https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/champions-league/cl-2014-2-3-niederlage-des-fc-bayern-muenchen-gegen-mancity-13287145.html

2:3 bei Manchester City : Acht Gründe für die erste Bayern-Niederlage

Ungewohntes Gefühl: Die Bayern verlieren erstmals in dieser Saison Bild: AFP

Die Bayern machen sich ein „Riesenkompliment“. Doch mit der 2:3-Niederlage bei ManCity in der Champions League endet die Münchner Serie von 18 Spielen ohne Niederlage. Dafür musste viel zusammenkommen.

          3 Min.

          Sergio Agüero war mal der Schwiegersohn von Diego Maradona. Er weiß auch sonst, dass er etwas Besonderes ist. Vor kurzem versuchte ein Fernsehreporter dem maulfaulen Fußballprofi mit einer Schmeichelei etwas Substantielles zu entlocken. Er sagte: „Man vergleicht Sie mit Mozart.“ Darauf Agüero: „Kenn ich nicht.“

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Immerhin: drei Worte. Am Mittwochabend ließ der Kulturfreund aus Argentinien dann lieber wieder Taten sprechen: drei Tore. Beim 3:2 von Manchester City gegen den FC Bayern zeigte er, dass die bayrische Fußball-Philharmonie des Maestro Pep Guardiola in gewissen Momenten doch aus dem Takt zu bringen ist.

          Es musste allerdings eine Menge zusammenkommen, damit die Münchner Serie von 18 Saisonspielen ohne Niederlage überraschend endete. Erstens ein Spiel, in dem es für sie um nichts mehr ging als um „Prestige“, so Guardiola; zweitens eine Rote Karte, drittens ein Rückstand, beides schon nach zwanzig Minuten; viertens und fünftens zwei krasse Konzentrationsfehler in den Schlussminuten – und sechstens bis achtens ein Torjäger wie Agüero, der das Tor so verlässlich trifft wie Mozart den Ton. Er schoss dreimal und traf dreimal. (Alle Tore sehen Sie auch im Video in der ZDF-Mediathek)

          Großen Anlass zur Selbstkritik sah niemand beim überraschten Verlierer, die Reaktion war eher ein Achselzucken. Die Zufriedenheit über 65 starke Minuten in Unterzahl ließen sie sich von fünf schwachen Minuten nicht nehmen. Ein „Riesenkompliment“ machte Arjen Robben der Mannschaft. „Wir haben super Fußball gespielt, uns nicht versteckt, auch nicht mit zehn Mann. Jeder wollte den Ball. Schade, dass die zwei Fehler am Ende uns den Sieg gekostet haben.“

          Dramatischer Schlusspunkt: Agüero trifft zum Sieg. Boateng kann es nicht fassen Bilderstrecke
          Dramatischer Schlusspunkt: Agüero trifft zum Sieg. Boateng kann es nicht fassen :

          Den ersten, wohl spielentscheidenden Fehler hatte allerdings Medhi Benatia begangen, der aus Rom gekommene Verteidiger, der dem enteilten Agüero ungeschickt den Ball weggrätschen wollte, dabei aber dessen Beine erwischte. Es gab die Rote Karte wegen Notbremse und einen Elfmeter, den der Gefoulte selber verwandelte (21. Minute).

          Danach bekamen die Bayern das Spiel auch zu zehnt in den Griff. Sie kamen trotz siebzigminütiger Unterzahl auf einen Ballbesitz von 56 Prozent. Noch vor der Pause gelang es ihnen, durch einen schlauen, verdeckten Freistoß von Xabi Alonso in die Torwartecke von Joe Hart (40.) und einen Kopfball von Robert Lewandowski nach starker Flanke von Jerome Boateng (45.), die Partie zu drehen.

          Doch am Ende schenkten sie es her, ausgerechnet durch zwei Fehler von Alonso und Boateng, wie man sie seit Saisonbeginn von diesen bisher zuverlässigsten Spielern im Team noch nicht gesehen hatte. Zweimal konnte Agüero dadurch in der 85. und 90. Minute allein aufs Tor zulaufen. Er ließ sich die Chance zu seinen Saisontoren Nummer 16 und 17 (in 22 Spielen) nicht entgehen.

