https://www.faz.net/-gtm-a4wvp

0:5-Niederlage in Manchester : Lehrreiche Vorführung für Leipzig

  • -Aktualisiert am

Sein Sakko sorgte für Aufsehen: „Ich bin Fußballtrainer und kein Model“, meint Julian Nagelsmann dazu. Bild: dpa

Manchester United legt beim 5:0-Kantersieg in der Champions League die Leipziger Schwächen offen. RB muss auf die Schnelle dazulernen. Und die nächste schwere Prüfung kommt schon sehr schnell.

          3 Min.

          Was die Bewältigung der Niederlage anging, erinnerte Julian Nagelsmann nach dem 0:5 bei Manchester United an eine prägende Person des deutschen Fußballs. Wie Uli Hoeneß, der einst die antizyklische Kritik als Stilmittel für sich entdeckt hatte, war der Trainer von RB Leipzig eher um versöhnliche Worte bemüht. „Das Ergebnis fühlt sich nicht gut an, liest sich aber auch deutlicher, als es war“, sagte Nagelsmann, der das Resultat auf eine einfache Rechnung runterbrach: „Das 0:5 ist eine Packung, aber kein Drama.“

          Champions League

          Damit hatte Nagelsmann insofern Recht, da seine Mannschaft die Begegnung über drei Viertel der Spieldauer ausgeglichen gestalten konnte. Ausgenommen waren die letzten zwanzig Minuten, in denen Manchester vier Tore schoss. Drei davon der eingewechselte Marcus Rashford. „Das kann man schon besser machen“, sagte Nagelsmann nach der höchsten Niederlage, die er als Trainer von RB Leipzig hinnehmen musste.

          Deutlichere Worte fand Angreifer Yussuf Poulsen, der mit der Einstellung am Ende des Spiels haderte. „Wir sind aus welchem Grund auch immer zusammengefallen und haben nicht mehr so aktiv verteidigt“, sagte der Däne. Was von United sofort bestraft wurde. Die 90 Minuten im Old Trafford machten deutlich: Leipzig ist – anders als so manche Spitzenmannschaft – längst noch nicht in der komfortablen Lage, sich in der Champions League kleinere Nachlässigkeiten leisten zu können.

          Überhaupt erinnerte das Spiel in einigen Belangen an eine andere deutliche Niederlage, die Leipzig in jüngerer Vergangenheit auf diesem Niveau hinnehmen musste. Wie beim 0:3 im Halbfinale gegen Paris bestrafte der Gegner konsequent jeden noch so kleinen Fehler. Vor dem 0:1 lief Mason Greenwood seinen Gegenspielern im Rücken davon, beim 0:2 schob die Leipziger Abwehr arg hoch und wurde von Rashford überrascht. Beide Tore wurden erst nach längerer Betrachtung durch den Videoschiedsrichter gegeben, das erste fiel aus stark abseitsverdächtiger Position. „Die Linie war schon sehr, sehr krumm. Das sollte mit Videoschiedsrichter nicht passieren“, sagte Nagelsmann.

          Hinzu kam, dass einige Stammkräfte nicht ihren besten Abend erwischten. Dayot Upamecano war nicht der gewohnte Ruhepol in der Abwehr, Kevin Kampl fand nicht richtig ins Spiel und Angeliño konnte sich auf der Außenbahn zu selten durchsetzen. Auch das kam bekannt vor: Im entscheidenden Moment und auf höchstem Niveau war RB nicht in der Lage, an die Leistungsgrenze zu kommen.

          Obwohl seine Mannschaft mehr Ballbesitz und Spielanteile hatte und dem Ausgleich zeitweise näher war als Manchester dem zweiten Treffer, offenbarte der Vortrag weitere Leipziger Schwächen. Anders als die meisten Gegner in der Bundesliga attackierte Manchester Leipzigs Außenbahnspieler und die zentralen Mittelfeldspieler sehr aggressiv, sobald diese den Ball hatten. Der permanente Druck bekam den Leipzigern nicht und führte zu ungewohnten Ungenauigkeiten im Spielaufbau.

          Marco Rose, Gladbachs Trainer und kommender Gegner von Leipzig am Samstag in der Bundesliga, dürfte das zur Kenntnis genommen haben. Offensiv gelang es den Sachsen zu selten, Manchesters zwar robuste, aber langsame Verteidigung vor Probleme zu stellen. „Am Ende waren wir nicht gefährlich genug. Wir hätten im letzten Drittel bessere Lösungen mit tieferen Läufen finden müssen“, sagte Emil Forsberg.

          Diese Leipziger Paradedisziplin verhinderte Manchester mit einer tiefen Staffelung, energischer Zweikampfführung und hohem Laufaufwand. Seinem brasilianischen Mittelfeldspieler Fred bescheinigte Manchesters Trainer Ole Gunnar Solskjaer hinterher, „jeden Zentimeter Gras auf dem Feld“ abgelaufen zu haben. Überhaupt war es Solskjaers Abend. Den Gegner überraschte er mit einer für seine Mannschaft untypischen Taktik.

          Der Norweger ordnete im Mittelfeld eine Raute an, was seinen Gegenüber Nagelsmann schon früh in der ersten Halbzeit zur Umstellung seines 3-5-2-Systems zu einem 4-2-3-1 zwang. Nagelsmann wollte im Anschluss zwar keinen Schuss mehr auf das Leipziger Tor ausgemacht haben, doch die Änderung verlor mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr an Wirkung. In der zweiten Halbzeit hatte sich Manchester auf die neue Formation eingestellt und setzte einen gefährlichen Konter nach dem anderen.

          Zurück flog der Leipziger Tross in dem Gefühl, einem keineswegs übermächtigen Gegner unnötig Auftrieb gegeben zu haben. Bis zum Mittwoch war Manchester in fünf aufeinanderfolgenden Heimspielen ohne Sieg geblieben, besitzt aber in der engen Gruppe mit Paris Saint-Germain und Basaksehir nach zwei Siegen nun die beste Ausgangssituation. Anders als Leipzig, das sich vor den anstehenden Duellen mit Paris selbst unter Druck gesetzt hat. Die zwei Spiele gegen den französischen Meister werden wohl über den Einzug ins Achtelfinale entscheiden. Julian Nagelsmann und seine Mannschaft müssen dann zeigen, dass sie in einem vollgepackten Spielplan sehr schnell dazulernen lernen.

          Champions League

          Weitere Themen

          Typisch Leipzig

          RB in Champions League : Typisch Leipzig

          RB Leipzig kommt beim wilden 4:3 in Istanbul wieder nur mit großem Aufwand zum Erfolg. Am Ende aber freut sich der Bundesligaklub nicht nur über den Sieg beim türkischen Meister.

          Topmeldungen

          Langer Winter: Zwei Polizisten am Mittwoch auf dem Roten Platz in Moskau

          Repressionen in Russland : In der Krise wächst die Paranoia

          Corona, eine schwache Wirtschaft und Proteste: Wladimir Putins Machtapparat sieht sich in Russland vielen Krisen ausgesetzt. Und erhöht deswegen den Druck auf Opposition und Zivilgesellschaft.
          Maye Musk ist die Mutter des Unternehmers Elon Musk. Am Donnerstag erscheint ihre Autobiographie „Eine Frau, ein Plan“.

          Maye Musk : „In unserer Familie nimmt niemand frei“

          Wer Elon Musk verstehen möchte, muss seine Mutter Maye kennen lernen. Im Interview spricht sie über Abenteuertouren in der Wüste, ihre Modelkarriere mit 70 und wie sie einst aus Armut auf Dates verzichtete.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.