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Champions-League-Kommentar : Das Ende einer Bayern-Epoche

  • -Aktualisiert am

Nach dem Spiel gibt es noch eine Umarmung: Es war der letzte internationale Auftritt von Philipp Lahm und Xabi Alonso. Bild: AFP

Trotz all der berechtigten Kritik am Schiedsrichter im Viertelfinale der Champions League zeigt das Spiel der Bayern auch, dass seine beste Zeiten der Vergangenheit angehören. Es wird Zeit für frischen Wind.

          Zuallererst: Es hätte auch reichen können. Es war nur zu verständlich, dass die Bayern nach ihrem Scheitern bei Real Madrid die unglücklichen Umstände anführten: Schiedsrichter Kassai lag mit dem Platzverweis für Vidal daneben, genauso wie er das 2:2 und das 3:2 von Ronaldo wegen dessen Abseitsstellung nicht hätte anerkennen dürfen.

          Auch half es nicht weiter, dass in dieser entscheidenden Saisonphase einige Spieler mit Verletzungen kämpfen und nicht richtig fit sind. Aber das alles kann die Tatsache nicht verschleiern: Die Bayern sind zu Recht gegen ein besseres Team ausgeschieden. Es muss ihnen zu denken geben, dass sie alle Kräfte mobilisierten, dass sie eine ungeheure Willenskraft aufboten, dass sie sich zumindest nach dem 1:0 durch Lewandowski wie die „bestia negra“, die schwarze Bestie, gebärdeten, wie sie von den Real-Fans einst getauft wurden – und dass das alles nicht genügte.

          Hätten die Madrilenen die Tore geschossen, die sie hätten schießen müssen, bevor Lewandowskis Elfmeter noch einmal die Bestie in den Bayern hervorbrachte, das Urteil wäre für alle offensichtlich: Diese Mannschaft hat ihre beste Zeit hinter sich, die Bayern brauchen eine neue.

          Junge Talente kommen noch nicht an die alten Hasen ran

          Nicht, wenn ihr Anspruch mit dem Gewinn nationaler Titel endet oder wenn sie sich der Hoffnung hingeben, sich auch irgendwie ins Königsklassen-Finale hineinduseln oder hineinwursteln zu können und es am Ende vielleicht auch noch zu gewinnen. So wie es der FC Chelsea 2012 vollbrachte, als er zuerst im Halbfinale den besseren FC Barcelona entnervte und dann im „Finale dahoam“ die besseren Bayern bezwang.

          Um ein aussichtsreicher und kraftvoller Herausforderer für den Champions-League-Titel zu bleiben, bedarf es dringend einer Blutauffrischung. Die Startelf von Madrid am Dienstag hatte ein Durchschnittsalter von fast 30 Jahren, Linksverteidiger Alaba war mit bald 25 das Nesthäkchen.

          Dass die Talente in den eigenen Reihen und die bereits neu verpflichteten Spieler die Bayern zu neuer Blüte führen können, erscheint zumindest zweifelhaft. Coman, Costa, Kimmich und Sanches sitzen ja nicht deshalb auf der Bank, weil Trainer Ancelotti ältere Herren bevorzugt, sondern weil sie immer noch besser sind. Und wenn die Hoffenheimer Süle und Rudy die Münchner qualitativ nach oben reißen würden, wäre das auch eine Überraschung.

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          Die Bayern müssen in diesem Sommer ganz tief in die Tasche greifen, allein schon um die Veteranen Lahm und Alonso zu ersetzen, die in Madrid ihr letztes Champions-League-Spiel bestritten. Aber auch, um die Abhängigkeit von Torjäger Lewandowski zu beenden, nachdem Thomas Müller erstmals in seiner Karriere von einer Ladehemmung geplagt wurde. Nur im Tor, in der Innenverteidigung und auf der Position des Linksverteidigers sind die Bayern auf Jahre top besetzt.

          Die Bayern kommen nicht darum herum, Profis zu holen, die schon Weltklasse sind, und Begabte, die versprechen Weltklasse zu werden. Und Trainer Ancelotti muss ein Klima schaffen, das Talenten den Durchbruch erleichtert. Ein bisschen mehr zukunfts- und entwicklungsorientiert denken, als im Zweifel den alten Schlachtrössern zu vertrauen. In Madrid ist eine Epoche zu Ende gegangen. Dem müssen sich die Bayern stellen.

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