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Champions-League-Finale : Der Dauerläufer bei Real Madrid

  • -Aktualisiert am

Real Madrids Mittelfeldspieler Lucas Vázquez (links) im Halbfinale der Champions League gegen Bayern München mit David Alaba. Bild: AFP

Lucas Vázquez erlebt harte Zeiten und setzt sich doch im Team von Trainer Zidane durch – trotzdem steht er immer noch oft im Schatten der Stars. Das könnte sich im Finale gegen Klopps Liverpool jedoch ändern.

          Es war noch keine ganze Stunde vorbei in der Münchner Arena, da verspielten die Bayern gegen Real Madrid vermutlich ihre Endspielteilnahme. Keiner der Stars des Gegners war an der Szene beteiligt, weder Benzema noch Bale, auch nicht Cristiano Ronaldo. Asensio war gerade für Isco ins Spiel gekommen, kam nach einem Fehlpass Rafinhas an den Ball. Er passte diagonal in den Lauf des pfeilschnellen Lucas Vázquez. Der kleine Rechtsaußen wartete geschickt, bis Rafinha und Hummels auf ihn zuliefen, und passte dann zurück auf Asensio. Der stand nach dem Spielzug frei und konnte sich schließlich die Torecke für das 1:2 in München aussuchen.

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          Die Heimniederlage war für die Bayern beim Rückspiel in Madrid eine zu schwere Hypothek. So steht jetzt an diesem Samstag (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie im ZDF und bei Sky) Real Madrid in seinem dritten Champions-League-Finale nacheinander – und damit auch Vázquez.

          Am Tag nach dem Sieg Reals in München schwärmten die Zeitungen von Asensio. Die Leistung von „Lucas“, wie die spanische Presse Vázquez nennt, wurde hingegen weniger gewürdigt. Dabei hatte der 26-Jährige an diesem Abend seine beste Leistung geliefert, seit er vor drei Jahren von Espanyol Barcelona zu Real Madrid zurückgekehrt ist. Niemand hatte weitere Wege zurückgelegt, 12,5 Kilometer war er gelaufen, viele davon waren Sprints an der Außenlinie.

          Mehr Torvorlagen als Toni Kroos

          Es ist seine Saison: Auf 53 Einsätze ist Vázquez bislang gekommen, er stand davon 27 Mal in der Startformation. 2800 Minuten war er im Spiel, hat dabei zwar nur acht Tore geschossen, aber 16 Torvorlagen gegeben, mehr als zum Beispiel Toni Kroos. Zur Belohnung ist ihm nicht nur das Lob von Trainer Zinedine Zidane sicher. Spaniens Nationalcoach Julen Lopetegui nimmt ihn auch mit nach Russland zur Weltmeisterschaft. Zidane setzt ihn gerne ein, wenn er den Eindruck hat, seine Stürmer stünden sich im Strafraum gegenseitig auf den Füßen, denn Vázquez spielt einen klassischen Rechtsaußen, rennt die Außenlinie hoch und runter, ist gleichzeitig stark im Dribbling, öffnet damit das Spiel und hat einen guten Blick für seine Mitspieler.

          Gefeiert wird er dabei selten. Seine Spielweise lässt oft andere glänzen, er selbst steht dann im Schatten. Sogar der offensive Rechtsverteidiger Danni Carvajal spielt besser, wenn Vázquez auf dem Platz steht. Die beiden verstehen sich blind, geht Carvajal nach vorne, macht Vázquez die rechte Außenbahn zu.

          Der nur 173 Zentimeter große Spanier hatte es nie leicht und hat sich am Ende doch durchgesetzt. Mit 14 Jahren kam er aus der galicischen Heimat nach Madrid, spielte in den Jugendmannschaften und im B-Team von Real stets mit Carvajal, Morata, Jesé oder Nacho zusammen, für viele Beobachter die beste Generation aus der Real-Schule seit Jahrzehnten. Als die Entwicklung von Vázquez in der B-Elf zu stagnieren schien, arbeitete ein individueller Coach mit ihm an körperlicher und mentaler Stärke. Eine harte Zeit, in der er sich nicht sicher war, ob er das Zeug zum Fußballprofi habe, sagt Vázquez heute. In Interviews spricht er viel von der Bedeutung der Gruppe, in der jeder seinen Teil zum gemeinsamen Erfolg beitragen müsse, dass man dem Team gerade dann helfen müsse, wenn man von der Bank komme.

          Dass es für ihn noch heute gravierender ist, als er zugibt, am Spieltag mal wieder zu erfahren, dass er nicht in der Startformation steht, dass sich hinter seinem Lächeln mehr verbirgt als ein unbekümmerter Optimismus, lässt sich nur erahnen. Nur eine kleine Spur von Frustration huscht für einen Augenblick über sein Gesicht, wenn man ihn fragt, was er davon hält, dass jetzt auch noch Neymar für seine Position bei Real Madrid im Gespräch ist. Zidane lässt an seiner Wertschätzung für Vázquez keinen Zweifel. Eine Stammplatzgarantie ist das aber nicht. Momentan ist der sonst so oft verletzte Gareth Bale fit. Auf seiner Position konkurriert er zudem mit Isco. Gut möglich, dass Vázquez auch gegen den FC Liverpool den entscheidenden Pass erst wieder nach seiner Einwechslung spielen darf.

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