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Bayern-Gegner Real Madrid : Ronaldo hängt Messi ab

Der beste Torjäger des 21. Jahrhunderts

Auch die gegnerischen Fans erhoben sich und feierten Ronaldo, der sich gerührt verneigte. Der geschlagene Torhüter Gianluigi Buffon verglich ihn mit den Größten des Fußballs, mit Maradona und Pelé. „Er ist eine Tormaschine“, sagt der von Madrid nach München verliehene frühere Mitspieler James, der ihn an diesem Mittwoch als Gegner erleben wird. „Ronaldo schießt so viele Tore, das ist Wahnsinn“, sagt Bayern-Stürmer Sandro Wagner. „Ich habe nicht mal im Training so viele Tore, wie er in den Spielen macht. Aber wir haben die beste Abwehr in Europa.“ Allerdings haben die Bayern im Viertelfinale gegen Sevilla und auch im Pokal in Leverkusen weit mehr Torchancen zugelassen, als das gegen Real und Ronaldo gesund wäre. Das brach ihnen schon vor einem Jahr das Genick. Im Hin- und Rückspiel gegen die Bayern kam Ronaldo in 210 Minuten nur auf 101 Ballkontakte. Aber jeder sechste davon war ein Torschuss. Und fast jeder dritte Torschuss ein Tor. Früher war sein Spiel auf Effekt aus, nun auf Effizienz.

Verlangte er in jüngeren Jahren jeden Ball und gab ihn kaum noch her, braucht er heute meist nur einen Ballkontakt, um Entscheidendes zu bewegen. Statt mit Tempo auf Abwehrspieler zuzustürmen, lauert er inzwischen lieber an der Abseitslinie. Buffon erklärte seine Bewunderung dafür, dass Ronaldo gelernt habe, „weniger Energie zu verbrauchen“ als zuvor. „Er hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er sehr intelligent ist, weil er seine Art zu spielen verändert hat.“ Juve-Trainer Massimiliano Allegri gratulierte dazu, „wie er seinen Spielstil in seinen Dreißigern noch einmal komplett geändert hat“. Dank des Lernprozesses, zu dem ihn Zidane bewegte, mit der Verpflanzung von der alten Lieblingsposition auf der linken Seite ins Angriffszentrum, wirkt der beste Torjäger des 21. Jahrhunderts mit 33 Jahren wertvoller denn je. Der Trainer überzeugte ihn von der Notwendigkeit kürzerer Wege und längerer Pausen. Zuletzt ließ sich Ronaldo sogar im Derby gegen Atlético nach dem 650. Tor seiner Karriere ohne Murren auswechseln. Der Lohn ist Frische in den späten K.o.-Spielen der Champions League.

Während man im ewigen Vergleich mit dem alten Rivalen Lionel Messi in vielen Facetten der Frage, wer denn nun der Beste sei, Für und Wider mit Fug und Recht unterschiedlich gewichten kann, liegt in der vielleicht wichtigsten Teilfrage die Antwort klar auf der Hand: Wo es um Tore in den Alles-oder-Nichts-Duellen mit großen Gegnern geht, spielt Ronaldo in einer anderen Liga als Messi. Nimmt man die sieben Spielzeiten der Champions League seit 2011/12, so kommen beide auf eine vergleichbare Gesamtzahl von Treffern, Messi auf 58 in 49 Spielen, Ronaldo auf 62 in 53. Aber nur fünf davon erzielte Messi in Partien vom Viertelfinale an. Ronaldo dagegen: dreißig. In den letzten fünf Jahren scheiterte der FC Barcelona viermal im Viertelfinale, immer ohne Messi-Tor. Ronaldos K.o.-Bilanz seit April 2017 hingegen ist beispiellos: fünf Tore gegen Bayern im Viertelfinale, drei im Halbfinale gegen Atlético, zwei im Finale gegen Juventus, drei im Achtelfinale dieser Saison gegen Paris St-Germain, drei im Viertelfinale gegen Juventus. Das macht 16 Tore in elf Spielen gegen die besten Teams der Welt.

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