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Bayern-Gegner Real Madrid : Ronaldo hängt Messi ab

Einer der zentralen Spieler von Real Madrid: Cristiano Ronaldo (rechts). Bild: EPA

Die Bayern sind gewarnt: Ronaldo ist mit 33 Jahren so wertvoll wie nie. Als Meister der Selbstoptimierung ist er ein Zeitgeist-Prototyp des 21. Jahrhunderts. Und im ewigen Vergleich übertrumpft er seinen alten Rivalen in einer wichtigen Frage.

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          Wo Cristiano Ronaldo ist, sind Rekorde nicht weit. Einen wird er schon aufstellen, wenn er an diesem Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie im ZDF und bei Sky) den Rasen der Münchner Arena betritt. Es ist sein 151. Spiel in der Champions League – mehr hat kein Feldspieler geschafft, nur der frühere Real-Torwart Iker Casillas (167), den Ronaldo wohl auch noch erreichen wird. Sein erstes Spiel in der Königsklasse erlebte er übrigens auch in Deutschland, mit 18, eine 1:2-Niederlage mit Manchester United beim VfB Stuttgart, bei dem ein weiterer Teenager am Beginn einer Weltkarriere sein Debüt gab: der damals 19 Jahre junge Philipp Lahm.

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          15 Jahre später ist Lahm ein fideler Frührentner, während Ronaldo so spielt, als habe er entschieden, ewig jung zu bleiben. Vor einer Woche hat er mit dem Hackentor zum 1:1 gegen Bilbao auch im zwölften Spiel nacheinander getroffen, Rekord für Real Madrid. Und in der Champions League traf er nun elf Mal am Stück, Rekord für diesen Wettbewerb. Bei bisher 15 Toren in dieser Saison zweifelt niemand, dass er abermals Torschützenkönig des wichtigsten Klubwettbewerbs der Welt wird – wie immer seit sechs Jahren.

          Genauso erstaunlich wie seine Torquote ist seine Langlebigkeit. Das Spiel in München wird Ronaldos 902. als Profi sein. Solche Zahlen kennt man sonst nur von zähen Torhütern oder alterslosen Verteidigern, wie etwa Paolo Maldini, der auf 1029 Spiele kam. Aber nicht von Stürmern, die vor allem von ihrer Schnellkraft leben, davon, immer noch den einen Schritt schneller zu sein als der Abwehrspieler. Es scheint nicht nur, dass Ronaldo das nach bald tausend Spielen immer noch ist – nein, er scheint nach 15 Jahren Weltklasse geradezu auf dem Zenit seines Schaffens zu sein.

          Mittlerweile können das auch viele von denen anerkennen, die ihn traditionell nicht mögen und sich an manch eitlem Gehabe des Portugiesen stören, zuletzt, als er den straff gespannten Oberkörper nach dem umstrittenen Elfmeter gegen Juventus Turin entblößte. Er hätte so etwas gar nicht mehr nötig, um zu zeigen, wer er ist: der athletisch vielleicht kompletteste Spieler der Fußballgeschichte. Schon früh sah jeder seine große Schnelligkeit und Schusskraft. Sein enormes Sprungvermögen, das mit fast achtzig Zentimetern gemessen wurde, deutlich über dem der meisten NBA-Basketballprofis, steht spätestens nach dem Kopfballtreffer im EM-Halbfinale 2016 gegen Wales jedem vor Augen. Seine Stirn traf den Ball deutlich über der Torlatte, die an der oberen Kante mehr als zweieinhalb Meter hoch ist. Der frühere englische Torjäger Gary Lineker hatte „noch nie einen Spieler so hoch steigen und so lang fliegen“ gesehen.

          Übertroffen wurde all das aber vor zwei Wochen von dem Fallrückzieher beim 3:0 im Viertelfinale in Turin, „einem der schönsten Tore aller Zeiten“, wie sein Trainer Zinédine Zidane fand. So nah ist noch kein Fußballerfuß dem Himmel gekommen. Außer vielleicht der von Zlatan Ibrahimovic bei seinem Jahrhundert-Tor 2012 gegen England, als er aus rund 25 Metern traf – wobei der Schwede, der den Ball im Bogen ins Tor befördern konnte, ihn nicht so hoch treffen, so sehr mit dem Fuß über den Ball kommen musste wie Ronaldo. Dieser katapultierte seine Hüfte bis in Kopfhöhe der Verteidiger und schwang das rechte Bein in einer von der spanischen Zeitung „Marca“ gemessenen Höhe von 2,38 Metern von hinten oben kommend auf den Ball, um ihn ins Tor zu drücken.

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