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Champions League : Warum Sancho für Dortmund so wichtig ist

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Dortmunds Edeljoker: Jadon Sancho beim Spiel gegen Nürnberg in der Bundesliga Bild: dpa

Jadon Sancho kam im vergangenen Jahr aus Manchester nach Dortmund und ist gerade 18 Jahre alt. In dieser Saison hat der junge Engländer eine beeindruckende Bilanz. Dafür gibt es ein ziemlich großes Lob.

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          Am Donnerstag, gegen 10 Uhr, wird Sergej W. wieder in Handschellen in den Saal 130 des Dortmunder Landgerichts geführt werden. Der Angeklagte gab zu, Bomben gezündet zu haben, er bestreitet aber, jemanden habe töten zu wollen bei jenem Anschlag auf 28 Menschen, die am 11. April 2017 im Mannschaftsbus von Borussia Dortmund saßen. Sie waren gerade losgefahren zum Stadion, um im Viertelfinale der Fußball-Champions-League gegen AS Monaco anzutreten. Jene Mannschaft aus der französischen Ligue1 kommt an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) wieder nach Dortmund, um im lukrativsten der europäischen Fußballwettbewerbe gegen den BVB anzutreten. Das weckt Erinnerungen an jenen schauerlichen Abend, von dem die beteiligten Spieler als Zeugen vor Gericht teilweise unter Tränen berichteten. Die meisten schauten dabei an Sergej W. vorbei, der viel Geld auf den Absturz der BVB-Aktie gesetzt hatte, um damit noch viel mehr Geld zu verdienen.

          Champions League

          Marc Bartra, der bei dem Anschlag verletzt wurde, verließ Borussia Dortmund inzwischen, vor allem wegen des traumatisierenden Erlebnisses. Zehn weitere Spieler aus dem Kader, der damals am Tag nach dem Attentat das Nachholspiel 2:3 verlor, sind mittlerweile bei anderen Vereinen unter Vertrag oder haben ihre Karrieren beendet. So schwindet der mögliche Einfluss auf die sportlichen Leistungen, über den in der vergangenen Saison viel diskutiert worden war. Da brach der Spitzenreiter im Herbst ein, nachdem er furios in die Saison gestartet war.

          Sportlich gibt es Parallelen zur aktuellen Spielzeit. Der BVB ist nach sechs Spieltagen wieder Spitzenreiter, hat in der Bundesliga noch nicht verloren. Aufsehenerregend waren aber nur die vergangenen beiden Spiele, das 7:0 gegen den 1. FC Nürnberg und das 4:2 bei Bayer Leverkusen am Samstag. Die Dortmunder holten dabei ein 0:2 auf, vor allem weil Trainer Lucien Favre mit den Einwechslungen richtig lag. Jadon Sancho kam, wie schon in den fünf Spielen zuvor, im Lauf der zweiten Halbzeit auf das Feld. Und legte vehement los, etwa als Torvorbereiter. Neun Vorlagen in 18 Bundesligaspielen stehen nun für Sancho zu Buche, fünf davon gelangen in dieser Saison bei nur 130 Einsatzminuten, ein Treffer gegen den „Club“ hübscht die Bilanz noch auf. Sancho gilt jetzt „Super-Joker“. „Er ist brutal wertvoll, wenn er von der Bank kommt“, sagte Sebastian Kehl, Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, über Sancho, der gerade mal 18 Jahre alt ist.

          Die Zeiten, in denen Deutsche sich vor allem über Torhüter und verlorene Elfmeterschießen lustig machten, wenn sie über den englischen Verbandsfußball sprachen, sind längst vorbei. Schon vor der Weltmeisterschaft in Russland etwa sagte Bundestrainer Joachim Löw, dass die Engländer im Nachwuchsbereich erheblich aufgeholt hätten, wenn nicht sogar am DFB vorbeigezogen wären. Das Abschneiden der jugendlichen Teams bei den Turnieren der vergangenen fünf Jahre spricht für letzteres.

          Bei der U-17-EM 2017 verlor England das Finale gegen Spanien nach – nun ja – einem Elfmeterschießen. Als bester Spieler des Turniers wurde Sancho ausgezeichnet. Der deutsche Trainer Christian Wück sagte damals über ihn und Phil Foden: „Ich habe niemals bessere Spieler in diesem Alter gesehen.“ Foden spielt heute noch bei Manchester City, Sancho verließ den englischen Meister am letzten Tag der Sommertransferperiode 2017. Es war eines der letzten Geschäfte, das Borussias ehemaliger und fast schon legendärer Chefscout Sven Mislintat einleitete und mit abwickelte.

          Transfers von englischen Jungstars nach Deutschland gelten als äußerst schwierig. Die Aussicht, bei einem Klub aus der Premier League Karriere zu machen und noch mehr als auf dem europäischen Festland zu verdienen, ist verlockend. Sancho entschied sich jedoch mit 17 Jahren für den Wechsel nach Dortmund, obwohl ihm Manchester City mit Trainer Pep Guardiola einen Vertrag mit 30.000 Pfund Wochenverdienst angeboten haben soll. Die Chance, regelmäßig in der Profimannschaft zum Einsatz zu kommen, soll Sancho und seinem Vater, der ihn berät, zu klein gewesen sein.

          Beim BVB, der knapp acht Millionen Euro für den pfeilschnellen Flügelstürmer an City bezahlte, ist Sancho regelmäßig dabei. Beim FC Brügge, am ersten Spieltag der Champions League, stand er sogar in der Startelf, fiel aber lediglich durch erfolglose Dribblings und falsche Entscheidungen auf. Nach dem Spiel in Leverkusen äußerte der Engländer den verständlichen Wunsch: „Ich möchte nicht immer Joker sein.“ Vorerst deutet aber viel darauf hin, dass es zumindest in der Liga bei dieser Rolle bleibt. Kehl sagte: „Es wäre doch großartig, wenn wir dieses Erfolgsmodell fortführen könnten.“ Fortgeführt werden soll die Zusammenarbeit noch länger. Einen Tag vor dem Spiel gegen Monaco verlängerte der Klub den Vertrag von Sancho vorzeitig bis Sommer 2022. „Jadon Sancho ist ganz sicher einer der spannendsten Spieler in Europa“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

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