern, die fortan mit nur zehn Donezk-Gegnern leichtes Spiel hatten. Am Ende stand es 7:0, weil auch Jerome Boateng (34. Minute), Franck Ribéry (49.), wieder Müller (52.), Holger Badstuber (63.), Robert Lewandowski (75.) und Mario Götze (87.) trafen (Alle Tore im Video gibt es in der ZDF-Mediathek).

          Natürlich waren die Münchner glücklich, dass der Viertelfinaleinzug nach dem 0:0 im Hinspiel so reibungslos glückte, dennoch löste der Platzverweis von Kucher – es war der früheste in der Historie der Champions League – auch bei ihnen Unmut aus.

          Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer fluchte schon in der Halbzeitpause als Sky-Experte über die „Drecks-Dreifachbestrafung“. Auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge begann bei seiner Spielanalyse ganz am Anfang: „Das ist eben diese Dreifachbestrafung, die alle Welt verteufelt und kritisiert. Es wäre eben schön, wenn das irgendwann mal abgeschafft wird“, sagte er. „Es ist eigentlich ein bisschen zu viel. Ich glaube, wenn man Elfmeter gibt, braucht man nicht noch eine Rote Karte geben. Aber es blieb dem Schiedsrichter nichts anderes übrig, weil er den Regeln entsprechend pfeifen muss.“

          Für diese Regeln ist das International Football Association Board (Ifab) zuständig, das erst vorletztes Wochenende zusammenkam und über die von Spielern, Trainern und Fans seit langem kritisierte Regelung bei Notbremsen beriet. Das Ergebnis klang zunächst vielversprechend. Das Ifab kam zu der Ansicht, dass es „zu hart“ sei, wenn der Sünder für sein Vergehen einen Elfmeter, eine Rote Karte und eine Sperre hinnehmen muss. Daher soll die automatische Sperre nun überprüft werden. Dass eine entsprechende Änderung aber nicht in allen Fällen Zufriedenheit auslösen würde, zeigte das Beispiel aus dem Bayern-Spiel.

          Denn der Dreifachstrafen-Baustein „Sperre“ war nicht derjenige, der für Ärger sorgte. Schachtjor schied am Mittwoch aus der Champions League aus. Dass Kucher nun im nächsten Spiel in diesem Wettbewerb, sei es zu Beginn der nächsten Saison oder später, aussetzen muss, interessierte kaum. Dass es nach seinem Foul im Strafraum Elfmeter gab, wird auch in hundert Jahren noch die Regel sein. Das Problem war der Dreifachstrafen-Baustein „Platzverweis“ für ein harmloses Foul. Mit einem Mann weniger über fast 90 Minuten war Donezk praktisch chancenlos und 70.000 Fans in der Arena und Millionen vor dem TV sahen ein spannungsarmes Trainingsspiel in Originaltrikots. „Die Lage vor dem Spiel war sicherlich spannender, als das Spiel selbst“, sagte Doppel-Torschütze Müller.

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