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Bayerns 0:0 gegen Donezk : „Der Schiedsrichter war eine Katastrophe“

Schirdsrichter Undiano Mallenco machte sich bei den Bayern-Spielern keine Freunde Bild: AP

Bayerns 0:0 bei Schachtjor Donezk ist kein Wunschergebnis. Beim Champions-League-Spiel in der Ukraine verlieren die Münchner zudem Xabi Alonso – und üben nach dem Kurztrip ins Krisengebiet vor allem heftige Kritik am spanischen Schiedsrichter.

          Um kurz nach 2.30 Uhr am Mittwoch war die kurze Champions-League-Reise des FC Bayern zu Ende. Weil das Flugzeug aus einem „Krisengebiet“ kam, konnten die Münchner mit Sondergenehmigung mitten in der Nacht schon vier Stunden nach Abpfiff wieder in der Heimat landen. Im Gepäck hatten sie nach dem Achtelfinal-Hinspiel gegen Schachtjor Donezk, das wegen der Lage in der Ukraine nach Lemberg verlegt worden war, keine Tore. Zurück nach München brachten sie aber mit Xabi Alonso einen im Rückspiel am 11. März (20.45 Uhr / Live im ZDF und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) gesperrten Spieler und einige Unsicherheiten, die sich der deutsche Meister gerne erspart hätte auf dem geplanten Weg in die Runde der besten acht Teams des Wettbewerbs.

          Bitte ein Tor: Bayern-Trainer Pep Guardiola erlebt bei Schachtjor Donezk nur ein 0:0 Bilderstrecke
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die Bewertung des Spiels war dem Ergebnis angemessen – unentschieden. Einerseits waren die Bayern froh, nach der Gelb-Roten Karte für Alonso in der 65. Minute mit einem torlosen Remis davongekommen zu sein, zumal sie nach einem 0:0 in einem Auswärtsspiel in fünf von sechs Fällen in ihrer Europapokal-Geschichte in die nächste Runde einzogen. Andererseits war vom Schwung des 8:0-Schützenfest gegen den Hamburger SV wenig zu sehen. In 94 Minuten gaben die Münchner nur sieben Torschüsse ab, lediglich einer von Rafinha ganz zu Beginn des Spiels kullerte tatsächlich auf das Tor.

          Da auch Donezk keine nennenswerte Torchance hatte, bestimmten andere Szenen die Debatten. Allen voran der Platzverweis von Alonso in seinem 100. Spiel in der Champions League sorgte im Lager der Bayern für Verärgerung. „Es war eine sehr merkwürdige Schiedsrichter-Leistung“, sagte Matthias Sammer beim TV-Sender Sky. Detaillierter wollte der Sportdirektor nicht auf den Spanier Alberto Undiano Mallenco eingehen, der Landsmann und Jubilar Alonso nach zwei Fouls im Mittelfeld vom Platz schickte.

          Dabei ist Undiano Mallenco bekannt für seine Vorliebe für Kartenspiele. Bei der WM 2010 etwa schickte er Miroslav Klose im Vorrundenspiel gegen Serbien auch kleinlich vom Platz. Auch Vorstandschef Rummenigge war verärgert: „Der Schiedsrichter war eine Katastrophe. Wahrscheinlich hat er gemeint, weil er aus Spanien ist, müsste er besonders gegen Spanien pfeifen.“

          In einem Spiel, das gespickt war mit kleinen und größeren Gemeinheiten, die vor allem von den Ukrainern ausgingen, bei denen sechs Brasilianer mitspielten, verteilte der Unparteiische neben dem Platzverweis an beide Teams je drei Gelbe Karten. Bei den Bayern erwischte es Jérôme Boateng und Rafinha schon zum zweiten Mal im Wettbewerb, sodass nach der nächsten Verwarnung eine Sperre folgt, sowie Bastian Schweinsteiger.

          Bei Donezk sahen Fred, Srna und Douglas Costa Gelb, wobei Letzterer großes Glück hatte, dass die Karte keine andere Farbe hatte. Mit einem Ellbogenschlag traf er Franck Ribéry an der Seitenlinie am Kinn und gab den Startschuss für eine heiße Schlussphase im mit minus fünf Grad ziemlich kalten Lemberg.

          Pep Guardiola, der David Alaba als Innenverteidiger und Robert Lewandowski zunächst auf die Bank beordert hatte, wollte die Leistung seines Landsmanns Undiano Mallenco nicht bewerten. Mit dem Spiel seiner Mannschaft war der Trainer dennoch „sehr zufrieden.“, weil sein Team die Partie kontrolliert habe. Nach nun fünf Pflichtspielen im neuen Jahr bleibt dennoch eine Bilanz, die auch Guardiola nach der starken Hinrunde positiver erwartet hatte. Nach der Bundesliga-Niederlage in Wolfsburg gab es neben den Remis gegen Schalke und nun bei Donezk nur zwei Siege über die Abstiegskandidaten Stuttgart und Hamburg.

          „Das ist noch nicht Bayern München“, sagte Sportdirektor Sammer. „Man sieht, dass wir noch einen Weg zur Bestform vor uns haben.“ Er gab den Spielern vor dem Abflug aus Lemberg, wo auf das traditionelle Bayern-Bankett nach Champions-League-Auswärtsspielen aufgrund der Kriegssituation in der Ukraine verzichtet wurde, mahnende Worte mit auf den Weg. „Ich halte das Ergebnis für gefährlich.“ Ähnlich sah es Rummenigge, der das 0:0 nicht als Wunschergebnis erachtete. „Wir hätten es uns leichter machen können für das Rückspiel.“ Dennoch: „Die Tür ist auf. Aber wir hätten sie ein Stück weiter aufmachen können.“

          Ein Remis mit Toren würde dabei in drei Wochen das Aus bedeuten für die Münchner, sodass ein Sieg nun Pflicht ist für den Einzug ins Viertelfinale. „Wir haben uns heute sehr schwer getan“, gestand Mario Götze ein. „Zufrieden sind wir nicht. Wir wollten uns eine bessere Ausgangsposition verschaffen als die, die wir jetzt haben.“

          Mut aber macht, dass die Bayern auch nach Alonsos Platzverweis die ballsicherere Mannschaft stellten und nicht unter Druck gerieten. Was Donezk-Trainer Mircea Lucescu monierte: „Was ich bedauere, ist, dass wir nicht versucht haben, unser Spiel zu spielen, als die Bayern in Unterzahl war.“

          Von der schwierigen Lage in der Ukraine bekamen die Münchner bei ihrem 35-Stunden-Aufenthalt in Lemberg kaum etwas mit. Während die Spieler sich im Vorfeld teils deutlich geäußert hatten und sich vor Ort auf ihre sportliche Aufgabe konzentrierten, besuchte eine Bayern-Delegation ein Krankenhaus und leistete finanzielle Hilfe für Kinder.

          Am Ende des Dienstags war es vor allem Sportdirektor Sammer, der doch nochmal auf die Umstände der Reise mit deutlichen Worten einging: „Es ist eigentlich Wahnsinn, dass man in einem Land spielt, wo Krieg herrscht. Man kann sich nur wünschen, dass der Scheiß irgendwann aufhört“, sagte er bei Sky.

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