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Champions-League-Aus : Die doppelten Schmerzen des Cristiano Ronaldo

Aus und vorbei: Juventus Turin und Cristiano Ronaldo scheiden aus. Bild: EPA

Juventus Turin kaufte Ronaldo für sehr viel Geld, um endlich wieder die Champions League zu gewinnen. Der Traum platzt völlig überraschend im Duell mit Ajax Amsterdam – und der Frust beim Star sitzt tief.

          Das ging ja schon schlecht los. Der Abend des Cristiano Ronaldo begann mit Schmerzen. Keine zehn Sekunden waren gespielt im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League, da lag der große Star von Juventus Turin schon am Boden und hielt sich das Gesicht. Joel Veltman von Ajax Amsterdam hatte den Portugiesen bei einem Duell unsanft mit der Hand erwischt. Diese Schmerzen bei Ronaldo waren von kurzer Dauer. Die anderen, die er am Dienstagabend erlitt, werden nicht so schnell vergehen. Juventus schied nach einem 1:1 im Hinspiel durch eine 1:2-Niederlage aus der Königsklasse aus.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Damit rennt Ronaldo mindestens ein weiteres Jahr einer besonderen Bestmarke hinterher. Bislang hat er fünf Mal seinen „Lieblingswettbewerb“, die Champions League, gewonnen. Nur Francisco Gento, Stürmer von Real Madrid, holte zwischen 1956 und 1966 einen Titel mehr im Europapokal der Landesmeister. Vorbei ist auch Ronaldos große Hoffnung nach drei Triumphen in Serie, mit den Königlichen den nächsten Titel mit seinem neuen Klub anzufügen. Dafür hatte Juve den inzwischen 34 Jahre alten Europameister für 112 Millionen Euro im vergangenen Sommer aus Spanien gekauft – und einiges riskiert.

          Denn ähnlich wie zuletzt Real Madrid machte sich der italienische Dauermeister abhängig von seinem Star. In der nationalen Serie A reicht es auch mal ohne den geschonten Ronaldo zur Titelserie. In der Champions League aber, in der das Niveau in der Spitze viel ausgeglichener ist, soll es in der heißen Phase ein Extrakönner wie Ronaldo richten. Zumal Juventus 1996 letztmals die Königsklasse gewann. Danach gingen gleich fünf Endspiele verloren. Ronaldo sollte der Garant dafür sein, dass das nicht wieder passiert. Nun verloren die Turiner das Finale nicht – sondern schon das Viertelfinale.

          Das lag aber nicht nur an Ronaldo, der nach einer Verletzung am Oberschenkel im Hinspiel vor einer Woche in Amsterdam zurückgekehrt war und mit einem Flugkopfball das Auswärtstor erzielte. Auch in Turin war er erfolgreich. Nach einer Ecke von Miralem Pjanic wuchtete er den Ball mit dem Schädel ins Tor der Niederländer (28. Minute). Die protestierten heftig, weil Ronaldos Gegenspieler Veltman kurz zuvor zu Fall gekommen war. Selbst die Trainer an der Seitenlinie lieferten sich ein Wortgefecht. Schiedsrichter Clement Turpin nutzte die Videobilder und sah, dass Veltman durch einen Stoß des Mitspielers Matthijs de Ligt aus der Balance kam – der Treffer war also völlig korrekt und zählte.

          Doch Ajax schlug zurück: Nach einem verunglückten Schuss von Hakim Ziyech sprang der Ball Donny van de Beek vor die Füße, der zum Ausgleich einschob (34.). Diesmal protestierten die Italiener auf Abseits. Doch ihr Kollege Federico Bernardeschi war zu spät herausgerückt, auch dieses Tor wurde zurecht anerkannt. In der zweiten Halbzeit dominierte Amsterdam, hatte hervorragende Chancen und traf durch de Ligts Kopfball nach einer Ecke von Lasse Schöne zum 2:1. Juventus war geschockt und kam nicht mehr zurück, da die Niederländer aufopferungsvoll wie geschickt verteidigten.

          Auch Ronaldo war kaum mehr zu sehen. Einen Vorwurf von Trainer Massimiliano Allegri bekam er aber nicht zu hören – ganz im Gegenteil. „Ronaldo hat uns im Laufe der Saison viel gegeben“, sagte er beim TV-Sender Sky Italia. „Aber wenn du das Viertelfinale erreichst, brauchst du jeden Spieler.“ Das klang gar nicht so versteckt nach einer Schelte für die anderen, die sich hinter dem Star nicht so in Szene setzten wie nötig. Womöglich lag es auch an der kuriosen Statistik des Mattia De Sciglio, der überraschend von Allegri als Rechtsverteidiger aufgeboten wurde. Der Italiener kam in dieser Saison in vier Spielen in der Champions League zum Einsatz – und alle gingen für Juve verloren.

          Von Ronaldo ist man anderes gewohnt. Im Achtelfinale gegen Atlético Madrid schoss er seine Elf mit drei Toren im Rückspiel quasi im Alleingang eine Runde weiter. Das sollte der Startschuss sein in die Phase des Wettbewerbs, in der Ronaldo noch stärker spielt als sonst. Die Champions-League-Kampagne mit Juve hatte für ihn gar nicht gut begonnen. Im ersten Spiel in Valencia sah er die Rote Karte, insgesamt kam er in der Gruppenphase nur auf einen Treffer, bei der Niederlage gegen seinen früheren Klub Manchester United. Doch 2019 drehte Ronaldo auf. Den drei Toren im Rückspiel gegen Atlético folgte je eines in den Partien gegen Ajax. Inzwischen steht Ronaldo bei sagenhaften 79 Treffern in 79 K.o.-Spielen der Königsklasse.

          Das lag auch daran, dass er immer dabei war im entscheidenden Teil des Wettbewerbs. Nun findet erstmals seit 2010 ein Halbfinale ohne Ronaldo statt. Der Frust sitzt tief. Kurz vor Ende der Partie gegen Amsterdam, als längst abzusehen war, dass Endstadion für Juve ist, ließ sich Ronaldo zu einem Frustfoul gegen Veltman hinreißen. Es gab die Gelbe Karte. Diese persönliche Rechnung nach den frühen Schmerzen hatte Ronaldo beglichen. Eine andere steht indes noch aus. Juve hatte ihn für das viele Geld verpflichtet, um endlich wieder die Champions League zu gewinnen. Diese Rechnung ging nicht auf. Noch nicht.

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