          Damit ist Agüero erst der zweite Spieler, der gegen die Bayern in der Champions League dreifach traf – nach Roy Makaay, der 2002 alle Treffer für Deportivo La Coruña beim 3:2 gegen die Münchner schoss. Und er ist ebenfalls erst der zweite, der Manuel Neuer in dessen bisher 173 Spielen im Bayern-Tor in neunzig Minuten dreimal überwinden konnte – nach Lewandowski beim 5:2-Finalsieg im DFB-Pokal 2012 mit Borussia Dortmund. Beide, Makaay und Lewandowski, landeten danach übrigens bei den Bayern.

          „Wir haben zwei, drei Fehler gemacht“

          „Es war ein sehr gutes Spiel von uns trotz der Niederlage“, fand Lewandowski, der die beiden späten Gegentore nach seiner Auswechslung auf der Bank erlebte. „Wir haben in den letzten zehn Minuten zwei, drei Fehler gemacht. Aber wir haben sehr gut mit zehn Mann gespielt.“ Trainer Guardiola hätte es leicht nehmen können, als improvisierte Übungseinheit in Unterzahl etwa. Doch seine entsetzte Reaktion auf den Fehlpass Alonsos vor dem 2:2 zeigte, wie wild entschlossen er war, dieses Spiel zu gewinnen, obwohl sein Team längst als Gruppensieger feststand.

          Dennoch überwog auch in seiner Einschätzung das Positive. „Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir haben nicht viel zugelassen und das Spiel kontrolliert. Aber das ist Champions League. Es ist gut, dass es heute passiert ist, vielleicht ist es eine Lehre für uns. Denn wenn so etwas im Achtelfinale oder Viertelfinale passiert, bist du raus.“

          Alonso war sich seiner Schuld bewusst. „Wir hatten das Spiel unter Kontrolle, und dann haben diese beiden Fehler alles über den Haufen geworfen“, sagte der Spanier, der bis zu dieser 85. Minute einen nahezu perfekten 33. Geburtstag erlebt hatte. Dann „haben sie meinen Pass einfach abgefangen. Die Situation hat sich gedreht und man hat gemerkt, dass wir ein Mann weniger waren.“

          Damit haben die Bayern das erklärte Ziel verpasst, einen der wenigen Rekorde zu jagen, der ihnen in ihren Statistiken fehlt – nämlich zu den bisher nur fünf Mannschaften aufzuschließen, denen in 22 Jahren Champions League eine perfekte Vorrunde mit sechs Siegen in sechs Spielen gelungen ist.

          Die Bayern waren ungewöhnlich schläftig

          Anders als 2011, als die Bayern ebenfalls schon vor der Reise nach Manchester fürs Achtelfinale qualifiziert waren und dort mit einem besseren B-Team 0:2 verloren, bot Guardiola bis auf die Weltmeister Müller und Götze seine aktuell bestmögliche Elf auf. Dennoch gab das Team, wie beim 2:3 im vergangenen Dezember im Heimspiel gegen City, einen Vorsprung noch aus der Hand. Und wie damals kam der letzte Fehler von dem inzwischen zu einem fast fehlerlosen Innenverteidiger gereiften Boateng.

          So scheint es, dass ausgerechnet Manchester City, ein Team, das die Bayern mit ihrer Ballkontrolle in jeder Partie fast vollständig zu dominieren verstehen, wenn sie konzentriert bleiben, etwas Einlullendes auf sie hat. Am Ende werden sie dann ungewohnt schläfrig. Vielleicht ist es ja das Rezept, nach dem die bisher chancenlose deutsche Konkurrenz gegen die Bayern sucht: eine Baldrian-Taktik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die britische Premierministerin Liz Truss in Prag

          Energiekrise in Großbritannien : Wäsche nur noch nachts waschen

          Den Briten drohen wohl doch Stromausfälle. Premierministerin Truss will das aber nicht aussprechen, eine Energiesparkampagne ließ sie stoppen. Kritiker sehen darin eine „idiotische Entscheidung“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.