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3:0 gegen Lyon : Der FC Bayern zieht ins Finale der Champions League ein

Jubel über den Finaleinzug: Der FC Bayern steht im Endspiel Bild: Reuters

Der FC Bayern muss gegen Olympique Lyon einige Schreckensmomente überstehen. Aber mit zwei Treffern öffnet Nationalspieler Serge Gnabry die Tür zum Finale. Am Sonntag geht es gegen Paris um den Henkelpott.

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          Erst 34 Spiele hat Hansi Flick bisher als Cheftrainer eines Profiklubs absolviert. Nun fehlt nur noch ein weiteres, um das Größte zu erreichen, das im Klubfußball möglich ist: den Gewinn der Champions League und damit das Triple der drei wichtigsten Titel einer Saison. Mit einem 3:0-Sieg im Halbfinale über Olympique Lyon durch zwei Tore von Serge Gnabry schon vor der Pause (18./33. Minute) sowie Robert Lewandowski in der Schlussphase (88.) hat der deutsche Meister und Pokalsieger am Mittwoch das Endspiel der Königsklasse erreicht, in dem am Sonntag, ebenfalls in Lissabon, mit Paris Saint-Germain ein weiterer französischer Gegner wartet. „Lyon hat sehr viel Druck auf uns gemacht. Sie hatten auch einige Chancen, wir hatten am Anfang ein bisschen Glück", sagte Gnabry bei DAZN: „Wir werden am Sonntag alles geben, um den Titel zu holen.“

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Wir wollen die beste Mannschaft in Europa sein, das ist ein riesiger Ansporn, es wäre der krönende Abschluss einer super Saison“, hatte Gnabry am Tag vor dem Halbfinale bei einer Video-Pressekonferenz erklärt. Das 8:2 im Viertelfinale gegen den FC Barcelona habe für „große Euphorie“ gesorgt, „das Spiel war ein Ausrufezeichen“, doch gegen die defensiv sehr guten Lyoner, forderte Gnabry, müsse man „von der ersten Minute an so da sein wie gegen Barcelona“.

          Dieser Vorsatz gelang nicht ganz. Mehr als eine Viertelstunde lang war Lyon die gefährlichere Mannschaft, während die Bayern noch ihr Konzept suchten. Nach vier Minuten führte ein Fehlpass von Thiago in die Füße von Maxence Caqueret beinahe zum frühen Rückstand des Favoriten. Caquerets Steilpass durchs Zentrum brachte Memphis Depay zwischen den beiden Bayern-Innenverteidigern hindurch in eine Eins-zu-eins-Situation mit Manuel Neuer. Der Niederländer konnte den Bayern-Torwart zwar umkurven, bekam den Ball dann aber, nach rechts abgedrängt, nur an das Außennetz des verlassenen Tores.

          Leon Goretzka hatte nach elf Minuten die erste Bayern-Chance, mit seinem Volleyschuss streifte er den Ball nur, doch genau dadurch wurde es gefährlich für Torwart Anthony Lopes – er krabbelte dem krummen Schuss hinterher und lenkte ihn im Hechtsprung um den Pfosten. Fast im Gegenzug abermals die große Chance für Lyon, als Maxwel Cornet sich beim Konter gegen Goretzka durchsetzte, den Ball in aussichtsreicher Zwei-gegen-eins-Überzahl aber nicht zum einschussbereiten Toko Ekambi bekam, weil Jerome Boateng den Passweg grätschend verstellte. Nach 17 Minuten kam der Ball dann aber durch auf Ekambi, der schnelle Kameruner setzte sich auf dem rechten Flügel gegen Alphonso Davies durch, schlug einen Haken im Strafraum und traf zum Glück für die Bayern aus fünf Metern nur den rechten Pfosten.

          Weniger als eine Minute nach der knapp verpassten Führung des Außenseiters lag der Ball dann im anderen Tor. Gnabry zog vom rechten Flügel nach Art seines berühmten Vorgängers Arjen Robben nach innen, fand zwischen vier Verteidigern hindurch mit unwiderstehlicher Dynamik den Laufweg in eine Abschlussposition und traf aus vollem Lauf aus 16 Metern mit links in den linken Torwinkel – sein bereits achter Treffer in dieser Champions-League-Saison.

          Der neunte des nun wie entfesselt aufspielenden Rechtsaußen schien dann nur eine Frage der Zeit. Einen scharfen Aufsetzer Gnabrys aus halbrechter Position konnte Lopes noch mit Mühe abwehren (25.). Als Gnabry acht Minuten später dann doch sein zweites Tor erzielte, hatte er es wie beim ersten nahezu komplett auch selbst vorbereitet – er gewann den Ball in der gegnerischen Hälfte, beschleunigte auf Höchsttempo, schickte Ivan Perisic links in den Strafraum und lenkte am Ende, als Lewandowski strauchelnd dessen Hereingabe nicht über die Linie bringen konnte, den Ball selbst ins Netz. „Ich bin froh, dass der so reinging“, sagte Flick über das erste Tor. „Das hat uns auch ein bisschen mehr Sicherheit gegeben.“

          Um ein Haar wurde sogar ein Hattrick daraus. Eine von Gnabry nach innen gedrehte Hereingabe verfehlte den Fuß Lewandowskis um Zentimeter und flog hauchdünn hinter dem Pfosten ins Toraus. Die gegen Juventus Turin und Manchester City noch so stabile Abwehr von Lyon verlor zunehmend ihren Zusammenhalt. Und so war es zwei Minuten vor der Pause kein Franzose mehr, der das dritte Bayern-Tor noch verhindern konnte, sondern der sonst torgefährlichste Bayer. Bei einem Konter durchs Zentrum zog Leon Goretzka aus vollem Lauf wuchtig ab, wähnte den Ball schon auf dem Weg ins linke Toreck, doch dann war der Oberschenkel des steil gestarteten Kollegen Lewandowski im Weg.

          Nach Wiederanpfiff gingen die Franzosen ein wenig von ihrer zuvor bei den Erfolgen gegen Juventus Turin und Manchester City erfolgreichen reinen Abwehr-plus-Konter-Taktik ab und suchten mehr Ballbesitz und Risiko, was den Bayern neue Räume öffnete. So lief Perisic nach einem feinen Zuspiel von Davies plötzlich allein auf den Torwart zu, brachte aber nur einen harmlosen Schuss zustande (51.). Danach begann der scheinbar sichere Vorsprung der Bayern plötzlich zu wackeln. Nach einem Fehler des für Boateng eingewechselten Niklas Süle musste Torwart Neuer gegen den völlig freien Ekambi eine Weltklasseparade zeigen, um den Anschlusstreffer zu verhindern. Mit viel Kampf, etwas Glück und Lewandowskis 15. Saisontor in der Königsklasse kamen die Bayern ins Ziel. So stand fünf Tage nach der 8:2-Gala ein 3:0-Arbeitssieg. Sein Wert war derselbe.

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