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Fußball-Superliga : Die Macht der Giganten

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Hat das Bayern-Maskottchen eine Vorahnung? Wenn die Großklubs irgendwann nur noch unter sich spielen, ist es vielleicht Zeit für Traurigkeit Bild: AFP

Die finanzstarken europäischen Großklubs wollen noch mehr Geld: Also gibt es Pläne für eine modifizierte Superliga, die mehr abwirft als die Champions League. Eine Kaiserklasse würde den Reiz des Fußballs aber noch mehr bedrohen.

          Die Superliga liegt noch in weiter Ferne. Aber es wird über sie nachgedacht. Wie das Konstrukt über der Champions League genau aussehen soll, darüber gibt es derzeit nur vage Theorien. Weder die Anzahl der Mannschaften noch der Qualifikationsmodus, schon gar nicht der Spielmodus stehen fest. Nur die Grundidee ist sonnenklar: noch mehr Geld für die Branchengrößen.

          Der FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United, Manchester City, der FC Arsenal, der FC Chelsea, Juventus Turin, Paris St-Germain und Bayern München sind die großen Zugnummern des europäischen Fußballs, und da kann die Marktanalyse nicht überraschen, dass ein starkes Kundeninteresse an Begegnungen dieser Fußball-Giganten besteht. Das ist auch den Branchenriesen bewusst und setzt die Verbände unter Druck, ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen und ihren Hunger nach immer mehr Geld zu befriedigen. Vor der Superliga wurden schon Szenarien einer möglichen Weltliga ausgelotet.

          Die Kaiserklasse über der Königsklasse käme den ganz Großen gerade recht, denn die Garantiesummen für die Teilnahme am Wettbewerb manifestierte ihren finanziellen Vorsprung vor den anderen und verringerte die Gefahr, von den goldenen Näpfen verdrängt zu werden. Längst gibt es keine zwei Meinungen mehr über die einst polarisierende These: „Geld schießt keine Tore!“ Doch, tut es. Es muss nur genug Geld fließen.

          Also wird die Superliga kommen, obwohl es gute Gegenargumente gibt. Denn es sind die Falschen, die sie vorbringen – die kleinen Fische im Fußballteich. Die interessiert niemanden, weil sie für den Geschäftserfolg nicht notwendig sind. Gedanken wie Solidarität, Entwicklungshilfe oder Markenvielfalt sind dritt- und viertrangig. Im Fußball ist es wie in allen anderen Branchen im globalen Wettstreit: Die Großen werden immer größer, am Ende bleiben ein paar Marktführer, neben ihn haben nur noch ein paar Firmen mit regionaler Bedeutung Platz, und Anbieter die Nischen bedienen.

          Diese Entwicklung ist durch die Champions League weit fortgeschritten. In den letzten zehn Jahren haben es nur Atlético Madrid und Borussia Dortmund ins Finale geschafft (und verloren). Ansonsten trafen dort nur Klubs aus der absoluten Spitze der Finanzrangliste aufeinander. Der letzte Königsklassen-Sieger, der nicht aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen stammte, hieß FC Porto. Das war 2004. Im letzten Viertelfinale schickten die Bayern die Portugiesen mit einem 6:1-Heimsieg nach Hause.

          Ein Spiel, das in der Superliga akzeptiert wird: Eine Torszene aus dem Achtelfinalduell Chelsea gegen Paris

          In den achtziger Jahren fand sich in den Siegerlisten des damaligen Europapokals der Landesmeister noch ein buntes Sammelsurium an Namen: Aston Villa, Steaua Bukarest, Hamburger SV, PSV Eindhoven, Roter Stern Belgrad. Mit Einführung der Champions League reduzierte sich die Vielfalt, nach 25 Jahren beschränkt sich der Kreis der potentiellen Sieger auf sechs oder acht.

          Das kann man gut finden oder nicht. Die Zeit ist nicht mehr zurückzudrehen, die Marktgesetze sind nicht außer Kraft zu setzen. Wer es nicht an den Tisch der Kaiser schafft, muss mit kleineren Portionen auskommen. Das ist auch sehr gut möglich – wie heute schon viele Klubs beweisen. In der Bundesliga sind es Mönchengladbach, Köln, Mainz, Augsburg, Ingolstadt, Darmstadt und einige mehr, die ohne die Aussicht auf die Superliga für eine Fußball-Hochstimmung an ihrem Standort sorgen. Die Kunst des Machbaren hat manchmal sogar größere Reize als die Macht des Gigantismus.

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