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Klub mit großen Problemen : Wie der FC Barcelona noch seine Saison retten will

  • -Aktualisiert am

Zum Haare raufen: Lionel Messi und der FC Barcelona spielen bislang keine erfolgreiche Saison. Bild: AP

Der FC Barcelona sucht nach einer enttäuschenden Saison und der verpatzen Meisterschaft in La Liga nach einem Ausweg aus der Krise. Doch der Klub von Superstar Lionel Messi steht vor großen Herausforderungen.

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          Aurelio de Laurentiis, Filmproduzent und Vorsitzender des SSC Neapel, schäumt vor Wut. „Aus Spanien hören wir von Konfusion und Angst, aber die Uefa interessiert das alles nicht.“ Grund für den Protest: Die Italiener müssen zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League an diesem Samstagabend gegen den FC Barcelona in der katalanischen Hauptstadt antreten (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN); das Hinspiel endete 1:1.

          Champions League

          Ihr Präsident hätte lieber in Deutschland gespielt. Die gesamte Region Katalonien ist einer der Hotspots der Covid-19-Pandemie in Spanien. Doch eine Anfrage der Europäischen Fußball-Union (Uefa) beim regionalen Gesundheitsministerium ergab, dass die Partie in Barcelona keine gesundheitlichen Risiken für die Spieler bedeute. So wird am Samstag im Camp-Nou-Stadion vor leeren Rängen gespielt, entschied der Verband.

          Die Sorge der Italiener vor einer Ansteckung in Spanien ist verständlich. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt seit Juli im ganzen Land rasant zu, von rund 60 Neuinfizierten an einem Tag auf zuletzt mehr als 1600. Die Behörden sind stark in der Kritik, weil sie vorbeugende Maßnahmen vernachlässigt haben, wodurch die Ansteckungen wieder außer Kontrolle geraten sein sollen. Katalonien und Barcelona gehören seit Wochen zu den Hotspots. Über 150 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner hat die Region zuletzt in den vergangenen beiden Wochen verzeichnet. Dies ist einer der höchsten Werte in der sogenannten 14-Tage-Inzidenz im ganzen Land. In Italien sind es nur 6,2 Fälle pro 100.000 Einwohner in den vergangenen beiden Wochen.

          Abgeschottete Fußballprofis

          Die Situation auf den Straßen ist allerdings nicht auf den Profifußball übertragbar. Die Profis leben auch in Spanien völlig abgeschottet vom Rest der Welt, isoliert von den Sorgen in der Stadt. Die Spanier nennen das „Fußball in der Blase“, mit zahlreichen Tests auf das Virus, wie auch in der Bundesliga. So konnte Spanien auch den Spielbetrieb der Liga am 19. Juli beenden – Real Madrid wurde Meister. Mitte Juni nach Ende der langen Spielpause wegen der Pandemie hatte das kaum jemand für möglich gehalten.

          Zum Verzweifeln: Barcelona war sich zuletzt manchmal selbst ein Rätsel.
          Zum Verzweifeln: Barcelona war sich zuletzt manchmal selbst ein Rätsel. : Bild: Picture-Alliance

          Der FC Barcelona kam im Juni zwar mit fünf positiv getesteten Spielern und Betreuern aus der Zwangspause zurück. Aber die Fälle wurden isoliert, inzwischen ist der Kader gesund. Im Kurzurlaub nach dem Ende der Liga und der Wiederaufnahme des Trainings Anfang des Monats hat sich kein Spieler infiziert. Alle sind getestet worden, und im leeren Stadion und bei den ausschließlich per Video abgehaltenen Pressekonferenzen werden sich die Spieler auch nicht bei Zuschauern oder Journalisten anstecken.

          Trainer Quique Setién kann fast auf den gesamten Kader zugreifen. Nur der frühere Dortmunder Ousmane Dembélé wird wohl kaum auf der Bank oder überhaupt im Stadion sitzen. Er hat nach vier Muskelverletzungen in der Saison erst diese Woche wieder trainieren können. Angeblich sucht Barça für ihn einen neuen Verein, auch um Geld für Verstärkungen frei zu haben. Antoine Griezmann wird nach einer Oberschenkelverletzung hingegen wieder im Kader sein.

          Keine gute Saison für Barca

          Obwohl er bei der Aufstellung aus dem Vollen schöpfen kann, wirkt Trainer Setién nicht glücklich. Die Saison lief nicht gut, neun Punkte hat Barça in der Liga nach der Corona-Pause abgegeben und damit die Meisterschaft an Real verloren. Der Trainer kam damit in die Kritik der eigenen Spieler. Nach einem 2:2 in Vigo forderte Luis Suárez, Setién müsse eine Lösung für das schlechte Spiel Barças finden. Die fand er anscheinend nicht, denn zwei Spieltage vor Schluss erklärte der Stürmer aus Uruguay, die Meisterschaft sei verloren, obwohl zumindest rechnerisch noch alles möglich war.

          Und als Barcelona zu Hause am vorletzten Spieltag gegen Osasuna verloren hatte, fand Messi, dass die Mannschaft seit Januar schon schlecht spiele. Die Spieler müssten sich selbst in die Kritik nehmen, er forderte aber auch eine „globale Kritik“ – eine Spitze gegen die Klubführung und den Trainerstab. Setién hatte im Januar Ernesto Valverde als Trainer abgelöst. Zwar spielte Barça schon unter Valverde keine überzeugende Saison und hatte in der Liga bis Januar schon 17 Punkte abgegeben. Und Misstöne waren schon da aus der Mannschaft besonders gegen die Klubführung aufgekommen. Aber als Valverde im Januar ging, führte Barça die Tabelle noch an.

          Nun hoffen alle auf einen Neuanfang in der Champions League. Trainer und Kapitän trafen sich zu einer Krisensitzung. Nach dem 1:1 im Hinspiel in Neapel hat der FC Barcelona gute Chancen auf ein Weiterkommen, und Dauerläufer Ivan Rakitic erklärte kurz vor dem Spiel, auch ein Sieg in der Champions League sei möglich, die Saison wäre dann gerettet. Auch Messi spricht von vier Spielen, in denen die Mannschaft für eine Sensation sorgen könne. Optimistisch klang er zuletzt trotzdem nicht: „Wir können so nicht weitermachen. Dieser Wettbewerb beginnt bei null, und wir müssen viele Dinge ändern.“

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