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Spätes Siegtor gegen Madrid : Leipzig und Nagelsmann stürmen ins Halbfinale

Jubel nach dem Treffer zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung: Dani Olmo (links) belohnte die Leipziger Bemühungen. Bild: EPA

Zum ersten Mal überhaupt in der noch jungen Vereinsgeschichte steht RB Leipzig im Halbfinale der Champions League. Gegen Atlético Madrid zeigt der Bundesligaverein eine eindrucksvolle Leistung – und belohnt sich ganz spät.

          3 Min.

          RB Leipzig hat mit einem mutigen und selbstbewussten Auftritt überraschend, aber verdient das Halbfinale der Champions League erreicht. Der Außenseiter gewann das Viertelfinale gegen Atlético Madrid 2:1. Die Sachsen gingen durch ein Kopfballtor von Dani Olmo nach schöner Vorarbeit von Marcel Sabitzer in der 50. Minute mit 1:0 in Führung. Madrid glich durch einen Elfmeter von Joao Felix, der selbst gefoult worden war, in der 71. Minute aus. Leipzig ließ sich aber auch durch diesen Rückschlag nicht mehr von seinem Weg abbringen. Tyler Adams traf in der 88. Minute nach einer schönen Kombination mit seinem ersten Tor für Leipzig zum 2:1.

          Champions League
          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          RB verteidigte seinen Vorsprung dann mit Leidenschaft auch in der fast achtminütigen Nachspielzeit und spielt nun am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League), elf Jahre nach seiner Gründung und dem Start in der fünften Liga, gegen Paris St. Germain um den Einzug ins Finale der europäischen Königsklasse.

          „Ich bin so stolz auf die Mannschaft, auf jeden einzelnen Spieler. Hut ab. Wir wollten auf gar keinen Fall nach Hause, wir haben die Koffer für viele Tage gepackt", sagte Stürmer Marcel Sabitzer dann auch nach dem Schlusspfiff bei DAZN und fügte an: „Das war ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben eine Topleistung gezeigt.“

          Leipzig drückt aufs Tempo

          Trainer Julian Nagelsmann hatte in der Endphase der spanischen Saison die Erkenntnis gewonnen, dass Atlético nach den zahlreichen Spielen in relativ kurzer Zeit ein wenig an Energie verloren hatte. Er rechnete gegen das kampfstarke Team von Trainer Diego Simeone, das im Achtelfinale Titelverteidiger FC Liverpool besiegt hatte, mit einem körperlichen und kraftraubenden Spiel. Deswegen stellte er mit Olmo und Yussuf Poulsen zwei robuste Offensivspieler in die Startelf – um später mit spielstarken Offensivkräften wie Emil Forsberg und Patrik Schick, die zunächst auf der Ersatzbank saßen, mögliche Lücken im Madrider Block zu nutzen.

          Von Beginn an drückte Außenseiter Leipzig in Lissabon aufs Tempo – und nach 45 Minuten ließ sich sagen, dass der erste Teil von Nagelsmanns Plan aufgegangen war. Leipzig zeigte in der ersten Halbzeit einen starken und konzentrierten Auftritt, übernahm immer wieder die Spielkontrolle, zum Teil auch mit langen und schnellen Ballstafetten. Leipzig hatte 62 Prozent Ballbesitz, spielte deutlich mehr Pässe und hatte eine stärkere Passquote. Allerdings, und das war ein entscheidendes Manko im strukturierten und selbstbewussten Leipziger Gesamtauftritt: Vor dem Tor fehlte es den Sachsen an Durchschlagskraft, auch, weil es dem letzten oder vorletzten Pass immer wieder an Präzision fehlte.

          Aber vor allem machte sich der Verlust von Timo Werner bemerkbar, seine Schnelligkeit und Unberechenbarkeit fehlten dem Leipziger Spiel weit mehr, als Nagelsmann das erhofft und vielleicht auch erwartet hatte. Die beste Chance in der ersten Halbzeit hatte daher auch Madrid, doch Torwart Gulacsi wehrte den Schuss von Carrasco aus gut zehn Metern zur Ecke ab.

          Diskussionsbedarf mit dem Schiedsrichter: Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann (rechts) beim Viertelfinale gegen Atlético Madrid
          Diskussionsbedarf mit dem Schiedsrichter: Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann (rechts) beim Viertelfinale gegen Atlético Madrid : Bild: EPA

          Nach der Pause dauerte es nur sechs Minuten, bis Leipzig seine einzige Schwäche korrigiert hatte – die Abschlussschwäche. Nach einem schönen Spielzug flankte Sabitzer von der seitlichen Strafraumgrenze gefühlvoll in die Mitte, wo Olmo den Ball mit Anlauf und Übersicht mit dem Kopf unhaltbar in die linke Ecke köpfte. Es war Olmos drittes Tor in dieser Champions-League-Saison, die beiden anderen hatte er in der Gruppenphase noch für Dinamo Zagreb erzielt.

          Atlético-Trainer Simeone reagierte auf den Rückstand mit der Einwechslung von Joao Felix, der zu Saisonbeginn für 126 Millionen Euro von Benfica Lissabon gekommen war, sich aber in Madrid bisher nicht durchsetzen konnte. Felix brachte sogleich Unruhe in Leipzigs Defensive um den starken Upamecano. Nur dreizehn Minuten nach seiner Einwechslung erzielte Felix den 1:1-Ausgleich mit einem Foulelfmeter, den Halstenberg an ihm verursacht hatte.

          Danach entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel, Torchancen auf beiden Seiten blieben rar. Nagelsmann brachte in der 83. Minute mit Schick und Haidara zwei frische Kräfte – und durfte nur wenig später mit seiner Mannschaft jubeln. Nach einer blitzschnellen Kombination von Halstenberg über Sabitzer spielte Angelino den aufgerückten Adams mit einem klugen Querpass an der Strafraumgrenze frei, wo sich eine riesige Lücke auftat. Atlético kam in der Rückwärtsbewegung nicht mehr hinterher. Savic lenkte Adams’ Schuss dann unhaltbar ins eigene Tor ab – der größte Erfolg in der jungen Leipziger Klubgeschichte war perfekt.

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