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Champions League : Ronaldos Provokation nach der großen Show

Der Jubel kennt keine Grenzen bei Ronaldo – auch nicht die des guten Geschmacks. Bild: dpa

Der Star von Juve dreht das Duell mit Atlético durch drei Tore im Alleingang. Auch nach dem Spiel ist Cristiano Ronaldo kaum zu bändigen – und lässt sich zu einer Aktion hinreißen, die ein Nachspiel haben könnte.

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          Nach dem Abpfiff war in Turin niemand mehr zu halten, der es mit Juventus hielt. Andrea Agnelli, der Präsident, wusste auf der Tribüne kaum, wem er zuerst um den Hals fallen sollte. Also schnappte er sich Pavel Nedved, Klublegende und nun Vizepräsident, und rüttelte ihn ordentlich durch. Auch Georgina Rodriguez war ganz aus dem Häuschen. Die Freundin von Cristiano Ronaldo konnte kaum fassen, was ihr Liebling da unten auf dem Rasen gezeigt hatte. Nach dem 0:2 im Hinspiel bei Atlético Madrid kam Juventus durch einen 3:0-Heimsieg doch noch ins Viertelfinale der Champions League.

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Und alle Tore erzielte der mehrfache Weltfußballer und Europameister. Auch Ronaldo war nach dem Ende der Partie kaum zu bändigen. Schließlich war auch der Tormaschine etwas Spezielles gelungen. Und das gegen den Lieblingsgegner, den er aus seiner Zeit bei Real Madrid von 2009 bis 2018 so gut kennt und den er so oft geärgert hat: 25 Tore erzielte er nun in 33 Partien gegen Atlético. Kein Wunder, dass Trainer Diego Simeone sich nach der ersten Partie, in der Ronaldo ohne Treffer blieb, so gefreut hatte. Dabei ließ er sich zu einer obszönen Geste hinreißen, als er sich zwischen die Beine fasste – vor einem Millionenpublikum am TV. Dafür bekam der Argentinier von der Europäischen Fußball Union eine Geldstrafe über 20.000 Euro.

          Doch von starker Männlichkeit, die er auf peinliche Art und Weise verdeutlichen wollte, zeigte seine Mannschaft in Turin wenig. Und so antwortete Ronaldo nicht nur sportlich mit seinen drei Treffern, sondern nach dem Spiel auch auf Simeones Schauspiel. Auch er hielt sich die Hände vor die Hose und brüllte – keine Frage, wem diese Geste galt. Wird nun auch Ronaldo bestraft? Er hätte sich die Provokation sparen können, das Ergebnis sprach schließlich für sich, anders als nach dem 0:2 im Hinspiel, als Ronaldo ebenfalls als Provokateur auftrat. Die Schmähgesänge der spanischen Fans beantwortete er mit fünf Fingern, was bedeuten sollte: Ich habe schon fünf Mal die Champions League gewonnen. Und ihr noch nie.

          „Es musste eine spezielle Nacht werden – und es wurde eine. Ich bin stolz auf die Mannschaft“, sagte Ronaldo nun nach der Wende, für die er im Alleingang gesorgt hatte. „Das ist die Mentalität, die nur Champions haben.“ Einer, der die richtige Mentalität hat, ist fraglos der Portugiese. In 160 Partien in der Champions League hat er nun 124 Tore erzielt, davon 63 in K.o.-Spielen. Zum Vergleich: Atlético hat in seiner gesamten Vereinshistorie im Wettbewerb der besten europäischen Mannschaften nur 118 Tore geschossen. Mehr werden vorerst nicht dazukommen bei den Colchoneros, deren Traum vom Finale im eigenen Stadion am 1. Juni auf schmerzhafte Art geplatzt war.

          Ronaldo aber hat weiter die Chance auf seinen sechsten Titel in der Champions League – es wäre ein Rekord. Nach seiner Gala hatte er gut reden. „Was für ein Comeback! Vielleicht hat mich Juve genau dafür geholt – nämlich Dinge zu erreichen, die noch nie erreicht wurden.“ Die Italiener schafften es tatsächlich noch nie nach einem 0:2 in der ersten Partie noch weiterzukommen im Europapokal. „Heute haben die Jungs alles reingelegt“, sagte Trainer Massimiliano Allegri. Allen voran Ronaldo. Zwei Tore erzielte er mit enormer Sprungkraft und viel Willen dem Kopf (27. und 49. Minute), das dritte, entscheidende nervenstark kurz vor dem Ende per Elfmeter (86.). Die Zeitung „Corriere dello Sport“ ließ es sich nicht nehmen, Ronaldo ob seiner obszönen Jubel-Geste zu huldigen: „Ein Marsmensch mit drei Eiern.“ Nun ja.

          Atlético, das seit 2014 zum fünften Mal an einem Team um Ronaldo scheiterte, litt hörbar unter dem Aus trotz der guten Ausgangsposition. „Wir haben es nicht hinbekommen, unseren Fußball auf den Platz zu bekommen“, sagte ein enttäuschter und enttäuschender Weltmeister Antoine Griezmann. „Wir haben den falschen Abend erwischt, um solch einen schwachen Auftritt hinzulegen. Juventus war einfach großartig – wie Ronaldo. Er hatte drei Chancen und macht daraus drei Tore.“ Atlético indes hatte nicht einmal als gesamte Mannschaft so viele Chancen und schied letztlich verdient noch aus. Ronaldos Extraklasse erkannte auch Simeone an: „Er ist der Beste der Welt. Wir haben gelitten wie Juve im Hinspiel. Sie sind weiter und das ist verdient.“

          Die Italiener indes sind ganz entzückt von Ronaldo. Für 112 Millionen Euro hatten sie ihn im vergangenen Sommer aus Madrid geholt. Nicht wenige hielten die Investition für falsch, schließlich ist er inzwischen schon 34 Jahre alt. Und die Kritiker rümpften die Nase, als Ronaldo gleich bei seinem Debüt für Juventus in der Champions League eine, wenn auch unberechtigte, Rote Karte sah. Nach der Sperre aber fand er sich immer besser ein und ist auch in der nationalen Serie A ein Garant dafür, dass Turin der Meistertitel schon jetzt kaum mehr zu nehmen ist.

          Doch das ist nicht das primäre Ziel Juves und Ronaldos. Vielmehr soll es der Titel in der Königsklasse sein. Letztmals gewann die „Alte Dame“ 1996 den Henkelpott. Lange ist es her. Doch mit Ronaldo scheint der große Triumph nun keine Utopie mehr zu sein. „Es ist sicherlich noch zu früh, um über das Finale zu reden“, sagte ein sprudelnder Ronaldo. „Doch eine Nacht wie diese hilft uns bei unseren Zielen.“ Und womöglich steht er im Sommer im Finale in Madrid auf dem Rasen. Wie die Sympathien der heimischen Fans dann verteilt sein werden, dürfte klar sein. Doch die Antipathie von den Rängen hat Ronaldo noch nie von starken Leistungen abgehalten. Ganz im Gegenteil.

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