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Champions League : Doll gegen Klopp – das wäre was

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Schafft er mit Apoel die Sensation und qualifiziert sich für die Champions League? Thomas Doll Bild: EPA

Erst Abstieg mit Hannover, nun Königsklasse mit Nikosia? Wenige Wochen nach seinem Abgang aus der Bundesliga kämpft Thomas Doll gegen Amsterdam um den Einzug in die Champions League.

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          Thomas Doll mit Apoel Nikosia in der Champions League – das wäre dann doch eine Überraschung. Überraschender noch als seine Einstellung bei Hannover 96 im Januar. Aber im Fußball geschehen immer wieder wundersame Dinge, und so könnte es gut sein, dass der 53 Jahre alte Trainer nur wenige Wochen nach dem bitteren Abstieg aus der Fußball-Bundesliga bald die Bühne der europäischen Königsklasse entert. Nur einen Sieg oder ein Remis mit Toren sind Doll und sein neuer Klub aus Zypern von der Champions-League entfernt.

          „Dolly“ in der Gruppenphase gegen Klopp, Tuchel oder Kovac im September: Da wäre dann wohl doch eine große innere Freude für den bodenständigen Mecklenburger nach sechs harten Monaten in Hannover. „Es ist beeindruckend, was gerade los ist. Ich bekomme viele, viele Nachrichten aus der ganzen Welt. So viele fiebern mit. Das ist schön. Es zeigt mir auch, dass wir in den letzten Jahren nicht so viel falsch gemacht haben. Auch und vor allem das Menschliche betreffend“, sagte er dem „Sportinformationsdienst“.

          Am 8. August begann Thomas Doll seine Arbeit auf Zypern. Wie immer mit dem treuen Assistenten Ralf Zumdick an seiner Seite. Apoel hatte gerade 1:2 gegen Qarabag Agdam aus Aserbaidschan verloren; die Champions-League-Qualifikation war akut bedroht. Am Donnerstag trainierte Doll das Team erstmals, am Dienstag drauf gewann es 2:0 in Agdam und hatte durch das Erreichen der Play-off-Runde die Teilnahme an der Europa League schon sicher. Das gab Doll Aufwind.

          Am Dienstag vor einer Woche folgte dann das 0:0 gegen Ajax Amsterdam. Es war eine Partie, in der der Halbfinal-Teilnehmer des vergangenen Jahres hellwach sein musste, um nicht sogar zu verlieren. Eine Leistung, die Doll auch für das Rückspiel an diesem Mittwoch (21 Uhr) in Amsterdam hoffen lässt: „Für mich ist es wichtig, dass meine Spieler daran glauben, das Spiel erfolgreich gestalten zu können. Das ist wichtiger als die taktische Komponente. Die Jungs sollen sich auf ihre Stärken verlassen. Ihre Standards, ihre Konterstärke, ihr kompaktes Verteidigen. Ob Verlängerung oder Elfmeterschießen – wir sind auf alles vorbereitet. Ich glaube fest daran, am Mittwoch etwas Besonderes leisten zu können.“

          Anfang August war Thomas Doll noch in Heide bei seinen Eltern gewesen. Das Haus in Dithmarschen an der Westküste Schleswig-Holsteins ist sein Rückzugsort. Er selbst lebt seit seiner Trainerzeit in Ungarn gemeinsam mit seiner Frau Edina in Budapest. In Heide hatte Doll auch noch einmal die Monate in Hannover reflektiert. Scheinbar alle Klischees, die sich über ihn verfestigt haben, wurden dort nach Meinung vieler bestätigt. Zehn Punkte holte Hannover 96 unter Thomas Doll in 15 Spielen – eine schlimme Bilanz. Mehr als einmal zählte Doll das Arbeitsethos seiner Spieler an. Doch am Ende blieb der komplette Zerfall des Kaders aus: Auf bescheidenem Niveau stabilisierte Doll den zuvor zerstrittenen Haufen sogar. Ein Abstieg ohne Selbstaufgabe, immerhin.

          Ein Trainer von vorgestern?

          Selbst eingefleischte 96-Fans wundern sich noch heute, warum Dolls Vorgänger André Breitenreiter für seine „Ausbeute“ von elf Punkten aus 19 Spielen nur sanft kritisiert wurde, während das Urteil über Doll schon nach fünf Spielen feststand: taktisch altbacken, altmodische Ansprache, rhetorisch schwach, naiv. Ein Trainer von vorgestern. „Die Häme, die Leute über mich ausschütten, die noch nie mit mir geredet haben, interessiert mich nicht“, sagte Doll der „Sport-Bild“. Vor allem der Hannoveraner Klubchef Martin Kind kam schlecht weg. Erst voll des Lobes, dann ätzende Kritik, am Ende eine Entlassung, von der Doll aus der Zeitung erfahren haben will. Der Coach hatte sich in Hannover wie ein Einzelkämpfer gefühlt, den niemand im Verein unterstützte.

          Thomas Doll: In Hannover galt er als Trainer von gestern

          Nach den Jahren beim Hamburger SV von 2004 bis 2007 und der Rettungsmission mit Borussia Dortmund war Doll irgendwie durch das Raster der Trainer-Fahnder gefallen. Zwar recht jung, aber eben kein moderner Trainer, wie sie 2008, 2009 aufkamen, sondern zwischen den Generationen stehend und mit unscharfem Profil: Doll musste auf Wanderschaft gehen und fand sein Glück in Budapest. Erfolge stellten sich ein, aber die Bundesliga blieb die unerwiderte Leidenschaft. Bis Hannover kam. Mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Genugtuung verspüre er dieser Tage nicht gegenüber Hannover 96. Und seinen zahlreichen Kritikern sagt Doll: „Ich bin da ziemlich gelassen und schaue nicht zurück, bin keinem böse und nicht sauer. Das war bei all meinen Trainerstationen so.“ Als feiner Kerl ist Thomas Doll überall durchgegangen.

          Sollte der Coup in Amsterdam gelingen, wäre es übrigens nicht seine Champions-League-Premiere: 2006 schaffte Doll diesen Sprung mit dem HSV. Ein gutes halbes Jahr später wurde er dort entlassen. Aber sechs Partien in der Champions League stehen immerhin schon in seiner Trainer-Vita.

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