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Hamann-Kritik an Torwart : „Mein Mitleid mit Karius hält sich in Grenzen“

  • Aktualisiert am

Loris Karius patzte im Finale der Champions League. Bild: Reuters

Nach seinen schweren Fehlern bekam Loris Karius einigen Trost. Aber nicht von allen. Nun kritisiert der frühere Liverpooler Spieler Dietmar Hamann den Torwart für sein Verhalten nach dem Finale.

          Der frühere Fußball-Nationalspieler Dietmar Hamann hat den deutschen Torhüter Loris Karius vom FC Liverpool für dessen Verhalten nach dem verlorenen Champions-League-Finale kritisiert. „Mein Mitleid mit dem deutschen Torhüter Loris Karius hält sich in Grenzen“, schrieb Hamann in seiner Kolumne in „Sport Bild“ und ergänzte: „Sein öffentlich zur Schau getragenes Leiden nach Schlusspfiff war genauso unnötig wie das tränenreiche Bitten um Absolution vor der Fankurve der Reds.“

          Liverpools Fans würden den Profis grundsätzlich alles verzeihen, meinte Hamann, schränkte aber ein: „Mit einer Ausnahme: Dein Ego passt nicht zur gezeigten Leistung.“ Der 44-Jährige warf Karius zudem „Star-Gehabe“ sowie fehlende Gewinner-Mentalität vor und urteilte: „Ein Karius hat noch nichts in seiner Karriere erreicht. Statt ständig den dicken Max zu machen, würde dem jungen Schlussmann mehr Bescheidenheit und Demut besser zu Gesicht stehen.“

          Der ehemalige England-Legionär Hamann kann sich nicht vorstellen, „dass wir Karius auch in der kommenden Saison als Nummer eins im Kasten sehen“. Der 24 Jahre alte Karius leistete sich im Finale der Königsklasse mit Liverpool gegen Real Madrid zwei grobe Patzer und hatte so entscheidenden Anteil an der 1:3-Niederlage am Samstag in Kiew.

          Bundestorwarttrainer Andreas Köpke reagierte am Vortag dagegen mit reichlich Unverständnis auf die herbe Kritik einiger ehemaliger Kollegen an Karius. Er finde es „grenzwertig und total unverständlich“, wie Experten, „mit denen ich selbst noch zusammengespielt habe“, die Leistung bewertet hätten, sagte Köpke im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Eppan in Südtirol. Da sei von der „schlechtesten Torwartleistung seit 20 oder 30 Jahren“ die Rede gewesen: „Darüber kann ich nur den Kopf schütteln“, führte Köpke weiter aus und spielte auf die Kritik von Lothar Matthäus an. Er hoffe, „dass Loris so gefestigt ist, um aus diesem Tief herauszukommen“, so Köpke.

          Das Trainerteam des DFB um Köpke, Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff habe Karius nach der Niederlage im Champions-League-Finale gegen Real eine SMS geschickt. „Wir haben versucht, ihn wieder aufzubauen und ihm geschrieben, dass er den Kopf hoch nehmen soll“, berichtete Köpke am Dienstag. „Das ist brutal für ihn, so etwas erleben zu müssen. Ich hoffe, dass er von Liverpool und Jürgen Klopp Unterstützung bekommt, um da wieder rauszukommen“, sagte Köpke.

          Beim DFB spielt Karius keine Rolle. Man habe ihn, so der Bundestorwarttrainer, beobachtet, „aber er ist nicht in der engeren Wahl“. Seine Hinrunde in Liverpool sei nicht so gut gewesen, in der Rückrunde habe sich Karius dann „super gesteigert. Und jetzt das Finale. Die Voraussetzungen waren gut, aber man muss abwarten, wie er das wegsteckt.“

          Karius musste nach seinen Patzern eigentlich schon genug Spott ertragen. Sogar Morddrohungen erhielt der Deutsche. Nun bekam er auch noch ein zweifelhaftes Angebot aus Italien. Der Drittligaverein FC Rimini, gerade erst in die italienische Serie C aufgestiegen, bot Karius einen Einjahresvertrag an. Rimini-Präsident Giorgio Grassi erklärte auf der Vereinswebsite, er wolle dem Keeper zu seinem bevorstehenden 25. Geburtstag im Juni ein „Geschenk“ machen. Er lud Karius nach Rimini ein, um sich „seiner Stärken zu besinnen“ und „Unbeschwertheit, Selbstvertrauen und Kraft wiederzuentdecken“. Allerdings müsse er sich dabei mit dem 35 Jahre alten Stammtorhüter und Mannschaftskapitän Francesco Scotti messen.

          Schon vor seinen Fehlern war der frühere Mainzer in Anfield umstritten. Die Spekulationen, dass der Klub von Trainer Klopp nach einer neuen Nummer eins Ausschau hält, nahmen seitdem noch zu. Gehandelt werden unter anderem Brasiliens Nationaltorhüter Alisson Becker (AS Rom), der Slowene Jan Oblak (Atlético Madrid) oder Italiens Torwart-Talent Gianluigi Donnarumma (AC Mailand).

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