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„Das Biest“ von RB Leipzig : Bloß nicht gegen Upamecano!

  • -Aktualisiert am

Dayot Upamecano ist ein gefürchteter Spieler. Bild: Picture-Alliance

Kaum ein Innenverteidiger gilt in Europa als dermaßen talentiert wie Dayot Upamecano. Der Abwehrbrocken von RB Leipzig ist gefürchtet. Im Halbfinale der Champions League erwartet ihn nun seine bislang größte Aufgabe.

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          Wenn Julian Nagelsmann beim Training die Mannschaften einteilt, richten sich alle Augen auf Dayot Upamecano. Für die meisten Spieler ist es von erheblicher Wichtigkeit, in welchem Team der 21 Jahre alte Franzose dann ist. Hauptsache, nicht gegen ihn. Hauptsache, nicht gegen „das Biest“. Das war die häufigste Bezeichnung, die nach dem 2:1 von RB Leipzig gegen Atlético Madrid im Zusammenhang mit Upamecano fiel. So nannten ihn diverse Mitspieler, nur Yussuf Poulsen wollte sich damit nicht anfreunden. „Biest? Er ist mehr als das“, sprach der Stürmer. Und er muss es wissen. In unzähligen Trainingsspielen hatte er sich gegen den Franzosen aufgerieben.

          Champions League

          Gegen Atlético wurde Upamecano zum besten Spieler gewählt. Selten dürfte eine Wahl einfacher gewesen sein. Ob Diego Costa, Alvaro Morata oder ein anderer Atlético-Spieler – es gab kein Vorbeikommen. Der ehemalige englische Nationalspieler und Fußballdeuter Gary Lineker zeigte sich beeindruckt. „Der junge französische Verteidiger steht vor einer großen Zukunft“, schrieb Lineker über seine sozialen Kanäle. Und dürfte damit recht behalten. Kaum ein Innenverteidiger gilt in Europa als dermaßen talentiert. Nun will Upamecano zeigen, dass er auch auf allerhöchstem Niveau bestehen kann. Im Halbfinale der Champions League trifft er am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League, bei Sky und DAZN) in Lissabon mit Leipzig auf Paris St-Germain. Die Mannschaft, die in Mauro Icardi, Neymar und Kylian Mbappé den individuell wohl besten und temporeichsten Angriff Europas stellt.

          Tempo, davon hat Upamecano selbst mehr als genug. Er ist außergewöhnlich schnell, und das bei einem Körpergewicht von rund 90 Kilo, verteilt auf knapp 1,90 Meter. Eine Wand von einem Verteidiger. Dazu kommt sein hervorragendes Passspiel im Aufbau, dort hat er sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert.

          Dem Käfig längst entwachsen

          Dabei sah es zunächst nicht unbedingt danach aus, als würde Upamecano einen so erfolgreichen Weg einschlagen können. Als er im Winter 2017 von der österreichischen RB-Filiale aus Salzburg nach Leipzig kam, hatte er große Anpassungsschwierigkeiten. Geschwindigkeit und Intensität waren in Deutschland ungleich höher, und Upamecano wirkte übermotiviert. Eine gefährliche Mischung. Bei seinem ersten Heimspiel holte ihn der damalige Trainer Ralph Hasenhüttl nach einer halben Stunde und diversen Stellungsfehlern vom Platz. Auch in der Folge musste Upamecano, weil akut von einem Platzverweis gefährdet, des öfteren früher in die Kabine. Nach einem halben Jahr gewöhnte er sich aber besser an die neue Umgebung und begann als 18-Jähriger, sich zu etablieren. Bald war klar, dass sich Leipzig ein Versprechen auf die Zukunft gesichert hatte.

          Kompromisslos: Upamecano räumt in der Abwehr auf
          Kompromisslos: Upamecano räumt in der Abwehr auf : Bild: EPA

          Upamecanos Geschichte als Fußballspieler begann in Evreux, einer französischen Kleinstadt in der Normandie, so wie die vieler Jungs. In einem Käfig, von Stahlgittern umgeben und aus Beton, ähnlich wie in deutschen Großstädten von Hamburg bis München. Dort lernte er, sich zu behaupten und schulte auf dem harten Untergrund gleichzeitig seine Technik. Im Alter von 16 Jahren entdeckten ihn RB-Scouts in Valenciennes und holten ihn nach Österreich, wo er in der zweiten Liga beim FC Liefering begann.

          Dieser Welt ist er längst entwachsen, inzwischen zeigt er in Europas wichtigstem Vereinswettbewerb sein Können. Das weckt Begehrlichkeiten. Regelmäßig fragen größere Klubs in Leipzig an. Vergangene Saison war es der FC Arsenal, die kolportierten 75 Millionen Euro waren RB aber zu wenig. Man hoffte auf eine dreistellige Ablöse. In diesem durch die Corona-Pandemie beeinträchtigten Transfermarkt ist ein Abschied aus Leipzig unwahrscheinlich, selbst die finanzstärksten Vereine des Kontinents haben erhebliche Einbußen zu verzeichnen.

          Sportdirektor Markus Krösche betonte vor dem Spiel gegen Paris abermals, dass Upamecano auch in der kommenden Saison in Leipzig spielen wird. Trotzdem ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann der junge Franzose zu einem Verein wechselt, der dauerhaft um den Sieg in der Champions League mitspielt. Sofern ihm das nicht schon mit RB Leipzig gelingt.

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