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Real in der Champions League : Mendy sticht Marcelo aus

  • -Aktualisiert am

Der neue Linke in Madrid: Ferland Mendy Bild: AFP

Da hilft auch sein fröhliches Lächeln nichts: Der Brasilianer Marcelo ist bei Real Madrid nicht mehr gefragt, anders als die Härte von Linksverteidiger Mendy. Das hat einen Grund.

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          Da hilft auch sein fröhliches Lächeln nichts. Es ist nicht die beste Saison in der Karriere von Marcelo Vieira bei Real Madrid, nicht auf dem Spielfeld und auch nicht daneben. Niemand im ganzen Team streichelt den Ball schöner als der Brasilianer, kein Außenverteidiger gibt dem Offensivspiel bessere Akzente als er. Und trotzdem ist er in dieser Saison nur auf 17 Einsätze gekommen, nur 13 Mal ließ Trainer Zinédine Zidane ihn 90 Minuten lang durchspielen. Das liegt auch an zwei Verletzungen – im Nacken und an der Wade – während dieser Spielzeit. Und zu alledem musste er jetzt auch noch vor Gericht aussagen. Er war mit seiner Sportlimousine in der Nähe des Trainingsgeländes von Real Madrid wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt worden – obwohl seine Fahrerlaubnis aufgrund des Punktesystems für Verstöße abgelaufen ist.

          Champions League

          Einen seiner denkwürdigsten Auftritte im weißen Trikot von Real hatte Marcelo am 18. April 2017. Damals war Bayern München zum Viertelfinale der Champions League im Bernabéu-Stadion zu Gast, und Marcelo marschierte die Außenlinie hoch und runter. Die Bayern gingen zweimal in Führung, aber Cristiano Ronaldo gelang ein Hattrick, am Ende gewann Madrid 4:2. Marcelo klärte im Spiel mehrmals auf der Linie und schaltete gleichzeitig blitzschnell in die Offensive um. Kein Ball versprang ihm, er dribbelte mehrere Bayern-Spieler nacheinander aus und legte dann für Ronaldo, mit dem er sich stets blind verstand, zum Tor auf. Marcelo war auf dem sportlichen Höhepunkt; die Madrider Sportpresse feierte ihn als besten Außenverteidiger der Welt, vier Champions-League-Titel (2014, 2016, 2017 und 2018), waren der verdiente Lohn.

          Endlich zuverlässiger Ersatz

          Doch sein Beispiel zeigt auch, wie schnell Spieler mit einer solch dynamischen Spielweise ihren Leistungszenit überschreiten. Drei Spielzeiten später plagen ihn Verletzungen, er kommt nicht in den Rhythmus, und wenn er spielt, kann er kaum noch entscheidende Akzente in der Offensive setzen. Und beim Spurt zurück in die Verteidigung ist er auch nicht mehr so schnell wie einst. Die drei Niederlagen seines Teams in dieser Saison sind nicht seine Schuld, aber bei zweien davon stand er auf dem Feld. Er hat noch einen Vertrag bis Sommer 2022, dann wird er 34 Jahre alt sein und 15 Jahre bei Real Madrid gespielt haben.

          Dass Marcelo inzwischen weniger spielt, liegt auch daran, dass der Verein endlich einen zuverlässigen Ersatz für die Position des linken Verteidigers gefunden hat. Ferland Mendy ist weniger offensiv, stabilisiert dafür aber die Abwehr. Statistiker haben festgehalten, dass Marcelo dreimal pro Begegnung den gegnerischen Strafraum betritt, Mendy weniger als zweimal. Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Franzosen auf dem Feld kein Gegentor zu bekommen, ist hingegen deutlich größer. Nach dem zuverlässigen Casemiro im defensiven Mittelfeld gewinnt Mendy die meisten Zweikämpfe. Der 24-Jährige spielt ein wenig wie derzeit das gesamte Team: deutlich weniger spektakulär als einst, aber effektiv. Nur 17 Tore hat Real Madrid in der Liga in dieser Saison hinnehmen müssen, so wenige wie sonst keine Mannschaft.

          Manchmal verletzt, manchmal nur auf der Bank: Marcelo (Mitte)

          Auf Marcelos Position experimentiert Real schon lange. Zidane hatte dafür ursprünglich 2017 Theo Hernández, Bruder des Bayern-Profis Lucas Hernández, von Atlético Madrid geholt, aber bald auch wieder aussortiert. Auch Nachwuchstalent Sergio Reguilón konnte sich nicht durchsetzen. Ferland Mendy von Olympique Lyon hingegen stand auf dem Einkaufszettel vieler Vereine, bei Juventus, Neapel oder auch beim FC Barcelona, erklärte sein Manager Yvan Le Mée bei der Verpflichtung. Zidane hingegen musste sich nicht lange bemühen: „So eine Gelegenheit hat ein Spieler einmal im Leben. Da kann man nicht nein sagen“, sagte Le Mée.

          Hart wie ein Ziegelstein

          „Um zu wissen, wohin du gehst, musst du wissen, woher du kommst“, schrieb Mendy in den sozialen Netzwerken kurz vor seiner Verpflichtung, dazu das Wort „Stolz!“. Er kam vor 24 Jahren im Städtchen Ecquevilly als Sohn senegalesischer Einwanderer zur Welt, direkt am Pariser Stadtrand im Tal des Seine-Stroms. Dort verehren ihn die Jugendlichen vom örtlichen Kulturklub Mosaique bis heute, auch wenn er schon früh wegging, zunächst zur Jugend von Paris Saint-Germain in die Hauptstadt.

          2015 unterschrieb er bei Le Havre seinen ersten Profivertrag, vor zwei Jahren holte ihn Olympique Lyon an die Rhone, bevor nun Zidane anklopfte. Der 1,80 Meter große Franzose gilt auch bei seinen Mitspielern von Real Madrid als beinharter Verteidiger. Zu Weihnachten schenkten sie ihm zum Scherz einen Ziegelstein, weil er auch im Training immer so hart einsteigt. Alles spricht dafür, dass dies an diesem Mittwoch (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) auch die Stürmer von Manchester City im Champions-League-Achtelfinalhinspiel erfahren werden – und Marcelo sich die Begegnung von der Bank aus ansehen muss.

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