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Bayern-Gegner Real Madrid : Ronaldo hängt Messi ab

Dabei ist der Torjäger Ronaldo auch ein Anführer für Real geworden, so wie er es schon bei der EM 2016 für Portugal war, als er sein Team ins Finale führte und dann, früh verletzt, als humpelnder Assistenztrainer an der Seitenlinie der große Antreiber blieb. Meist agiert er auch nicht als der Ego-Knipser, als den ihn seine Torquote dastehen lässt, sondern als echter Mannschaftsspieler. In bisher 433 Spielen für Real kommt er neben unglaublichen 448 Toren auch auf 131 Torvorlagen.

Schon früh in seiner Karriere, spätestens aber seit dem Wechsel zu Real 2009 wirkte Ronaldo wie der Fußball-Prototyp für den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts: die Ära der Selbstoptimierung. Das eine Optimierte ist sein Körper. Dafür trainiert er „wie eine Maschine“, so Mitspieler Casemiro. Er legt häufig Sonderschichten ein, regeneriert sich in der Kältekammer, die er in seine Villa einbauen ließ, verschmäht Alkohol, geht um 22 Uhr zu Bett und rasiert sich jedes Körperhaar: „Es kommt auf Kleinigkeiten an, um noch schneller zu werden. Da ist jede Körperbehaarung, auch am Po, störend.“ Das andere Optimierte ist die Marke „CR7“, die mit Mode, Parfüm, Hotels dazu beiträgt, dass Ronaldo 2016 mit Einnahmen von angeblich rund 83 Millionen Euro als erster Fußballer zum bestverdienenden Sportler der Welt wurde. Mit über 200 Millionen Followern ist er der mit Abstand populärste Sportler in den sozialen Medien.

Angeklagt wegen Steuerhinterziehung

Doch ganz so optimal schien es dann zu Beginn dieser Saison nicht mehr zu laufen für den selbstoptimierten Fußballstar. Die spanische Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Steuerhinterziehung an, und aus Richtung der Klubführung, alarmiert über die nachlassende Torquote in der Hinrunde, kamen Gerüchte, Real wolle sich auf der Suche nach dem nächsten Superstar, dem nächsten Ronaldo, um Neymar bemühen. Steuerlich und juristisch läuft es inzwischen immer noch nicht wieder rund, sportlich dagegen umso mehr. Von Neymar ist jedenfalls gerade keine Rede mehr.

Vier Liga-Tore waren es nur bis Mitte Januar, Ronaldo schien mit 32 dem Alter Tribut zu zollen. Doch seit er Anfang Februar 33 wurde, läuft die Tormaschine wie geölt: 28 Treffer in den letzten 17 Spielen. Tempo, Timing, Technik, Torriecher, alles da wie eh und je. Nach der Auslosung fürs Halbfinale hoffte Bayern-Trainer Jupp Heynckes, „dass er gegen uns nicht seine besten Tage erwischt“. Besser wäre zu hoffen, dass Ronaldo nicht mal einen Durchschnittstag erwischt: Im Schnitt der bisherigen sechs Spiele (neun Tore) trifft er gegen Bayern 1,5 Mal pro Spiel.

Torjäger und gleichzeitig Dirigent auf dem Platz: Angreifer Cristiano Ronaldo.

Fast ebenso bemerkenswert wie seine Tore ist aber auch die Art, wie offen Ronaldo über seine Nöte und Ängste aus der Zeit sprach, als er tränenreich als zwölfjähriger Knabe die Heimatinsel Madeira verließ und sich einsam in Lissabon, als Außenseiter gehänselt, durchbiss. Und auch darüber, wie sehr es ihn beschäftigte, dass er seinen Vater, der 51-jährig an den Folgen von Alkoholismus starb, „nie richtig kennengelernt“ hatte. Als Andenken bleibt ihm sein zweiter Vorname, den der Vater aus Verehrung für den damaligen amerikanische Präsident Ronald Reagan wählte. Da hat Ronaldo wohl Glück gehabt, dass es jener Präsident war und nicht ein anderer, aktuellerer. Hätte schon etwas blöd geklungen: Cristiano Donaldo.

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