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Debatte um Corona-Ausbruch : „Das Liverpool-Spiel war ein Fehler“

  • Aktualisiert am

Liverpool und Jürgen Klopp schieden gegen Atlético Madrid aus der Champions League aus am 11. März. Bild: AP

Am 11. März spielte Liverpool gegen Atlético Madrid – trotz der Corona-Krise vor 52.000 Fans. Nun wird untersucht, welche Rolle die Partie bei der Ausbreitung des Virus hatte. Manche haben dazu schon eine klare Meinung.

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          Das Champions-League-Spiel zwischen Premier-League-Spitzenreiter FC Liverpool und dem spanischen Fußball-Topklub Atlético Madrid steht im Fokus neuer Untersuchungen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus in Liverpool. Das berichtet die englische BBC. Die Partie fand am 11. März vor 52.000 Zuschauern statt, davon kamen 3000 aus Madrid. In Spanien waren zu diesem Zeitpunkt bereits erste Ausgangssperren in Kraft getreten.

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          Bislang gibt es zwar noch keine konkreten Infektionsfälle, die mit dem Spiel in Verbindung gebracht werden können. Die wissenschaftliche Hauptberaterin der Regierung, Angela McLean, sagte der BBC aber, es bräuchte weitere Untersuchungen: „Wenn alles untersucht ist, wird es sehr interessant sein zu sehen, in welcher Beziehung das Virus in Liverpool zu dem in Spanien steht.“ Man müsse die genauen Umstände der damaligen Zeit berücksichtigen, sagte sie. War die Austragung vor Zuschauern falsch? „Wenn wir unser Leben wie gewohnt führen können, stellt der Besuch eines Fußballspiels kein extremes Risiko dar.“ Heute sei das anders zu bewerten.

          Auch der Bürgermeister von Madrid, Jose Luis Martinez-Almeida, sagte am Wochenende beim Radiosender Onda Cero, dass es ein „Fehler“ gewesen sei, Atlético-Fans zu dem Spiel fahren zu lassen. „Es hat keinen Sinn gemacht, dass zu diesem Zeitpunkt 3000 Atletico-Fans nach Anfield reisen konnten.“ In Liverpool sind bereits 246 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Madrid ist eine der am schlimmsten betroffenen Städte in ganz Europa.

          Auch Matthew Ashton, Direktor für Gesundheit der Stadt Liverpool, der den Kampf gegen die Ausbreitung in der Stadt koordiniert, sagte dem „Guardian“: „Es war die falsche Entscheidung, das Spiel auszurichten.“ Als Kritik an den Verantwortlichen wollte er das aber nicht verstanden wissen. „Niemand trifft absichtlich schlechte Entscheidungen. Vielleicht wurde der Ernst der Lage zu diesem Zeitpunkt nicht verstanden.“ Das Spiel sei aber definitiv auf der Liste der Veranstaltungen, aus denen man lernen müsse, um zukünftig solche Fehler nicht mehr zu machen.

          Schon einmal war ein Fußballspiel in den Fokus der Theorien rund um die Ausbreitung des Coronavirus geraten. Am 19. Februar waren Atalanta Bergamos und der FC Valencia ebenfalls in der Champions League aufeinandergetroffen. Nach Ansicht italienischer Gesundheitsexperten könnte die Partie ein Grund sein, weshalb die Stadt Bergamo und deren Umgebung besonders stark vom Coronavirus betroffen sind. Die Partie war vor 44.236 Zuschauern im Mailänder San-Siro-Stadion ausgetragen worden, die Rede ist in Italien vom „Spiel null“.

          „Wegen des Champions-League-Spiels sind 44.000 Atalanta-Tifosi zum San-Siro-Stadion nach Mailand gereist. Sie waren in Bussen, Zügen oder auf Autobahn-Raststätten und Restaurants in engem Kontakt. Die Epidemie ist in Bergamo genau zwei Wochen nach diesem Spiel explodiert“, sagte Francesco Le Foche, Leiter der Abteilung für Infektiologie der römischen Poliklinik „Umberto I“.

          Das Rückspiel am 10. März in Valencia hatte bereits ohne Zuschauer und Journalisten stattgefunden, ein spanischer Journalist hatte sich in Italien zuvor mit dem Coronavirus angesteckt. Sechs Tage nach dem Rückspiel hatte Valencia mitgeteilt, dass 35 Prozent der Personen aus dem direkten Umfeld der Profimannschaft positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden seien.

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