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Atlético-Trainer Simeone : Diego, der „wahre Held“

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Er hat es wieder geschafft: Zum zweiten Mal in drei Jahren führt Diego Simeone Atlético Madrid ins Finale der Champions League. Bild: AFP

Zum zweiten Mal in drei Jahren führt Diego Simeone Atlético Madrid ins Finale der Champions League. Die spanische Presse feiert ihn nach dem 1:2 bei Bayern München dafür – und verzeiht ihm auch so manche Unbeherrschtheit.

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          Olé, Olé, Cholooooo, Cholooooo“, sangen Dutzende noch weit nach Mitternacht freudentrunken am Neptunbrunnen im Zentrum von Madrid, wo sich die Atlético-Fans eigentlich sonst nur nach Titelgewinnen versammeln. Der Einzug ins Champions-League-Finale gegen Bayern München war aber, wie die Agentur EFE feststellte, „mehr als nur ein Triumph“. Es sei die „endgültige Krönung des Stils“ von Trainer Diego „Cholo“ Simeone.

          Torhüter Jan Oblak hatte, wie die Zeitung „El País“ schrieb, „dem Bombardement“ der Bayern standgehalten, der Franzose Antoine Griezmann das entscheidende Tor geschossen. Aber Spanien lag am Mittwoch vor allem dem 46 Jahre alten Coach aus Argentinien zu Füßen. Nicht einmal Ministerpräsident Mariano Rajoy, ein eingefleischter Fan des Erzrivalen Real Madrid, konnte sich dem Zauber entziehen: „Ich habe gestern mit Atlético gelitten, und am Ende war ich glücklich“, sagte er im Interview des Radiosenders „Cadena SER“.

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          „Der Cholismo hat den Guardiolismo bezwungen“, schrieb die Zeitung „Sport“ in Anspielung auf den kampfbetonten Spielstil des Simeone-Teams, der im krassen Gegensatz zum Credo von Bayern-Trainer Pep Guardiola, einem Offensiv- und Ballbesitz-Verfechter, steht. „Der Tiki-Taka ist tot“, schrie auch ein Fan am Neptunbrunnen. Der frühere portugiesische Star und ehemalige Atlético-Profi Paulo Futre meinte, Simeone sei „der beste Trainer der Welt“. „Wunderbar, unvergesslich, ewig. Aber für das, was du Diego vollbringst, müsste man neue Wörter erfinden.“ Die Sportzeitung „AS“ ging ein Stückchen weiter und forderte, das neue Atlético-Stadion, das 2017 im Osten Madrids eröffnet werden soll, müsse nach Simeone benannt werden.

          Es gibt auch Kritik, darunter vom früheren Barcelona-Spielmacher Xavi, aber die Fans von Simeone werden auch im Ausland immer mehr. In Italien hatten kurz vor dem München-Duell unter anderem Gennaro Gattuso und der frühere  Bayern-Coach Giovanni Trapattoni („Simeone gefällt mir, bei Tiki-Taka schlafe ich ein“) den Exzentriker aus Buenos Aires in höchsten Tönen gelobt. „La Gazzetta dello Sport“ verglich den „Comandante Simeone“ mit dem legendären Rebellen „Che Guevara“. Eine Debatte über unschönes Spiel und unverdiente Sieger wollte Griezmann gar nicht erst aufkommen lassen. „Die beste Mannschaft ist diejenige, die weiterkommt“, sagte der Franzose dem spanischen TV noch auf dem Rasen der Münchner Arena. Und Stürmer Fernando Torres beteuerte: „Ein Triumph ist mit Leiden besonders schön.“

          Die Medien überschlugen sich mit Lob. „Danke Atlético! Ihr seid unglaublich!“, titelte „Marca“. „La Vanguardia“ sprach vom „König des Leidens“. Man erinnerte auch an die Finalschlappe von 1974 gegen die Bayern im wichtigsten Europacup-Wettbewerb. „Die Rächer. Atleti radiert den K.o. von 1974 aus“, war in „Mundo Deportivo zu lesen“, und „AS“ schrieb: „Ein Trauma wurde zu Grabe getragen.“?

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          Der Vielgelobte war in München außer sich vor Freude. Der Finaleinzug sei „wie im Film“ gewesen, stammelte Simeone. Auf dem Rasen hatte er zuvor schnell einen seiner Söhne angerufen und ihm stolz per Handy die jubelnden Gästefans gezeigt. Fast die gesamte Partie über war Simeone durch seine Coaching-Zone und darüber hinaus getigert und legte sich zwischenzeitlich mit der Münchner Trainerbank, dem vierten Offiziellen und sogar seinem eigenen Mitarbeiter an der Seitenline an. Die Spanier kennen das – und lieben ihn dafür. Schon in der Vergangenheit haben sie ihm so manche Unbeherrschtheiten verziehen. „Wir haben gekämpft, wir mussten leiden. Wir haben es ins Finale geschafft und dabei zwei der drei besten Mannschaften in Europa ausgeschaltet. Ich bin sehr stolz.“

          Die Fragen nach dem Spielstil seiner Teams ist er gewohnt. „Wir versuchen so gut es geht, mit den Spielern klarzukommen, die wir haben“, sagte er in München, wo seine Schützlinge bei 7:35 Torschüssen und 2:12 Ecken nur - wie so oft - knapp 30 Prozent Ballbesitz hatten. Die Erfolge seiner ausgefuchsten Truppe seien „aber kein Zufall“, betonte er. Jetzt soll der ganz große Coup Realität werden. „Nun wollen wir den Titel“, rief Stürmer Torres in die Mikrofone.

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