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Champions League : Werner lässt RB vom Viertelfinale träumen

Mit seinem Elfmetertreffer stößt Timo Werner die Tür für Leipzig zum Viertelfinale weit auf. Bild: Reuters

Mourinho beschwört den Kampf gegen höhere Mächte, Leipzig zeigt den stärkeren Fußball. Vom Elfmeterpunkt stößt Timo Werner für RB die Tür zum Viertelfinale weit auf.

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          Liebe auf den ersten Blick – das war London für Julian Nagelsmann offenbar nicht. Für den Leipziger Trainer war es der erste Besuch in dieser Weltstadt, auch des Fußballs, und das genügte ihm, um sich für das nächste Mal schon etwas vorzunehmen: mit der U-Bahn zu fahren, um nicht wieder im Verkehr steckenzubleiben. Aber das war nur ein touristischer Randaspekt dieser aus anderen Gründen ganz besonderen Reise: Nicht um Nagelsmann ging es in erster Linie. Auch nicht um sein Duell mit José Mourinho, wenngleich die Bezeichnung „Mini-Mourinho“, die Tim Wiese ihm zu Hoffenheimer Zeiten verpasst hatte, den Stoff für schöne Schlagzeilen lieferte. Ein „Special One“ war dieses Spiel bei Tottenham Hotspur für ganz RB Leipzig, das erste K.-o.-Duell in der Königsklasse überhaupt. Und wenn man den Bogen etwas weiter spannte, über die große Leipziger Fußballtradition einerseits und den Niedergang des Fußball-Ostens andererseits, dann steckte noch ein bisschen mehr in diesem Achtelfinal-Hinspiel. Und die Leipziger zeigten sich dem Anlass in jeder Hinsicht gewachsen.

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          Nach dem verdienten 1:0-Sieg des Bundesliga-Zweiten beim Fünften der Premier League stehen die Chancen gut, dass es eine Runde weitergeht. Timo Werner sorgte per Foulelfmeter in der 58. Minute für eine sehr gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 10. März in Leipzig – die allerdings sogar noch besser hätte sein können angesichts der vielen Chancen, auch aus dem Spiel heraus den einen oder anderen Treffer mehr zu erzielen. Wie es zum Tor-Stau in London gekommen war, wird Nagelsmann in aller Ruhe besprechen. Ansonsten aber dürfte die Stadt ihm dank des Auftritts seiner Mannschaft doch ans Herz gegangen sein.

          Während zur Einstimmung Lichtblitze durch das Rund im prächtigen Spurs-Stadion kreisten, wurde das Credo der Klubs zelebriert: „To dare is to do“, Wagemut als Schlüssel für alles. Die meisten Londoner hatten gerade erst Platz genommen, als Nagelsmanns Team das Motto kaperte und innerhalb von nur 90 Sekunden gleich drei Mal der Führung nah war. Erst schoss Schick rechts vorbei, dann bot sich Werner und Angelino eine Doppelchance. Werners etwas halbherziger Versuch wurde geblockt, der von Angelino landete, noch abgelenkt von Torwart Lloris, am Pfosten. Dann tauchte Werner von rechts auf, die Distanz war vielversprechend, der Winkel aber etwas spitz. Wieder nichts. Aber Eindruck hatten die Leipziger gemacht. Sie dominierten, gaben das Tempo vor, jagten die Spurs von einer Zwangslage in die nächste. Entlastung für den Vorjahres-Finalteilnehmer war selten. Aber wenn, dann wurde es durchaus gefährlich, wie in der 8. Minute, als Gulacsi einen Schuss von Bergwijn parierte.

          Mourinhos Kampf gegen höhere Mächte

          Der unruhigere der beiden Trainer war Nagelsmann. Er findet auch im sehr Guten noch viel Verbesserungswürdiges. Mourinho schien von dem, was er sah, nicht aus der Fassung gebracht. Der Portugiese hat die ermatteten Spurs belebt nach der Trennung von Mauricio Pochettino im November. Der Rückstand auf den Champions-League-Platz vier schmolz von zwölf auf einen Punkt – auf ganz untypische Art. Anstatt mit Zähnen und Klauen das eigene Tor zu verteidigen, lässt Mourinho die Spurs stürmen, 3:2 ist unter ihm (neben 2:1) das häufigste Ergebnis.

          Vor dem Spiel gegen Leipzig aber hatte Mourinho sich in eine seiner alten Lieblingsrollen geworfen: als Kämpfer gegen höhere Mächte. Anlass war der Armbruch, den sich Heung-min Son am Sonntag gegen Aston Villa zugezogen hatte. Der frühere Bundesligaprofi fehlt womöglich bis zum Saisonende. Eine neuerliche Hiobsbotschaft, nachdem schon Harry Kane längerfristig ausfällt. Beide werden auch im Rückspiel nicht dabei sein. Mourinho schilderte das als geradezu existenzielle Notlage: Als hänge man im vierten Stock mit schmerzenden Armen über dem Balkon. Es gebe, sagte er, zwei Möglichkeiten. „Die eine ist, aufzugeben und zu fallen – und normalerweise zu sterben, weil es der vierte Stock ist. Oder wir kämpfen mit allem, was wir haben.“

          Leipziger Chancenwucher

          Je länger aber das Spiel dauerte, desto mehr verfestigte sich der Eindruck von Leipziger Überlegenheit in Kopf und Körper; wacher, schneller, hungriger. Laimer und Sabitzer machten Dampf im Zentrum, Schick weiter vorn. Dabei waren auch die Sachsen dezimiert. Weil Abwehrchef Upamecano gesperrt war und Konaté und Orban verletzt fehlen, stand kein gelernter Innenverteidiger im Kader.

          Nagelsmann vertraute die zentrale Position in der Dreierkette Ethan Ampadu an, der Leihgabe vom FC Chelsea. Nach knapp 20 Minuten verschätzte der sich bei einem langen Ball, das wäre beinahe bestraft worden. Aber alles in allem stand die Abwehr sicher. Vorne betrieb Leipzig beinahe Chancenwucher, Schick köpfte vorbei (17.), und dann stand Werner mutterseelenallein vor Lloris. Noch hakte es beim Nationalspieler nach fünf Spielen ohne Treffer, erst verpasste er den richtigen Moment, dann traf er den Ball unplatziert (36.). Das hätte die Führung sein müssen.

          Nach der Pause gab es einen Schreck-Moment für RB, als Lucas Moura zum Schuss kam, wieder rettete Gulacsi. Dann machte Werner auf der anderen Seite alles richtig. Sein Chip ins Zentrum überrumpelte die Spurs-Abwehr, Davies rempelte unbeholfen Laimer um – ein glasklarer Elfmeter. Nun hatte Werners Schuss Wucht und Präzision. Danach rannten die Spurs wütend an, Leipzig geriet in Bedrängnis, doch wirklich gefährlich wurde es nur noch zweimal, bei Freistößen. Beide Male, bei Lo Celso (73.) und bei Lamela (86.), brachte der starke Gulacsi noch seine Fingerspitzen ins Spiel.

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