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Dortmunds 3:0 gegen Monaco : Der Schrecken weicht dem Hochgefühl

  • -Aktualisiert am

Zusammenhalt und großer Jubel: Die Dortmunder Spieler freuen sich über den Sieg. Bild: AFP

Die Erinnerungen an den Bombenanschlag existieren weiter, doch es ist ein neues Gefühl hinzugekommen in Dortmund: das der kollektiven Freude. Gegen Monaco präsentiert sich der BVB als ein eingeschworenes Team.

          Champions-League-Abende sind in Dortmund wieder Feierstunden für  Mannschaft und Fans. Die Borussia ließ sich am Mittwochabend eine Halbzeit lang Zeit gegen die AS Monaco, ehe sie in der zweiten Hälfte groß aufspielte und auch das zweite Spiel in der Gruppe A nach dem 1:0 in Brügge gewann. Diesmal 3: 0 durch die Treffer von Jacob Bruun Larsen (51. Minute), Paco Alcácer (72.) und Marco  Reus (90.+2). Zwei Minuten davor hatte der Spanier einen Elfmeter  verschossen. „Ich freue mich riesig, das war eine geile Szene“, sagte Larsen. „Wir haben Geduld bewahrt. Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel wird“, sagte BVB-Torwart Roman Bürki anschließend.

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          Mit nun sechs Punkten stehen die Westfalen nach zwei Spieltagen als Tabellenführer glänzend da vor den kommenden zwei Spielen gegen die ebenfalls zweimal siegreiche spanische Spitzenmannschaft Atlético Madrid. Wie abgeklärt und jugendlich bewegt zugleich der BVB diesen Erfolg gegen die Monegassen herausspielte, imponierte bei diesem nach der Pause ungleichen Duell. „Die zweite Halbzeit war viel besser als die erste. Es war wichtig, dass wir Geduld bewahrt haben“, sagte Trainer Lucien Favre nach dem Schlusspfiff.

          Dieser Mittwoch sollte auf keinen Fall zum Schattenspiel werden in  Erinnerung an den Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus am 11. April 2017 – wenige Stunden vor dem Champions-League-Viertelfinalheimspiel gegen AS Monaco. Dieses Duell unter traurigen Vorzeichen fand einen Tag später statt und wirkte für alle Beteiligten ziemlich surreal. Der BVB verlor Hin- und Rückspiel, und auch das wurde als irgendwie nebensächlich empfunden. Zum  Wiedersehen mit den Kollegen aus dem Fürstentum gab Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, die Richtung vor. „Wir wollen die  Begegnung als ganz normales Champions-League-Spiel annehmen und die Sache ruhen lassen.“

          Sportlich schienen die Aussichten für die Borussen diesmal von vornherein besser zu sein,: Der BVB führt die Bundesliga-Tabelle nach zuletzt zwei spektakulären Siegen über den 1. FC Nürnberg (7:0) und Bayer Leverkusen (4:2) an; die Monegassen sehen sich nach nur einem Sieg als Achtzehnte die Tabelle der Ligue 1 ausnahmsweise von unten an. Dennoch mahnte Trainer Lucien Favre  seine Spieler: „Wir spielen gegen eine gute Mannschaft, bei ihr fehlen immer nur Kleinigkeiten.“ Favre muss es aus seiner erst ein paar Monate zurückliegenden Zeit als Trainer des OGC Nizza ja wissen.

          Er nominierte den spanischen Mittelstürmer Alcácer erstmals für die Startelf, musste dafür aber auf den Amerikaner Pulisic kurzfristig verzichten, der sich einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen hat. Dafür war der in der Bundesliga bisher nur als höchst effektiver Einwechselspieler eingesetzte Jadon Sancho, der zurzeit beste Torvorbereiter (fünf Mal in 124 Minute) in der höchsten deutschen Spielklasse, von Anfang an dabei – wie schon zum Champions-League-Auftakt in Brügge, wo er beim 1:0-Sieg der Schwarz-Gelben aber nicht weiter auffiel. Der Engländer, einer der besten Nachwuchsspieler Europas, hatte am Dienstag seinen Vertrag mit dem BVB bis zum Sommer 2022 verlängert.

          Fünf Minuten auf dem Feld im ersten Champions-League-Spiel überhaupt und schon als Torschütze erfolgreich: Jacob Bruun Larsen.

          Tags darauf zeigte er das ein oder andere Kunststück aus seiner Trickkiste, ohne damit in der ersten Hälfte viel zu bewegen. Beide Teams neutralisierten sich auf spielerisch ansprechende Art und Weise, scheuten aber das Risiko. Zweimal war der BVB nah dran am Führungstreffer, als Alcácers sehenswerter Schlenzer sein Ziel hauchdünn verfehlte (33.) und der frühere Wolfsburger Torwart Benaglio Wolfs Schuss um den Pfosten lenkte (39.). Dabei verletzte sich der Schweizer und musste in der 44. Minute gegen den kroatischen WM-Torhüter Subasic ausgewechselt werden. Auf der anderen Seite parierte Bürki einen raffinierten Schuss des Belgiers Tielemans famos (20.).

          Was vor dem Wechsel noch versandete, trug nach der Halbzeit Früchte. Nun spielte der rechte Flügelmann Sancho seine Extraklasse als feinfühliger Passlieferant so perfekt aus, dass der zur zweiten Hälfte eingewechselte Linksaußen Bruun Larsen den Ball locker zum 1:0 für die Borussia ins Netz schieben konnte – ein wunderbar leicht herbeigezauberter Treffer. Die Westfalen hatten geduldig und mit dem Selbstverständnis einer reifen Topmannschaft auf diesen einen Moment hingearbeitet.

          Ein entscheidender Augenblick hätte rund eine Viertelstunde später dazukommen können, als Glik den Borussen-Kapitän Reus im Strafraum foulte. Elfmeterschütze Alcácer traf aber statt ins Tor nur die Latte. Das wollte der neue Mittelstürmer nicht lange auf sich sitzen lassen, so dass er schon 120 Sekunden später mit einem herzhaften Schuss nach Reus' Vorarbeit das 2:0 für seine Mannschaft folgen ließ. Es war die Entscheidung in einem Spiel, das Dortmund nach der Pause nicht nur beherrscht, sondern auch ansehnlich ausgeschmückt hatte. Wie zum Beispiel bei Reus' Zugabe zum 3:0 in der Nachspielzeit.

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