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Champions League : Leipzig schockt Tuchel und Paris

  • -Aktualisiert am

Drei Punkte für Julian Nagelsmann (links) und RB Leipzig gegen Paris: Thomas Tuchel (rechts) geht leer aus. Bild: dpa

Auch eine schnelle Führung hilft dem Millionenensemble von Paris Saint-Germain gegen RB Leipzig nicht. Weil das Team von Trainer Julian Nagelsmann nicht aufgibt – und PSG-Coach Thomas Tuchel keine Lösung mehr findet.

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          Revanche? Gibt es nicht für ein verlorenes Champions-League-Halbfinale. Dieses Duell war eher ein Wiedersehen unter veränderten Bedingungen mit veränderten Mannschaften. Dass Julian Nagelsmann, der Trainer des Bundesligadritten RB Leipzig, trotz zuletzt zweier Niederlagen seiner Mannschaft – 0:5 bei Manchester United, 0:1 bei Borussia Mönchengladbach – der nächsten Begegnung mit dem Starensemble von Paris Saint-Germain zuversichtlich entgegensah, hatte eher mit der Personalkonstellation beim Gegner in diesem Champions-League-Spiel der Gruppe H zu tun.

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          Paris ohne die verletzten Superstars Neymar und Mbappé, das war etwa so wie der Ausfall der Bayern-Stars Lewandowski und Müller bei einer Begegnung auf ähnlich hohem Niveau. „Es ist definitiv nicht der falsche Moment, um gegen PSG zu spielen, da fehlen zwei herausragende Spieler“, hatte Nagelsmann die Lage vor der Probe aufs Exempel am Mittwochabend im eigenen Stadion eingeschätzt. Ein 0:3 wie am 18. August bei dem dann doch aussichtslosen Versuch, im Endspiel in Lissabon dabei zu sein, erschien auf den ersten Blick diesmal so gut wie ausgeschlossen.

          Am Ende stand diesmal ein Leipziger Sieg nach einer schwachen ersten und erheblich stärkeren zweiten Hälfte, in der die Sachsen spät, aber noch rechtzeitig ihre Qualitäten ausspielten. Nach der Pariser Führung durch Di Maria (8. Minute) wendeten Nkunku (42.) und Forsberg (57./Handelfmeter) das Spiel gegen die am Ende nach der Gelb-Roten Karte gegen Gueye (69.) und Kimpembe (90.4) dezimierten Franzosen das Spiel. Der 2:1-Erfolg eröffnet den Leipzigern, zumal nach der 1:2-Niederlage von Manchester United bei Basaksehir Istanbul in der Gruppe H gute Chancen auf ein Weiterkommen. Nach drei Spieltagen belegt RB Platz zwei.

          Dass RB mit einem 1:1 in die Pause gehen konnte, war der einzige Leipziger Glücksfall während der ersten 45 Minuten. Paris nämlich bestimmte, was und wie gespielt wurde gegen einen seltsam lässigen bis fahrlässigen Gegner. Hier ein unbegreiflicher Fehlpass, dort ein dilettantisch geführter Zweikampf und dann noch ein paar ungeschickte Fouls gegen einen Widersacher, der mit einem ganz anderen Selbstverständnis in ein Spiel ging, das auf Leipziger Seite wie ein Test auf dem eigenen Trainingsgelände anmutete.

          Früh gelang PSG nach einem kapitalen Fehler des zuletzt öfters mal wackligen Innenverteidigers Upamecano das 1:0, den der italienische Jungstar Kean ausnutzte. Dessen Vorlage zu Di Maria nutzte der erfahrene Argentinier zum Führungstreffer. Dass er wenig später nach Upamecanos Handspiel im Strafraum bei einem schwach, weil halbhoch und mittig geschossenen Strafstoß an Torhüter Gulacsi scheiterte (16.), rächte sich kurz vor der Halbzeit nach zwei Abseitstoren und weiteren Chancen des deutlich überlegenen französischen Meisters. Nkunku, im Vorjahr von PSG zu RB gewechselt, nutzte seine Gelegenheit zum Ausgleich mit einem plazierten Flachschuss ins linke Eck.

          Sicher vom Punkt: Emil Forsberg trifft für Leipzig zum 2:1.
          Sicher vom Punkt: Emil Forsberg trifft für Leipzig zum 2:1. : Bild: Reuters

          Ein Pausenergebnis, das den bis dahin unkonzentrierten Leipzigern frischen Mut machen sollte. Und tatsächlich: Die Mannschaft präsentierte sich nun griffiger, mutiger, entschlossener als zuvor und profitierte zudem von einem Pariser Patzer, als Kimpembe im Strafraum ein Handspiel unterlief, das der polnische Schiedsrichter Marciniak auf Hinweis des Videoassistenten und einem zweiten Blick auf den Stadionbildschirm auch erkannte, ehe er danach auf Elfmeter für Leipzig entschied. Der Schwede Emil Forsberg, schon in der ersten Hälfte der aufmerksamste Leipziger Angreifer, nutzte die Gelegenheit mit einem plazierten Flachschuss zur 2:1-Führung. Das Spiel war gedreht, weil die Sachsen im Gegensatz zu den Parisern ihr Momentum genutzt hatten.

          Die Franzosen, frustriert ob der Wende im Spiel, ließen sich danach zu ein, zwei Fouls zu viel hinreißen, so dass erst der schon vor der Pause verwarnte Gueye nach seinem zweiten Tritt gegen das Bein seines Gegenspielers Haidara per Gelb-Roter Karte zum Gehen veranlasst wurde (73.) und kurz vor Schluss auch noch Presnel Kimpembe mit Gelb-Rot vom Platz flog (90.+3). Sinnbildlich für die zerfledderte zweite Halbzeit des Tabellenführers der Ligue 1. Die Leipziger dagegen zeigten nun spielend und kämpfend zugleich, warum sie zuletzt auch international zu einer in Europa beachteten Mannschaft aufgestiegen sind.

          „Mit dem Elfmeter haben wir ein bisschen Glück, aber danach haben wir uns gut gefangen und haben verdient gewonnen“, sagte Nagelsmann anschließend im DAZN-Interview. „Super“, kommentierte der glückliche Siegtorschütze Forsberg und ergänzte: „Das war ein wichtiger Treffer, ein  wichtiger Sieg für uns. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir haben mit Mut gespielt, wir waren hungrig, wir wollten unbedingt gewinnen und das hat man heute auch gesehen. Wir haben es super gemacht!“.

          Dagegen war PSG-Profi Thilo Kehrer die Enttäuschung anzusehen. „Es hat gefehlt, dass wir nach dem 1:0 weiter die Kontrolle über das Spiel behalten. Wir haben uns von der Hektik von Leipzig anstecken lassen“, sagte der deutsche Fußball-Nationalspieler, der in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. „Hätten wir das 2:0 gemacht und das Spiel beruhigt, hätten wir gewinnen können.“

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