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Champions League : Zidane und Real Madrid stehen am Abgrund

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Angeschlagen und angezählt: Real-Trainer Zinedine Zidane Bild: Picture-Alliance

Real Madrid droht in der Champions League das erstmalige Aus in der Gruppenphase. Die Niederlage in der Ukraine ist eine Blamage. Trainer Zinedine Zidane ist deutlich angezählt und wirkt persönlich angeschlagen.

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          Stark angeschlagen schleppte sich Zinedine Zidane für eine seiner womöglich letzten Durchhalteparolen vor die Kameras. „Ich werde nicht zurücktreten, ganz und gar nicht“, murmelte der Trainer von Real Madrid ins Mikrofon, „wir müssen diese Situation durchstehen.“ Ob mit oder ohne Zidane scheint nach der nächsten Blamage in der Königsklasse dennoch offener denn je.

          Champions League

          Denn dem Rekordgewinner droht erstmals in der Vereinsgeschichte der K.o. in der Champions-League-Gruppenphase – die Königlichen blicken nach dem 0:2 (0:0) bei Schachtjor Donezk in den Abgrund. Das Team um Nationalspieler Toni Kroos darf auf keinen Fall am kommenden Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) gegen Borussia Mönchengladbach verlieren. Es wird zur „Feuerprobe“ (Marca) für Real, selbst ein Unentschieden könnte das Aus bedeuten – auch für Zidane.

          Einen Rückzug schloss er zwar zunächst aus, doch der Klub könnte ihm die Entscheidung abnehmen. Der Erfolgscoach, der die Madrilenen in seiner ersten Amtszeit zur besten Vereinsmannschaft der Welt geformt hatte, gibt aber (noch) nicht auf. Es habe in diesem Verein immer „heikle Momente“ gegeben. „Wenn es eine schlechte Phase gibt, bleibt keine andere Wahl, als sich gegenseitig zu helfen“, sagte der Weltmeister von 1998. Nun, in solch „schwierigen Zeiten“, gehe es darum, „Charakter und Stolz“ zu zeigen.

          In spanischen Medien wird jedoch bereits spekuliert, dass Zidane selbst ein Weiterkommen nicht reichen könnte. Denn auch in der Liga enttäuscht der seit über einem Monat sieglose Meister. Und nach der Partie gegen Gladbach wartet mit dem Derby Madrileno gegen Atletico gleich das nächste Schicksalsspiel. Es seien „die schlimmsten Momente“ für Zidane in Madrid, schreibt die spanische Sportzeitung AS.

          Der 48-Jährige, der stets mit Charme und Temperament auftrat, hat sein Lächeln verloren. Die Leichtigkeit, mit der er drei Champions-League-Titel als Real-Coach gewann? Längst verflogen. Zidane ist trotz der Meisterschaft in der Vorsaison nicht der Heilsbringer, den die Klubführung bei der Rückkehr 2019 erwartet hatte. Bei der Analyse steht allerdings auch die Personalplanung des Klubs im Fokus: Den Verlust von Superstar Cristiano Ronaldo konnte Real noch immer nicht kompensieren.

          Und dennoch: Laut Marca sollen mittlerweile auch Teile der Mannschaft das Vertrauen in den Trainer verloren haben. Bei Schachtjor verzichtete Zidane überraschend auf Abräumer Casemiro – und musste nach Treffern von Dentinho (57.) und Manor Solomon (83.) prompt den direkten Vergleich an die Ukrainer abgeben. Bereits das Hinspiel hatte Real 2:3 verloren.

          In Spanien werden derweil bereits mögliche Nachfolger gehandelt. Favorit ist laut Marca der frühere Tottenham-Coach Mauricio Pochettino. Auch Real-Legende Raul soll zu den Kandidaten gehören. Doch an diese Dinge will Zidane noch nicht denken: „Ich habe Kraft und werde wie immer mein Bestes geben.“ Ob das reicht, ist fraglich.

          Nach dem Sieg des FC Liverpool über Ajax Amsterdam und der Qualifikation fürs Achtelfinale als Gruppensieger der Champions League war Jürgen Klopp unterdessen vor allem froh und stolz auf seine Mannschaft. „Ich bin ganz aus dem Häuschen über unsere Einstellung und den Charakter, den wir heute Abend gezeigt haben“, sagte Klopp nach Angaben der Klub-Homepage im Anschluss an das 1:0 am Dienstagabend.

          „Ich bin sehr, sehr, sehr glücklich über das Ergebnis und die Leistung unter den Umständen. Großartig.“ Liverpool musste gegen Ajax unter anderem auf Stammtorwart Alisson Becker verzichten, der nach Angaben Klopps wegen einer Muskelverletzung im hinteren Oberschenkel bis zu zwei Wochen ausfallen wird.

          Klopp entschied sich für den erst 22 Jahre alten Caoimhin Kelleher anstelle des elf Jahre älteren und viel erfahreneren Adrian als Ersatzmann zwischen den Pfosten. „Es war eine einfache Entscheidung, weil er das einfach verdient hat, aber es war auch schwierig gegen Adrian, weil er schon so gut war für uns“, sagte Klopp. Vor dem letzten Spieltag der Gruppenphase hat Liverpool nun zwölf Punkte. Atalanta Bergamo kommt nach dem 1:1 gegen den FC Midtjylland auf acht Zähler und ist Zweiter vor Amsterdam mit sieben Punkten.

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